Essen und Trinken

Rendezvous mit Untoten Warum man keinen Bischof erschlägt

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Blick über den schneebedeckten Domplatz.

(Foto: dpa)

Otto erschien gespornt und gegürtet, mit Kappe und Schwert. Die Nase ein wenig rot von der Kälte (meine sicher auch), aber ansonsten gut erhalten. Das personifizierte Wunder, denn Otto ist schon weit über 1000 Jahre tot.

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Otto der Große und seine erste Gattin Editha im Dom zu Magdeburg.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Denken Sie bitte nicht, ich habe zu tief in den Glühweinbecher geschaut! Es geschah dieser Tage in Magdeburg, als mir Otto I. sein "Drittes Rom" zeigte. In der heutigen Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts befand sich im 10. Jahrhundert das Machtzentrum Europas - die Pfalz der römisch-deutschen Kaiser. In Magdeburg, mit Bilderbuchlage an der Elbe, lassen sich heute 1200 Jahre Stadtgeschichte entdecken: das romanische Kloster Unser Lieben Frauen, der älteste gotische Dom Deutschlands St. Mauritius und St. Katharina, Barock-Paläste und Hundertwassers letztes Bauwerk "Die Grüne Zitadelle".

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Die sogenannte Grüne Zitadelle in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ist das letzte große Bauprojekt des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser (1928-2000).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch nicht nur Bischöfen und Hundertwasser bin ich in Magdeburg begegnet, sondern auch allerhand Schabernack treibenden Teufelchen und Till Eulenspiegel. Von Otto I., in der Neuzeit Stadtführer, erfuhr ich auch, das der Broadway eigentlich in Magdeburg liegt und warum US-Präsident Obama jeden Morgen auf einen Magdeburger blickt. Davon aber ein anderes Mal.

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In winterlichem Schneegewand präsentiert sich der Magdeburger Dom "St. Mauritius und St. Katharina".

(Foto: dpa)

Die Magdeburger behaupten, dass dem Martin Luther schon als Schuljunge in ihrer Stadt die Idee, die Kirche zu reformieren, als überaus notwendig erschien. Der Schulweg des Bübchens führte nämlich geradewegs an der sogenannten Parad vorbei, wo die "leichten Mädchen" auf Kundschaft wartend paradierten. Sicher nicht umsonst, denn dieser Platz lag zwischen dem Kloster mit damals 300 Mönchen (!) auf der einen Seite und dem Dom mit zahlreichen Kirchenbeamten (!) auf der anderen Seite. Heute befindet sich übrigens der Landtag an dieser Stelle des damaligen "Rotlichtviertels"…

Jeden Tag müssen die Abgeordneten zudem an einer Tafel für den Festungsbauingenieur Gerhard Cornelius von Walrave vorbei, der die letzten 25 Jahres seines Lebens in der von ihm entworfenen "Sternschanze" absitzen musste, weil er aus Habgier die Festungspläne an die Österreicher verkauft hatte. Wenn das keine Mahnung ist, trotz des wunderschönen historischen Landtagssitzes bescheiden zu bleiben und dem Bürger zu dienen!

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Der Dom zu Magdeburg ist der erste gotische Kathedralbau in Deutschland. Seine Erbauung geht auf das Jahr 1209 zurück. Heute ist er das Wahrzeichen der Elbestadt.

(Foto: dpa)

Denn der Magdeburger lässt nicht mit sich spaßen. Das musste 1325 selbst ein Erzbischof am eigenen Leibe erfahren. Zwischen der bürgerlichen Stadtverwaltung und der Kirche herrschte fast ein Dauerstreit wegen der Steuern und Abgaben, doch Erzbischof Burchard III. war offenbar der Gierigste. Keinen haben die Magdeburger wohl so gehasst wie ihn. Die Herrschaft Burchard III. zeichnete sich aus durch hohe Abgaben, Wortbrüche und Diebstahl. Als er dann auch noch einen "Zoll" für den Tritt über die Kirchenschwelle verlangte, reichte es den Stadtvätern. Auf Befehl des Magistrats wurde er festgenommen und in seinem Palast in Arrest genommen. Aber wie nun weiter? Drei Wochen verstrichen, Tag und Nacht wechselten sich Vertreter der Bürgerschaft und des Rates mit seiner Bewachung ab. Langsam wurde das lästig - und teuer außerdem. Keiner wusste, was man mit dem Herrn Erzbischof nun eigentlich anstellen sollte. In einer stürmischen Septembernacht des Jahres 1325 schritt man Tat: Der Bischof wurde gefesselt und von seinem Palast in den Keller des Rathauses verfrachtet. Noch vor dem nächsten Morgen wurde Burchard III. mit einer eisernen Türklinke erschlagen und im Sand des Kellers verscharrt.

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Das sanierte Kloster Unser Lieben Frauen ist heute Kunstmuseum und Konzerthalle.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Den habgierigen Bischof waren sie los, die Magdeburger, aber nicht ihre Probleme: Irgendwann kam ja ans Tageslicht, dass der Bischof verschwunden war! Der Bruder des Toten, Bischof Gerhard von Merseburg, begann einen langwierigen Krieg gegen die Stadt, und der Papst belegte sie mit dem Bann: unter anderem fünf Jahre lang keine kirchlichen Bestattungen mehr in Magdeburger Erde; die Toten wurden in der Elbe "entsorgt". Außerhalb der Stadtmauern waren durch den Bann alle Magdeburger vogelfrei und durften ausgeraubt werden. Das taten die umliegenden Dörfer nur allzu gerne! Erst nach vielen Jahren konnte sich die Stadt freikaufen - das kam noch teurer als die Zeiten mit dem lebenden Burchard. Und deshalb haben die Magdeburger nie wieder einen Erzbischof erschlagen …

In dem "Ratskeller" befindet sich heute übrigens ein Restaurant. Doch keine Bange: Acht Monate lang verrottete der Leichnam des Bischofs in dem wenig ehrenvollen Kellergrab, dann mussten die Bürger ihre Missetat eingestehen und den Leichnam im Dom beisetzen. Sie dürfen bei einem Besuch Magdeburgs also getrost hinuntersteigen in den Keller …

Empfehlen möchte ich Ihnen einen wahrlich bischöflichen "Magdeburger Fasanenbraten", selbstverständlich mit einer feinen säuerlichen Note.  Zubereitet mit einem Weißwein aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut, einer der nördlichsten Rebanbauflächen Europas:

Zutaten (4 Personen):

2 küchenfertige Fasane
2 große, dünn geschnittene Scheiben Speck
150 g Suppengrün
2 Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
¼ l saure Sahne
½ l Unstrut-Weißwein
½ l Brühe
2 Zitronen
2 EL Tomatenmark
2 EL Mehl
Rapsöl, Butter, Salz, Pfeffer, Lorbeer, Senf Majoran

Zubereitung:

Das Suppengrün in feine Streifen und die Zwiebel in Scheiben schneiden; den Knoblauch hacken. Die Speckscheiben leicht klopfen.

Die gesäuberten Fasane trockentupfen. Salz, frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer und eine Messerspitze gerebbelten Majoran mischen und damit die Fasane innen gut einreiben. Die Brust jeweils mit dem Speck belegen, mit einem Faden festbinden. Auch die Keulen zusammenbinden, damit die Form beim Braten erhalten bleibt.

Das Öl in einer entsprechend großen Pfanne erhitzen und die Fasane eine Viertelstunde lang von allen Seiten bräunen. Aus den Pfanne nehmen.

In dem Bratfett Suppengrün, Zwiebeln, Knoblauch und das Lorbeerblatt anschwitzen. Das Tomatenmark dazugeben. Die angebratenen Fasane wieder in die Pfanne geben, mit Salz und Pfeffer bestreuen, 1 EL Butter dazugeben und mit dem Weißwein auffüllen. Zugedeckt bei Mittelhitze in der Röhre garen. Ab und zu wenden, dabei mit dem Fond begießen und nach und nach die Brühe angießen. Etwa 1 EL Zitronensaft dazugeben.

Wenn das Fleisch gar ist, die Fasane herausnehmen, die Fäden entfernen, in Viertel teilen und warmstellen. Die Speck in feine Streifen schneiden.

Das Mehl in zerlassener Butter anschwitzen und mit dem Bratensaft auffüllen. Die Soße gut durchkochen, durch ein Sieb gießen und mit 1 TL Senf, dem restlichen Zitronensaft und der sauren Sahne verfeinern. Die Speckstreifen in die Soße geben.

Die Fasanenteile in die fertige Soße legen, alles nochmals erhitzen, aber nicht mehr kochen! Schön heiß mit Petersilienkartoffeln servieren.

Guten Appetit wünscht Ihnen Heidi Driesner

Quelle: ntv.de