Essen und Trinken

Honig ums Maul Wenig kann unendlich viel sein

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Äpfel gehören zur Adventszeit und zu Weihnachten einfach dazu.

(Foto: imago/Westend61)

"Diamonds Are a Girls Best Friend" - Immer noch? Angesichts der auf uns zu rollenden weihnachtlichen Geschenkeorgie sollte mal darüber nachgedacht werden, ob die Dame des Herzens nicht viel lieber etwas anderes hätte.

Als die gute Marilyn ihrerzeit trällerte, dass teure Klunker wie Diamanten der holden Weiblichkeit beste Freunde seien, mag das ja gestimmt haben. Und ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass frau sich auch heutzutage über so einen kleinen Halbkaräter freut. Den kann sie dann genervt am Finger hin- und herdrehen, wenn die Verabredung mal wieder geplatzt ist, das Abendessen zum vierten Mal in der Woche längst kalt geworden oder der lange geplante Wochenendtrip völlig überraschend doch noch ins Wasser gefallen ist. Selbst Blondinen bevorzugen dieser Tage vermutlich etwas, worauf die geballte männliche Herrlichkeit nie und nimmer kommt: Zeit. Mehr Zeit mit dem Liebsten, mit der Familie, mit Freunden – mehr Zeit zu haben, ist heutzutage eine Kostbarkeit, eigentlich der wahre "Diamant".

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Honig schmeckt auf dem Frühstücksbrötchen, als I-Tüpfelchen auf dem Entenbraten - und im Salat.

(Foto: imago/Westend61)

Vor allem im letzten Monat des Jahres wird die an sich schon knappe Zeit regelrecht zur Rarität, denn da muss geplant und eingekauft, geschmückt und eingepackt, gebrutzelt und gebacken werden. Stress pur! Und wie jedes Jahr zum "Fest der Liebe" gibt’s Streit mit der Schwiegermutter oder der eigenen Mama über das beste Gansrezept mit oder ohne Rosinen, mit Thymian oder Beifuß, Rotkraut oder Grünkohl, Klöße oder Kartoffeln - und überhaupt, muss es denn immer die fette Gans sein; wie jedes Jahr ist der Weihnachtsbaum zu mickrig, zu klein, zu groß, zu krumm - und überhaupt, der nadelt ja jetzt schon; wie jedes Jahr will ER aus Sicherheitsgründen die elektrische Baumbeleuchtung, SIE dagegen steht wegen der Romantik und des anheimelnden Geruchs auf natürliche Kerzen - und überhaupt, wird die Tanne nun rot, silbern, golden und bunt geschmückt; und wie jedes Jahr mault garantiert eine/einer, mehrere oder schlimmstenfalls alle aus der familiären Feiergemeinschaft über die zu klein oder zu groß, zu billig oder zu teuer, zu praktisch oder zu überflüssig ausgefallenen Geschenke - und überhaupt, wollten wir eigentlich nicht nur noch den Kindern was schenken??? Stille Nacht? Von wegen! Selbst die Katze ist genervt - spätestens dann, wenn der Baum kippt. Offensichtlich stellen viele Paare nach den Feiertagen fest, dass sie mal wieder nur aneinander vorbei geredet haben: Im ersten Vierteljahr nach Weihnachten ist die Scheidungsrate etwa zehn Prozent höher als üblich.

Muss das sein? Nee! Schenken Sie also Zeit – sich selbst und den anderen. Zeit für Gespräche, für Berührungen, für Muße und Spaziergänge, für ein Konzert oder eine Vorlesestunde. Es lässt sich nicht vermeiden, dass man vor Feiertagen mehr Zeit in der Küche vertut als üblich – ein gutes Mahl ist halt aufwendiger als das Schmieren einer Käsestulle. Bei guter Planung lässt sich das alles einteilen und vor allem verteilen. Vergessen Sie mal die Ausrede "Ich kann nicht kochen" – ein bisschen schnippeln kann jeder! Nicht alle Gänge eines Festessens müssen arg aufwendig sein – wie wär's mit einer kinderleichten Vorspeise? Meine Schwester brachte die Idee aus der Niederlausitz mit, wo sie zum Martinsgansessen war. Die Hofbäuerin hatte mit einer Apfelschwemme zu "kämpfen" und erfand eins-fix-drei ein Rezept, um die Lage zu entschärfen: "Drei Teile Apfel, ein Teil Zwiebel, Honig – fertig!" Ich habe das Rezept ein wenig aufgehübscht und damit meine Freunde vor dem Entenbraten bewirtet – und überzeugt. Gerade vor einem schweren Essen ist dieses leichte Salätchen als Auftakt sehr geeignet, es stellt keine koch-künstlerischen Ansprüche, macht kaum Arbeit – aber geschmacklich viel her.

Apfel-Zwiebel-Honig-Salat

Zutaten (4 Pers):

3 Äpfel (z.B. Elstar, Boskop)
1 kleine Zwiebel oder Schalotte
ca. 1-2 TL Honig
ca. 1 TL Orangensaft (eher etwas weniger)
1 Prise Salz
frische Minze

Zubereitung:

Die Äpfel schälen, entkernen und in kleine Würfel schneiden. Mit dem Orangensaft beträufeln. Die Zwiebel pellen und in sehr kleine Würfel (viel kleiner als die Apfelstückchen) schneiden. Unter die Apfelwürfelchen mischen und den Honig vorsichtig unterrühren. Mit ganz wenig Salz würzen.

Im Kühlschrank durchziehen lassen. Vor dem Servieren mit frischen Minzeblättchen dekorieren.

Tipp:

Verwenden Sie dafür Apfelsorten mit nicht so hohen Zuckerwerten, aber knackigem Fruchtfleisch, zum Beispiel Elstar, Braeburn oder Idared. Mürbe Äpfel sind weniger geeignet.

Der Salat lässt sich auch gut schon am Vortag zubereiten und bewahrt im Kühlschrank seine Konsistenz. Reste schmecken übrigens vorzüglich zu kaltem Bratenfleisch.

Wenig vorweihnachtlichen Stress wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de