Essen und Trinken

Die Schattenseite der Sonnenseite Wenn die Stadt Rauchzeichen gibt

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Auch in der Banken-Metropole Frankfurt finden "Park-Griller" ein Plätzchen.

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Wer räumt schon gerne auf? Wohl kaum einer. Die Frage lässt sich aber auch anders stellen: Wer lebt schon gerne im Müll? Auch keiner - allerdings hinterlassen wir ständig welchen. Nicht überall ist "Hotel Mama", wo sich immer jemand um den Dreck kümmert, und zwar unentgeltlich.

Der Sommer hat sein kurzes Gastspiel beendet, doch die paar Tage genügten, um in Stimmung zu kommen. Eingefleischte Grillfans sind da nicht zu bremsen, und so gab es wohl mancherorts eher einen Tanz um den Gartengrill als einen Tanz unterm Maibaum.

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Fleisch, Bier, Kumpels: Grillen ist männlich, aber nicht nur.

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Gegrillt wird hierzulande fast überall und fast alles; die Skala reicht vom kleinen Maiskolben bis zum großen Ochsen am Spieß, wobei die Größe des Grills dem Ganzen ein Ende setzt. Gegrillt wird vorzugsweise im eigenen Garten - wohl dem, der einen hat -, aber auch (oft verbotenerweise) am Ufer von Badeseen, auf öffentlichen Wiesen und in Parks, im Hinterhof und auf dem Balkon. Gesetze sollen für die Einhaltung der Ordnung sorgen - eigentlich …

Auf Privatgrundstücken ist Grillen grundsätzlich erlaubt, allerdings sollten auch hier zur Erhaltung des Nachbarschaftsfriedens Geruchs- und Lärmbelästigung  erträglich sein. In öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen ist Grillen dagegen nach dem Grünanlagengesetz zum Schutz der Anlagen und zur Vermeidung von Störungen und Beschädigungen verboten. Wie meistens im Leben gibt es auch hier Ausnahmen: In einigen Grünanlagen gibt es extra ausgeschilderte Grillplätze, wo unter Beachtung gewisser Spielregeln ausnahmsweise auch im Park gegrillt werden darf.

Berlin - Hauptstadt der Müllberge

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Der 1. Mai blieb in diesem Jahr in Berlin friedlich - aber nicht rauchfrei.

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Und wenn die "Parkgriller" diese Spielregeln stets beachten und die Anlage so verlassen würden wie ihren eigenen Garten, dann dürfte man möglicherweise auch im Berliner Tiergarten, einem der größten Volksparks Deutschlands, weiter grillen. Seit 1998 war das Grillen im Tiergarten auf einer 20 Hektar großen Fläche begrenzt erlaubt. Seit diesem Jahr glüht auch dort keine Kohle mehr, denn der Stadtbezirk sah sich gezwungen, der Vermüllung der Grünanlagen per Verbot ein Ende zu bereiten.

Betroffen von der Entscheidung sind Tausende Berliner, die an Wochenenden und Feiertagen dort ihr Fleisch brutzelten. Etwa 160 Tonnen Abfall mussten an den 25 Wochenenden eines Sommers allein aus dem Tiergarten entsorgt werden, was 300.000 Euro kostete, die unter Garantie besser anderen Zwecken gedient hätten.

Während der ersten warmen "Grilltage" dieses Jahres wurde das Grillverbot im Tiergarten weitgehend akzeptiert. Nach Angaben des Stadtbezirks wurden nur zehn Mal Besucher beim Grillen erwischt. Dagegen versinken die Parkanlagen in anderen Stadtbezirken im Müll: Coffee to go und Pizza to go - und der Rest bleibt liegen. Mitnehmen, was man mitbringt, sollte die Devise heißen, und das gilt nicht nur für die kostbaren Tupperdosen. Einweggrill bedeutet nicht, dass der nicht wieder mit auf den Heimweg genommen werden darf. Es sind inzwischen jährlich mehrere Millionen Euro, die von den Berliner Bezirken für Reinigung und Abfallentsorgung in den Parks eingesetzt werden müssen. Bußgelder helfen erfahrungsgemäß nur wenig, obwohl der Grill"spaß" bis zu 5000 Euro kosten könnte. Es bleibt der Dauerappell an das eigene Gewissen.

Steigt die Sonne, wächst der Müll

Wer nun glaubt, die gigantischen Müllberge in öffentlichen Grünanlagen seien ein Berliner Problem, der irrt gewaltig. Die Preußen, denen man eigentlich "Zucht und Ordnung" nachsagt, früher jedenfalls, sind nicht schlampiger als beispielsweise die Bayern. Auch für München sind schönes Wetter und Müllberge ein untrennbares Duo. Wenn die Temperaturen steigen, überrennen auch die Münchner die beliebten Erholungsplätze der Stadt. Danach versinken der Englische Garten, der Olympiapark, der Hofgarten oder die Isarauen im Müll.

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Horden von "Grill-Rowdys" hinterlassen verbrannte Erde und Unrat.

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Bierflaschen, gefährliche Scherben, Zigarettenkippen und -schachteln, Speisereste und Tausende Pappbecher übersähen die Grünanlagen - wie in Berlin und andernorts. Allein am Frankfurter Mainufer fallen nach Wochenenden mit schönem Wetter rund sieben Kubikmeter Müll an. Das dortige Grünflächenamt hat ein Jahresbudget von rund acht Millionen Euro - ein Viertel dieser Summe muss für Reinigung und Entsorgung ausgegeben werden. Hintragen ist auch für die Kölner offenbar leichter als wieder mit nach Hause nehmen. Um umweltfeindlichen "Picknickern" auf die Spur zu kommen, setzt die Stadt sogenannte Müllscouts ein, die allerdings mengenmäßig in der Minderheit sind. Die Stadt am Rhein setzt auch auf die vielen umweltfreundlichen Kölner, die dem Unrat in ihrer Stadt in diesem Jahr schon zum elften Mal zu Leibe rückten. Immerhin 17.000 freiwillige Helferinnen und Helfer machten bei "Kölle putzmunter" mit und zogen mit Besen, Kehrschaufel und Abfallsäcken ausgestattet durch ihr Stadtviertel und beseitigten insgesamt 106 Kubikmeter Müll aus Grünflächen und von öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. Insgesamt 165.000 Kölner haben seit dem Start im Jahr 2001 auf diese Weise mehr als 3.500 Kubikmeter Müll zusammengetragen.

Wer das Angrillen beim diesjährigen Vorgeschmack auf den Sommer verpasst hat, dem bleibt die Gewissheit kommender sonniger Tage. Wo Sie auch grillen oder picknicken - tun Sie es so, als ob‘s im eigenen Garten wäre, damit kein bitterer Nachgeschmack bleibt.

Als Grillbeilage stets beliebt ist ein Kartoffelsalat, und der muss durchaus nicht schwer im Magen liegen. Meine Freundin Moni wird immer verpflichtet, zum Grillen ihren leichten Kartoffelsalat mitzubringen, ohne Mayonnaise, gut haltbar und auch am nächsten Tag noch lecker - wenn etwas übrig bleiben sollte. Das ist allerdings kaum der Fall, meistens könnte die Schüssel noch größer sein:

Sommerlicher Kartoffelsalat

Zutaten (4 Personen):

1 kg festkochende Kartoffeln
6 mittelgroße Gewürzgurken
1 - 2 Bund Radieschen
250 g kleine Schinkenwürfel
1 mittelgroße Zwiebel
Oliven- oder Sonnenblumenöl
Schnittlauch, Petersilie, Dill
Salz, Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Die Kartoffeln in der Schale kochen und etwas abkühlen lassen. Die Zwiebel fein würfeln, die Radieschen und die Gurken in dünne Scheiben schneiden. Die Kräuter hacken; es müssen nicht alle drei Sorten verwendet werden. Das Gemüse, die Kräuter und die Schinkenwürfel in einer Schüssel vermischen. Die Menge sollte etwa ein Drittel der Kartoffelmenge betragen.

Tipp:

Kosten Sie vorher unbedingt den Schinken. Sollte er sehr salzig sein, müssen Sie die Kartoffelschichten zurückhaltend salzen.

Wenn Sie den Salat "gemüsiger" haben wollen, können Sie noch 3 oder 4 festfleischige Tomaten und/oder 1/2 Gurke würfeln und dazugeben. Dann sollte der Salat allerdings nicht mehr lange stehen, sonst wird er zu suppig.

Die Kartoffeln portionsweise pellen, in Scheiben schneiden und auf die Gemüsemischung geben. Salzen und pfeffern und so fortfahren, bis alle Kartoffeln verbraucht sind. Zum Schluss etwa 3 EL Öl darüber geben und alles behutsam vermengen.

Den Salat 2 bis 3 Stunden kühl stellen und durchziehen lassen - und in der Kühltasche mit zur Grillparty bringen. Ihr Freunde werden es Ihnen danken!

Viel Erfolg beim Grillen - und beim Aufräumen! - wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de