Essen und Trinken

Mit und ohne Stacheln Wilde Kerle brauchen sanfte Hände

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Diese Herren hier wollen ihre "Stacheln" verlieren.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Welcher Typ sind Sie? Mehr der bärenstarke Wilde oder mehr der sensible Schöngeist? Ganz im Vertrauen: Die Mischung macht’s. So von allem ein bisschen. Sie meinen, das geht nicht? Und ob!

Von Hause aus sind die Burschen wilde Geschöpfe. Es dauerte immerhin Jahrhunderte, bis man sie einigermaßen gezähmt hatte, im wahrsten Sinne des Wortes kultiviert. Sie machen nun mehr her, doch haben sie dafür auch etwas hergeben müssen: den "Duft der Freiheit”.

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Vollreif und schön süß - das wissen aber auch andere ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Oft haben wir es der fleißigen Arbeit von Züchtern zu verdanken, dass leckere Exemplare unsere Sinne erfreuen. Man denke nur an wohlschmeckende, -riechende und -geformte Äpfel, die Züchter aus dem mickrigen Holzapfel gekreuzt haben. Bei Brombeeren sieht die Sache ein wenig anders aus.

Archäologische Ausgrabungen förderten zutage, dass der Mensch schon in der Jungsteinzeit (12. bis 9. Jhd. v. Chr.) Brombeeren gegessen hat. In der Antike hatten sich die wilden Brombeersträucher über ganz Europa verbreitet, und Hippokrates (400 v. Chr.) verwendete Beeren und Blätter zu Heilzwecken. Es dauerte dann aber noch einige Jahrhunderte, bis aus der wilden dornenbewehrten Beere eine artige Gartenbeere ohne Stacheln wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erlangten die Brombeeren Einzug in die europäischen Obstgärten und wurden dann in größerem Umfang kultiviert.

Bestandteil der "Apotheke Gottes"

In der Naturheilkunde sind getrocknete Brombeerblätter heute noch beliebt. Wegen ihres Gehalts an Gerbstoffen und organischen Säuren werden sie als Tee gegen leichte Durchfallerkrankungen und Entzündungen in Mund und Rachen eingesetzt.

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Das zu kühle Sommerwetter lässt die Beeren derzeit nur zögerlich reifen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur die Blätter, auch die Beeren haben es in sich. Sie enthalten viel Calcium - mehr als alle anderen Beerensorten -, und sind reich an Kalium, Magnesium, Kupfer, Beta-Carotin und Vitamin C. Der blaue Pflanzenfarbstoff kräftigt das Immunsystem, weshalb Brombeersaft gerne bei Halsschmerzen und Heiserkeit getrunken wird.

Es gibt inzwischen wohl so an die hundert Brombeersorten und durch Kreuzungen aus Brombeeren und Himbeeren entstehen immer wieder neu. Allen bekannt dürften die dunklen, schwarzen Brombeeren sein, doch es gibt auch Sorten, deren Früchte nur dunkelrot oder gar gelblich werden.

Sanfte Behandlung dringend erforderlich

Je nach Sorte werden die Beeren von Juli bis September geerntet. Brombeeren schmecken am besten, wenn sie vollreif sind. Dann sind sie süß und weich und die dunklen Sorten haben dann eine tiefschwarze Färbung. Achtung beim Einkauf: Sind die Beeren zu weich - kurz vor matschig - , dann ist das kein Zeichen von Vollreife und Frische, sondern von Überlagerung. Frische Früchte sind prall und glänzen; matt aussehende Beeren sind häufig nicht mehr ganz frisch.

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Immer schön vorsichtig!

(Foto: Angelina Ströbel/pixelio.de)

Am besten ist es ohnehin, man geht in den Wald und sammelt selbst. Wild wachsende Brombeeren sind in der Regel kleiner als die Zuchtformen, dafür aber viel aromatischer. Sie haben halt noch den "Duft der Freiheit"! Doch auch die "wilden Kerle" sind kleine Sensibelchen und verlangen sanfte Behandlung: Brombeeren sind sehr empfindlich und vertragen weder Hitze noch längere Transportwege. Es hat auch keinen Zweck, nicht ganz ausgereifte Beeren zu sammeln - Brombeeren reifen nach dem Pflücken kaum mehr nach.

Für viele ist das Sammeln von Wildfrüchten verlockender als das Suchen von Pilzen: Man hat die Früchtchen direkt vor der Nase, kann zwischendurch mal davon naschen - und man muss nicht mühselig den ganzen Waldboden abgrasen, denn mit ihren leuchtenden Farben machen die Beeren von ganz alleine auf sich aufmerksam.

Reife saftige Brombeeren sind eine köstliche Ergänzung zum Frühstücksmüsli, zum Obstsalat und zu Milch- und Quarkspeisen. Auch Brombeermarmelade und -Liköre schmecken sehr gut.

Weniger bekannt ist, dass man Brombeeren genau so wie Preiselbeeren zu Wildgerichten verwenden kann. Aromatische Beerensüße zu Wild ist immer ein Klassiker, deshalb heute "Rehmedaillons mit Brombeeren":

Zutaten (4 Personen):

8 Rehmedaillons
8 dünne Scheiben Frühstücksspeck
50 g gut geräucherter Speck
300 ml Wildfond
100 ml trockener Rotwein
Handvoll frische Brombeeren
Creme fraiche
Cassis- oder Brombeerlikör
Salz, Pfeffer aus der Mühle
etwas Stärkemehl
Babybirnen-Hälften aus der Dose
etwas Brombeergelee oder -marmelade

Zubereitung:

Die Birnenhälften abtropfen lassen und in jede Vertiefung einen Klecks Brombeergelee oder -marmelade geben. Rehmedaillons mit Salz und Pfeffer kräftig würzen. Jeweils mit einer Scheibe Speck umwickeln. Den Speck mit einem Zahnstocher feststecken.

Den Speck fein würfeln und in einer Pfanne glasig werden lassen. Die vorbereiteten Medaillons darin in 3 bis 5 Minuten von allen Seiten anbraten, herausnehmen und auf einer Platte im Ofen bei 70 Grad Celsius ruhen lassen.

Den Fond mit Rotwein und Wildfond ablöschen und bei kräftiger Hitze 10 Minuten reduzieren. Mit Salz, Pfeffer und etwas Likör abschmecken. Mit wenig Stärkemehl abbinden. Die Brombeeren zugeben und zum Schluss etwas Creme fraiche unterschlagen.

Die heiße Soße auf gut vorgewärmten Tellern verteilen, die Rehmedaillons einsetzen und die Birnenhälften hinzufügen.

Am besten schmecken dazu Rahmwirsing oder Rosenkohl sowie Spätzle, Kartoffelplätzchen oder auch Pasta.

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Und welcher Typ sind Sie?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Viel Erfolg beim Beerensammeln und später dann einen guten Appetit wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de