Essen und Trinken

Kein Spreewaldkrimi Wo der Klapperstorch Whisky trinkt

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Winterliche Ruhe in Schlepzig.

(Foto: Driesner)

Melancholisch und mystisch ist diese Landschaft. Hunderte von Wasserläufen, Wiesen, Sümpfe, Äcker und uralte Erlenwälder, dazwischen kleine Dörfer. Im "Spreewaldkrimi" kommt der immer etwas mufflige Kommissar Krüger mit dem Kahn, im wirklichen Leben die Postfrau. Doch Spreewald geht auch anders.

"Nur Kähne und saure Gurken, Millionen Mücken und Touristen": Peter outet sich als Spreewald-Verweigerer; seine Frau Monika war noch nie dort. Und das als Berliner, vor deren Nasen eines der schönsten Fleckchen Deutschlands liegt! Ich kann das überhaupt nicht verstehen und so überrede ich meine Freunde, mich auf einem Kurztrip in den Spreewald zu begleiten. Die Zeit Mitte Dezember ist günstig: Weder Mücken noch Touristen, die Kähne sind eingemottet und die ansonsten heillos ausgebuchten Vermieter warten auf Gäste. Saure Gurken gibt es allerdings immer. Und das ist auch gut so, denn nirgendwo schmecken sie besser, nirgendwo sind sie knackiger als vor Ort im Spreewald.

Die Autofahrt dauert nur eine Stunde. Unser Ziel ist der Unterspreewald, aus nördlicher (Berliner) Richtung gesehen ist das untere Ende des Spreewalds "oben". Alles klar? Das ist so ähnlich wie mit den Sorben und den Wenden in der Lausitz – da gibt es nämlich auch keinen Unterschied. Wenden ist die alte deutsche Bezeichnung für die slawischen Stämme, die sich ab dem 6. Jahrhundert dort ansiedelten. Die Sorben wurden erstmals 631 in Chroniken als slawische Stämme an der Saale erwähnt, später wurde dieser Name auf Slawenstämme in der Ober- und Niederlausitz übertragen und setzte sich ab dem 19. Jahrhundert als Begriff durch.

In offiziellen Texten wird heute die Bezeichnung "Sorben/Wenden" verwendet. Damit ist klar, beide Namen für ein und dieselbe Volksgruppe sind möglich. Unterschiede gibt es nur zwischen den Sorben in der Ober- und denen in der Niederlausitz, zum Beispiel in den Trachten und in der Sprache. Niedersorbische Grüße an den Onkel in der Oberlausitz können ganz schön daneben gehen, weil Onkel zwar im Niedersorbischen "wujk" heißt, im Obersorbischen allerdings Meerschweinchen. Soviel zu den Urlausitzern.

Geheimnisvoll und verwunschen

Wir fahren in die sorbische Niederlausitz, genauer gesagt nach Schlepzig, dem Zentrum des Unterspreewaldes. Schlepzig ist eine der ältesten Ortschaften im Land Brandenburg und wurde 1999 zur schönsten Gemeinde gekürt. Der kleine Ort kann auf eine 1000-jährige Geschichte verweisen. 1004 wurde Schlepzig in einer Schenkungsurkunde Heinrich II. an das Kloster zu Nienburg erstmals erwähnt.

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Geheimnisvoll und mystisch: Die Florentine-Eiche im Byttnahain bei Straupitz.

(Foto: imago stock&people)

Hier ist der Spreewald weit vom Krimi entfernt, keine Enge zwischen Sümpfen und Fließen, kein wortkarger Kommissar Krüger mitsamt Wasserleiche oder Feuerteufel. Die Post kommt mit dem Auto und nicht mit dem Kahn wie im Herzen des Spreewalds. Hier ist diese eigenartige Landschaft weit und offen, und dennoch fehlt nichts, was den Spreewald ausmacht: die Spree mit Seitenarmen, Wiesen und Weiden, Fachwerkhäuschen und natürlich Kähne. Unberührt scheinende Natur soweit das Auge reicht, absolute Stille, nur das eigene Atmen ist zu hören. Die Luft glasklar und rein, und die smoggestählten hauptstädtischen Lungen kommen sich verschaukelt vor. Im Hafen hinter unserem Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" liegen still die typischen Spreewaldkähne, zugedeckt und wartend auf die neue Saison. Nachts geben einige verstreut liegende Kugellampen hinter der Spree ein diffuses Licht von sich, so als ob der Vollmond auf die Wiese gefallen wäre. Romantik pur! Wir schlafen selig mit der nötigen Bettschwere, denn im Brauhaus gibt es immer leckeres frisch gebrautes Bier von Hefeweizen bis zum süffigen Dunkel, insgesamt vier Sorten. 

Am nächsten Morgen entdecken wir dann Fleischer und Bäcker im Dorf und ein paar Kilometer weiter am Rand der Kreisstadt Lübben frisches Wild direkt vom Jäger. Nur so viel vorweg: Auf der Rückfahrt sah es im Kofferraum aus wie nach einer Hamsterfahrt, und der Duft von Wurst und Brot umwehte uns. Unser "Überleben" ist bis ins neue Jahr hinein gesichert.

Was am Mittag in Burg nicht gewährleistet scheint. Der Ort liegt im östlichen Teil des Oberspreewaldes und lässt uns die spreewaldtypische Gastlichkeit vermissen. Im Zentrum haben sämtliche Restaurants geschlossen, geöffnet außerhalb der Saison nur Freitag bis Sonntag oder ganz und gar zu. Unter Verzicht auf Spreewaldkost gehen wir "zum Chinesen", der ein Vietnamese ist. Den Wermutstropfen wischt eine kleine Töpferei mit wunderschöner Keramik weg; wir sind nun ein paar Weihnachtsgeschenke reicher. Und zum Glück hält auch die alte Holländermühle in Straupitz keinen Winterschlaf, so dass ich mein heißgeliebtes Leinöl kaufen kann, denn nur von dort schmeckt es so frisch und nussig. Ich freue mich jetzt schon auf Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl.

Keine Gurkentruppe

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Whisky und Rum in schönen Flaschen: Man darf bei "Spreewaldini" auch probieren.

(Foto: Driesner)

Wieder zurück in Schlepzig nehmen wir in Angriff, womit ich Peter eigentlich geködert hatte: Whisky. Was anderen Spreewaldorten die Gurken oder der Meerrettich sind, ist für Schlepzig der Whisky. Seit 2008 wird hier Single Malt Whisky gebrannt, der vom Whisky-Papst Jim Murray mit 94 von 100 möglichen Punkten bedacht wurde. Damit wurde der Ort weit über Spreewald und deutsche Grenzen hinaus bekannt, bis ins Whisky-Land Irland wird geliefert. Noch überraschender: Hinter dem Ganzen steht ein Arzt. Dr. Torsten Römer, ehemals Radiologe in Berlin, erfüllte sich vor Jahren mit Landgasthof, Brauhaus und Brennerei einen Traum. Hotel und Brauhaus hat er inzwischen an andere Betreiber verkauft, er konzentriert sich gemeinsam mit fünf Mitarbeitern aufs Brennen: Whisky, Rum, Obstbrände, Liköre und neuerdings auch Gin. "Spreewaldini" heißt die Welt des Hochgeistigen. Der Favorit nennt sich "Sloupisti", ein preisgekrönter Single Malt Whisky. Sloupisti ist der alte wendische Name von Schlepzig, eine Verneigung vor dem Ort, der Römers zur neuen Heimat wurde. Als Logo ziert ein Storch Brauhaus und Brennerei, mal mit Bier-, mal mit Likörglas.

Es gibt noch mehr in der schmucken Ladenpassage zu entdecken: selbst gemachte Bonbons, Eis, Schokolade und Torten. Jetzt zur Adventszeit riecht es lecker nach Mandelspekulatius, die frisch aus dem Ofen kommen. Der brennende Doktor, der Bier, aber keinen Whisky trinkt,  sprüht vor immer neuen Ideen: Der Glasbläser aus Glashütte, der die wunderschönen Flaschen für Whisky und Rum herstellt, erhält eine Schauwerkstatt. Eine Lagerscheune und ein Maischehaus entstehen neu in rekonstruierten Gebäuden.

Am Ende unseres Ausflugs in eine der faszinierendsten Niederungslandschaften Europas, die 1991 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurde, stellt Peter fest: "Die Reise war viel zu kurz." Der nächste Aufenthalt für Anfang Februar wird sofort gebucht; vielleicht gibt’s dann endlich auch Schnee. Peter ist so "bekehrt" vom Spreewald, dass er sogar im Sommer wiederkommen will, ungeachtet der Mücken. Denn nun will er auch mal in einen Kahn.

Falls Sie Stollen und Lebkuchen schon verspachtelt haben oder kein Fan davon sind, aber noch einen Weihnachtskuchen brauchen, versuchen Sie doch einmal eine Whisky-Torte. Es muss nicht unbedingt "Sloupisti" sein (das aktuelle Fass ist ohnehin leer), doch ein guter Single Malt sollte es schon sein – den Sie aber während des Backens nicht austrinken sollten.

Weihnachtliche Whisky-Torte

Zutaten:

Tortenboden:
6 Eier
150 g Puderzucker
100 g Mehl
50 g Stärkemehl
3 EL heißes Wasser
1 TL Backpulver
½ TL abgeriebene Bio-Orangenschale
1 Prise Salz
1 Prise Zimt
2 cl Single Malt Whisky

Creme:
1 l Schlagsahne
150 ml Single Malt Whisky
2 Pä Sahnesteif
3 EL Kakaopulver
Raspelschokolade oder Schokostreusel zur Verzierung

Zubereitung:

Für den Biskuitboden die Eier trennen. Den gesiebten Puderzucker mit Orangenschale, Salz und Zimt mischen. Die Dotter mit dem Wasser und dem Zucker recht schaumig schlagen, bis sich die Masse fast verdoppelt hat. Dann das gesiebte Mehl mit dem Backpulver mischen und unter die Eimasse rühren. Das Eiweiß zu steifem Eischnee schlagen und unter den Teig heben.

Die Biskuitmasse in einer mit Backpapier ausgelegten Springform bei Mittelhitze etwa 40 Minuten backen. Den Tortenboden in der Form gut auskühlen lassen. Erst dann den Boden mit einem scharfen Messer vom Rand lösen, stürzen und das Papier abziehen, damit die restliche Feuchtigkeit verdunstet. Nach dem völligen Erkalten zweimal quer durchschneiden, so dass drei gleichdicke Böden entstehen. Diese mit dem Whisky beträufeln.

Für die Füllung die Sahne steif schlagen, dabei gegen Ende Sahnesteif einrieseln lassen.Gesiebten Kakao und den Whisky unterrühren. Etwa ein Viertel der Creme beiseite stellen. Den Rest der Füllung gleichmäßig auf zwei Böden verteilen und diese zusammensetzen. Den letzten Boden aufsetzen und die komplette Torte (Rand und oberen Boden) mit der abgenommenen Creme bestreichen. Raspelschokolade oder Schokostreusel als Deko verteilen. Im Kühlschrank etwa zwei bis drei Stunden ruhen lassen.

Viel Erfolg beim Backen und ein Weihnachtsfest mit vielen Leckereien wünscht Ihnen Heidi Driesner. Und lassen auch Sie sich mal von den Spreewäldern verführen. Ganz egal zu welcher Jahreszeit: Im Spreewald ist es immer schön.

Quelle: ntv.de