Essen und Trinken

Kein Hörfehler Wo die Hasen Hosen heißen

Der Vogtländer ist ein bodenständiger Typ. Seine Küche ist es auch: Kartoffeln spielen eine große Rolle, auch Pilze und Wildbret. Das Essen ist nicht "fein", sondern deftig. Wohlschmeckend und nahrhaft und vor allem preiswert, wie es die schwer arbeitende Landbevölkerung in den vergangenen Jahrhunderten brauchte. Die meisten von uns benötigen heutzutage nicht mehr so viele Kalorien auf dem Teller, und so ist ein Urlaub im Vogtland fast immer auch ein Anschlag auf die schlanken Hüften.

Da hilft nur eins: Raus in die wunderschöne Landschaft, im Winter auf den Skiern und in den anderen drei Jahreszeiten in Wanderschuhen. Burgen und Schlösser, die Talsperre Pöhl und die Göltzsch laden in der Grenzregion zu Thüringen, Bayern und Böhmen zum Verweilen ein. Die Göltzschtalbrücke ist übrigens die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Der von dem deutschen Eisenbahnpionier Andreas Schubert entworfene Bau besteht aus 26 Millionen Ziegeln. Apropos vogtländische Berühmtheiten: Der Autopionier August Horch verlagerte vor über 100 Jahren seine Autoproduktion nach Reichenbach und begründete damit den Automobilbau in Sachsen. Und die Wiege des ersten deutschen Raumfahrers, Sigmund Jähn, auch "fliegender Vogtländer" genannt, stand in Morgenröthe-Rautenkranz.

Wer nicht weiß, wohin mit dem vielen Geld aus der Urlaubskasse, kann es auch einfach in Plauener Spitze umwandeln. Oder kauft sich in dem berühmten Musikwinkel rund um Markneukirchen und Klingenthal eine Meistergeige.

Leicht zu verstehen sind sie nicht, die Vogtländer: "Wo de Hos'n Hus'n has'n und de Hus'n Hos'n sei, do sei mir drham." Ich übersetze mal für Sie: Wo die Hosen Husen heißen und die Hasen Hosen sind, da sind wir daheim. Alles klar? "Nackete Maadle" sind auch keine nackten Mädchen, sondern flach gedrückte, gebratene Klöße aus gekochten Kartoffeln.

"Nix verstehen", dachte ich auch vor ein paar Tagen bei einem Geburtstags-Brunch, als mir eine Bekannte ein Rezept verraten wollte, das sie schon vor vielen Jahren aus einem Urlaub bei Markneukirchen mitgebracht hatte und seitdem immer wieder gerne kocht: "Schwammespalken". Wegen des Lärms um uns herum verstand ich zwar nicht Bahnhof, aber immer "Spalten" statt "Spalken". In einer kleinen Lärmpause konnten wir das Missverständnis aufklären und hier ist sie nun, die vogtländische Delikatesse "Schwammespalken". Das Rezept wird natürlich in jeder Ecke des Vogtlandes und dann noch mal in jeder Küche anders gekocht.

Zutaten (4 Personen):

700 g gemischte Waldpilze (auch Feinfrost)
6 - 8 Kartoffeln
1 große Zwiebel
300 Kasslerkamm (oder ca. 100 g Speck oder Bauchspeck)
einige Gewürzgurken
Brühe oder Pilzfond
Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt, Piment

Zubereitung:

Das Kassler (die Vogtländer verwenden eigentlich Speck, das wird aber recht fett) in kleine Würfel schneiden und anbraten. Die geschnittenen Pilze und die gewürfelte Zwiebel hinzufügen, salzen und durchschmoren lassen. Mit Brühe oder Pilzfond (ca. 1 Liter) auffüllen, Lorbeer und Piment zugeben. Auf kleiner Flamme köcheln lassen. Nach ca. 30 Minuten Kochzeit die Kartoffelwürfel (die hier eben Spalken heißen) hinzugeben und weiter köcheln lassen.

Sind die Kartoffeln gar, kann der Pilzeintopf mit braunem Mehl (trocken in der Pfanne rösten und dann in wenig heißem Fett verrühren) gebunden werden. Meine Bekannte lässt das weg, weil es ihrer Familie ohne Mehlschwitze besser schmeckt. Die Bindung durch Pilze und Kartoffeln reicht auch aus. Mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken.

Zum Schluss ein paar Gewürzgurken würfeln, hinzugeben und noch mal aufkochen lassen. Gut durchziehen lassen. Bei Bedarf mit ein wenig Gurkenbrühe abschmecken. Die Vogtländer schmecken den Eintopf mit Essig sauer bzw. mit Zucker und Essig süß-sauer ab.

Variieren kann man den Pilzeintopf, indem man klein geschnittenes Suppengrün anfangs mit durchschmort, mit Kümmel, Wacholderbeeren oder Thymian würzt und das Ganze zum Schluss mit gehackter frischer Petersilie aufpeppt.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de