Essen und Trinken

Der Mozart des Kalenders Wonniges Missverständnis

Die Bäume sprießen, die Blumen blühen, die Vögel zwitschern, wir Menschen haben gute Laune und sind voller Tatendrang: Es ist Mai! Dichter und Sänger bedachten den Monat mit etlichen Werken. Goethe und Heine jubilierten über Wonnen in freier Natur. Eines meiner Lieblings-Maigedichte stammt von Erich Kästner. Zwei Strophen daraus will ich Ihnen nicht vorenthalten:

"Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand.
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, übers Land.
...
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai! "

Der Mai wird ob des Neustarts des Lebens und seiner Blütenfülle gern auch Blumen- oder Frühlingsmonat genannt; das Maiglöckchen wurde sogar nach ihm benannt. Aber warum eigentlich auch Wonne- und Liebesmonat? Zumeist denken wir natürlich an die Wonnen, die uns der Mai so bringt: Es wird wärmer, auch unsere Säfte schießen schneller, das erste grüne Gras lockt auf die Wiese ... "Denkste, Puppe", sagt da der Berliner; denn Sie irren, wenn Sie meinen, der Begriff "Wonnemonat" käme von den Wonnen der Liebe. Wahr ist allerdings, dass der Mai der Monat mit den meisten Eheschließungen ist.

Der Mai ist eigentlich benannt nach lupiter Maius, der Wachstum bringenden römischen obersten Gottheit, dem Jupiter. Uns auch bekannt unter dem griechischen Namen Zeus. Bei Zeus alias Jupiter denkt man natürlich auch sofort an die Liebe, denn beide pflegten neben der Ehe auch jede Menge andere Liebschaften mit zumeist hübschen jungen Frauen.

Das wonnige Missverständnis haben wir Karl dem Großen zu verdanken. Karl der Große benannte im 8. Jahrhundert den Mai in wunnimanoth um, woraus der "Wonnemond" wurde. Die althochdeutsche Bezeichnung ist aber mit Weidemonat zu übersetzen: Es ist der Monat, in dem die Tiere aus dem Stall wieder auf die Weide durften. Ganz sicher auch eine Wonne für sie!

Apropos Schießen: Von Ende April/Anfang Mai bis Mitte Juni "schießt" auch der Spargel wieder, dieses wahrhaft königliche Gemüse. Spargel war schon in der Antike etwas Besonderes. Der hohe Preis der feinen Stangen erhitzte schon damals die Gemüter und veranlasste den römischen Kaiser Diokletian 304, per Erlass den Spargelpreis zu regeln. Der Hauptgrund für den immer noch hohen Preis liegt im aufwendigen, pflege- und arbeitsintensiven und daher relativ teuren Anbau begründet. Spargel wird auch heute noch überwiegend von Hand und unter Kreuzschmerzen geerntet. Viel Geduld ist zudem nötig, bis der Spargel im dritten Jahr nach der Pflanzung die erste volle Ernte liefert.

Nutzen Sie also die kurze Zeit des frischen Angebots und schwelgen Sie in Spargel-Wonnen mit "Räucherfisch und Spargelspitzen":

Zutaten (4 Personen):
300 g geräucherter Lachs
300 g geräucherte Forellenfilets
300 g geräucherter Aal
300 g Spargelspitzen
1 Chicore
½ Kopf Radicchio
1 Bund Dill
1 Bund frische Gartenkräuter (Petersilie, Schnittlauch, Kresse)
2 EL mittelscharfer Senf
200 g Mayonnaise
3 EL Sherry
Himbeeressig, Rapsöl, Salz, Zucker, weißer Pfeffer

Zubereitung:
Die Spargelspitzen bissfest garen und anschließend gut abtropfen lassen. Während der Spargel köchelt eine Marinade aus Himbeeressig, etwas Öl, Salz, Pfeffer und ein wenig Zucker herstellen. Die Spargelspitzen etwa eine halbe Stunde in der Marinade ziehen lassen.

Aus Senf, Mayonnaise, gehacktem Dill, Sherry, Salz und Pfeffer eine Creme rühren.

Die Salate waschen, auseinanderzupfen und auf eine Platte legen. Die Räucherfische in Scheiben oder Streifen sowie die marinierten Spargelspitzen darauf platzieren und mit den Gartenkräutern garnieren.

Die Senf-Dill-Creme gesondert dazu reichen. Dazu schmecken frisches Brot, Toast oder Bratkartoffeln.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de