Essen und Trinken

Nackt und im Pelz Zickenkrieg in W.

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Martin Luther und Katharina von Borer in der Kunstsammlung Böttcherstraße in Bremen. Links eines der zahlreichen Luther-Porträts von Lucas Cranach.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Von wegen brotlose Kunst! Das mag ja auf so manchen Künstler zutreffen, der sich mit seiner Kunst mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt und dessen Werke erst nach seinem Tode immense Summen einbringen. Doch es geht auch anders: Lucas Cranach d.Ä. war eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der Reformationszeit, begütert und einflussreich. 1513 besaß er Grundstücke und Häuser in Wittenberg, ließ in der Schlossstraße 1 (heißt noch heute so und ist restauriert zu besichtigen) das damals größte Wittenberger Privathaus errichten. Cranach nannte einen Buchladen und eine Apotheke sein eigen, handelte mit Sandstein, Papier und Farben; in seiner Apotheke hatte er das Monopol über Zucker, Wachs und Gewürze - und den sehr wichtigen Weinhandel!

Um die vielen Aufträge zu bewältigen gründete er eine Buchdruckerei und eine Malwerkstatt. Cranachs "Malerakademie" soll in 84 heizbaren Zimmern und 16 Küchen untergebracht gewesen sein - überwältigend für die damalige Zeit. Seine Geschäftstüchtigkeit machte ihn zu einem der reichsten Männer Wittenbergs. Dreißig Jahre lang wirkte das Multitalent zudem als Ratsherr und wurde drei Mal zum Bürgermeister von Wittenberg gewählt.

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Peter Luther, 14. Generation aus der Linie des Bruders von Martin Luther , und Wiebke Bang als Lutherpaar auf dem 14. Wittenberger Stadtfest 2007.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

1512 heiratete der umtriebige Mann Barbara Brengebier, eine Tochter des Gothaer Bürgermeister Jobst Brengebier. Von Barbara Cranach weiß man wenig. Sie soll eine stolze und schöne Frau gewesen sein, liebte den Reichtum ihres Mannes und Pelze. Man erzählt sich in Wittenberg, dass sich Barbara bitter beklagte, weil sie in den vielen Gemälden ihres Mannes nie auftauchte. Irgendwann muss er wohl entnervt aufgegeben haben, denn im berühmten Cranach-Altar in der Wittenberger St. Marienkirche soll Barbara zu sehen sein, in dickem Pelz - und von hinten! Spötter behaupten, Cranach konnte sie als seine Frau nicht von vorn zeigen, denn Barbara soll ihm als Modell für seine "nackerten Weiber" gedient haben, so dass jeder ihr Gesicht kannte. Und noch viel mehr!

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Der berühmte Flügelalter von Cranach in der Wittenberger Stadtkirche. Mit Barbara Cranach im dicken Pelz von hinten (linker Flügel)?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ob Katharina von Bora und Martin Luther, Katharina Krapp und Philipp Melanchthon, Barbara Brengebier und Lucas Cranach - sie alle waren mehr als nur Gemahlinnen an der Seite ihrer Männer. Über Luthers "Käthe" habe ich Ihnen schon berichtet ("Unterwegs zu Luther/Feine Sitten!" vom 13.12.07), jetzt kennen Sie auch Barbara Cranach. Wer mehr über Cranachs erotische Darstellungen und sein Ideal weiblicher Schönheit erfahren will, dem sei die derzeitige Cranach-Ausstellung im Frankfurter Städel Museum empfohlen. Die über 100 Werke aus allen Schaffensphasen sind noch bis zum 17. Februar zu sehen.

Noch weniger als über Barbara Cranach weiß man von der Ehefrau Melanchthons. Der "kleine Grieche" wurde von Luther, der selbst eine eigentlich ungewollte Ehe mit Katharina von Bora einging, aber im Laufe der Zeit ihre Segnungen genoss, zur Ehe überredet. Der spillerige Professor fürchtete sich nämlich vor zuviel Ablenkung. Doch Luther wiederum fürchtete um die Gesundheit Melanchthons, die durch dessen Männerwirtschaft arg beeinträchtigt wurde. Und so bekam Melanchthon Katharina Krapp an seine Seite, Tochter eines Tuchhändlers und Bürgermeisters von Wittenberg.

Obwohl seine Frau also aus einem angesehenen Hause stammte, Melanchthon selbst unterdessen als Uni-Professor ganz gut verdiente, gab es im Hause Melanchthon nie einen größeren Wohlstand. Das Geld ging für die vielen Studenten drauf, die Melanchthon in seiner "schola domestica" unterrichtete und versorgte, und für die unzähligen diskutierenden Tischrunden mit Universitätsangehörigen. Vielleicht auch deshalb kam es zum "Zickenkrieg" mit Luthers Gattin, der wie allen anderen Familien nur eine Ziege zugestanden wurde. Die vielen Ziegen zertrampelten nämlich die Elbdeiche, und deshalb reglementierten die Stadtväter die Ziegenhaltung. Frau Melanchthon aber stellte wegen der vielen zu beköstigenden Studenten einen Antrag auf sage und schreibe drei Ziegen! Das ging Luthers Käthe zu weit. Wie der reformatorische "Zickenkrieg" ausgegangen ist, weiß man nicht. Verbürgt ist nur der "Antrag auf drei Ziegen". Verbürgt ist auch, dass der frauen- und ehefeindliche Melanchthon immerhin vier Kinder zeugte. Und irgendwann sprach Papa Melanchthon auch den Satz zu seinem Nachwuchs: "Pinkelt nicht ins Wohnzimmer, wenn Besuch da ist. Ansonsten ist es gut fürs Dielenholz." Nachahmung ist nicht empfohlen, denn unsere heutigen Dielen oder das Parkett sind nicht mehr rohes, sondern behandeltes Holz.

Mangels Zicken schlage ich Ihnen vor, einmal Damhirsch zu probieren, in Mittelalter und Renaissance "Dendel" genannt. "Wildpret" war dazumal untrennbar mit der Herrentafel verbunden. In Literatur und Filmen kommt Wildbret fast ständig auf die Tische der Adligen und des Klerus - in Wahrheit machte der Wildanteil an den Adelsspeisen knappe fünf Prozent aus. Es klingt einfach aufregender, wenn von Fasanen, Schwänen, Wildenten, Tauben und Hirschen die Rede ist - die Wirklichkeit brachte Hühner, Gänse, Schaf- und Ziegenfleisch auf die Tafel.

Hier nun "Damhirsch-Medaillons mit Sherry", ein Gericht, das Barbara Cranach sicher auch gemundet hätte, egal, ob nackt oder im Pelz (die Barbara):

Zutaten (für 2 Personen):

Etwa 300 g Damhirsch-Lende
1 kleine Packung Frühstücks-Bacon
1 Tasse Wildfonds
4 cl trockener Sherry (Fino)
Rapsöl
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 EL Creme fraiche double
6 Wacholderbeeren
ein paar Butterflocken

Zubereitung:

Die enthäutete und Lende in 2 cm große Scheiben schneiden, leicht klopfen (sollten dann 1 cm stark sein) und von beiden Seiten mit etwas Sherry und ein wenig Öl bestreichen. Das Fleisch so etwa 1 Stunde marinieren.

Die 6 Wacholderbeeren mit einem scharfen Messer durchschneiden. Die Fleischscheiben mit Küchenkrepp etwas trockentupfen, pfeffern und auf jede Seite 1 Scheibe Bacon geben. Mit einem Zahnstocher so feststecken, dass damit beide Bacon-Scheiben erfasst werden. In eine Stielpfanne (am besten gusseisern) etwas Öl und die Wacholderbeeren geben, stark erhitzen und die Fleischscheiben von jeder Seite 1 min braten. Herausnehmen und warmstellen.

Die Wacholderbeeren entfernen. Bratenfonds mit dem restlichen Sherry ablöschen und den Wildfonds dazugeben. Bei starker Hitze kurz reduzieren, die kalten Butterflocken unterschlagen und die Creme fraiche einrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Medaillons auf vorgewärmte Teller geben und mit der Soße anrichten. Dazu schmecken Rotkohl und Kroketten, aber auch Nudeln, Spätzle oder Kartoffelpüree, Rosenkohl oder Pfifferlinge.

Viel Spaß und Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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