Essen und Trinken

Die einen sagen so... ... die anderen so

Die einen sagen so, die anderen so: Orange oder Apfelsine – es ist egal. Beides ist die gleiche Frucht, nämlich Citrus sinensis. "Nichts geht doch über den Duft einer geschälten Apfelsine", sagt gerade mein Kollege Hubertus, linst ganz weihnachtlich-verklärt über seinen PC und legt beim Hacken auf der Tastatur eine Mini-Pause ein. Recht hat er: So riecht Weihnachten - nach Apfelsinenschale, Zimt und Kardamom, Glühwein und Gänsebraten. Wir haben jetzt hier in der Redaktion nur Hubsis einsame Orange. Der Rest der weihnachtlichen Gerüche und Genüsse fehlt leider!

"Apfelsine" deutet auf den Ursprung der Frucht hin: Sie stammt aus China, wo sie schon vor 3000 Jahren wuchs, und wurde im 15./16. Jahrhundert von portugiesischen Seefahrern nach Lissabon gebracht. In Europa wurde sie anfangs fast ausschließlich in Portugal angebaut; heute ist die Apfelsine die wichtigste Zitrusfrucht der Welt. Weltweit führend im Anbau ist Brasilien, mit Abstand folgen USA, Mexiko, China u. a. Staaten. Führende europäische Produzenten sind Spanien und Italien.

Im 17. Jahrhundert brachten schließlich auch niederländische Seefahrer die Frucht nach Europa. Der vor allem im norddeutschen Sprachgebrauch gängige Name "Apfelsine" leitet sich aus dem niederländischen "appelsien" oder "sinaasappel" ab und bedeutet schlicht und einfach "Apfel aus China". Das deutsche "Orange" – sowohl als Name für die Frucht als auch als Adjektiv für die Farbe – geht auf das Französische zurück. Das Wort kommt aus dem Altprovenzalischen "auranja" und leitet sich aus dem Arabischen "narandsch" ab. Die Araber wiederum hatten das Wort aus dem Persischen bzw. von Sanskrit übernommen.

Orangen sind reich an Vitamin C und B-Vitaminen. Eine Apfelsine deckt etwa zwei Drittel unseres täglichen Vitamin-C-Bedarfs! Orangenschalen enthalten Pektine, Vitamin E und das in Venenmitteln und Virushemmern enthaltene Hesperidin. Da das Fruchtfleisch Bioflavonoide enthält, die das Vitamin C vor Oxidation schützen, ist es am gesündesten, die Orangen frisch und samt Fruchtfleisch zu essen. Fazit: Orangen stärken die Abwehrkräfte und wirken gegen Frühjahrsmüdigkeit.

Apfelsinen sind fester Bestandteil unseres Lebens: Paul Cézanne malte ein Stillleben mit Äpfeln und Orangen, France Gall trällerte irgendwann einmal "Zwei Apfelsinen im Haar und an den Hüften Bananen, das trägt Rosita seit heut' zu einem Kokosnusskleid?" und Heinrich Heine dichtete:
"Die Apfelsinen, lieb Mütterlein,
Sind gut, und mit wahrem Vergnügen
Verschlucke ich den süßen Saft,
Und ich lasse die Schalen liegen."

Heute aber lassen Sie die Schalen nicht liegen, denn zum "Mandel-Orangen-Kuchen" benötigen Sie auch die Schalen. Deshalb unbedingt Bio-Orangen kaufen! Meistens steht auf dem Schildchen auch "Schale für den Verzehr geeignet". Da sind Sie auf der sicheren Seite. Der Kuchen schmeckt aromatisch-fruchtig, ist nicht zu süß und hat eine dezente Bitternote. Woher das weihnachtliche Rezept stammt, lässt sich nicht genau zurückverfolgen: In einigen Publikationen findet sich ein Hinweis auf Australien, in anderen auf arabische Länder, z. B. Libanon. So ist's im Leben, die einen sagen so, die anderen so:

Zutaten:
ca 400 g Bio-Orangen (etwa 2 große)
extra 1 Bio-Orange
300 g gemahlene Mandeln (ohne Schale gemahlen)
250 g Zucker
5 Eier
2 EL Mehl
1 TL Backpulver
1 Prise Salz
Puderzucker
2 EL Kristallzucker

Zubereitung:
Die Apfelsinen waschen. Ungeschält in einen Topf legen, mit kaltem Wasser bedecken, zum Kochen bringen und etwa eine Stunde lang zugedeckt köcheln. Die dritte Orange waschen, gut abtrocknen und mit einem Zestenreißer die Schale abziehen. Geht auch mit einem Spargelschäler: Die Schale dünn abschälen und dann in feine Streifen schneiden. 2 EL Zucker in eine kleine Schüssel geben, die Orangen-Streifchen daruntermischen. Durchziehen lassen, bis der Kuchen fertig gebacken ist.

Die gemahlenen Mandeln in einer großen Stielpfanne ohne Fettzugabe unter Rühren anrösten. Vorsicht: Die Hitze sollte nicht zu stark sein, das Mandelpulver wird ziemlich schnell schwarz! Und schön dabeibleiben und rühren! Abkühlen lassen.

Die Apfelsinen abgießen und ebenfalls auskühlen lassen. Das geht schneller, wenn man sie nach kurzem Abkühlen halbiert. Die abgekühlten Apfelsinen in grobe Stücke schneiden, eventuell vorhandene Kerne entfernen und die Fruchtstücke im Mixer pürieren.

Den Herd auf 160 Grad vorheizen. Eier schaumig schlagen und den Zucker unter ständigem Schlagen einrieseln lassen. Orangenpüree, geröstetes Mandelpulver, Salz, Backpulver und Mehl unterheben.

Eine Springform mit Backpapier auslegen, den Teig einfüllen und glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene etwa 1 Stunde backen. Den fertigen Kuchen in der Form ungefähr eine halbe Stunde auf einem Gitter abkühlen lassen. Dann Ring und Boden entfernen und den Kuchen auf dem Papier und auf dem Gitter auskühlen lassen.

Den Kuchen mit Puderzucker besieben. Darauf dekorativ die Zesten und den Zucker, der das Öl aus der Schale aufgenommen hat, verteilen.

Tipp: Achten Sie beim Kauf der gemahlenen Mandeln darauf, dass es geschälte Mandeln sind; dieses Mandel-Mehl ist hell. Es gibt auch Mandelpulver, das aus ungeschälten Mandeln besteht. Dieses ist dunkler und etwas "sandiger". Der Kuchen wird schöner, wenn Sie geschälte Mandeln verwenden.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Wenn Sie mehr über australische Kochgewohnheiten erfahren wollen oder neugierig sind, warum es "Down Under" Engel zu Pferde gibt, oder arabische Gerichte lieben – im n-tv Kochbüchlein "Schuss in den Ofen" gibt es mehr davon.

Quelle: ntv.de