Unterhaltung
Typisch Zombies: Langsam, aber zielstrebig sind sie unterwegs.
Typisch Zombies: Langsam, aber zielstrebig sind sie unterwegs.(Foto: Owen Billcliffe)
Montag, 11. März 2013

Coole Sprüche, dicke Wummen, 900 Untote: "Cockneys vs. Zombies": Wer lebt?

Von Thomas Badtke

"Shaun Of The Dead" ist die beste Zombie-Komödie, kurz Zomedy, aller Zeiten. Oder nicht? Ein deutscher Regisseur versucht, an diesem Thron zu rütteln. Und er bietet einiges auf: eine aus dem Leben gegriffene Story, Familiensinn, Heimatverbundenheit, rüstige Rentner, verfeindete Hooligans, einen Bankraub, Knarren, Kunstblut und natürlich Zombies. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Matthias Hoene (r.) beim Horror Fantasy Film Festival in San Sebastian.
Matthias Hoene (r.) beim Horror Fantasy Film Festival in San Sebastian.(Foto: picture alliance / dpa)

"Shaun Of The Dead" hat ein eigenes Genre kreiert: die Zombie-Komödie, kurz Zomedy. Seitdem war nie ein Film mit Untoten lustiger. Edgar Wrights Meisterwerk mit Simon Pegg und Nick Frost ("Attack The Block") setzte schwarzhumorige Maßstäbe und blieb bis heute unerreicht. Aber bei Zomedys ist es wie im Fußball, dem Spiel, wo laut Gary Lineker 22 Männer 90 Minuten einem Ball hinterherjagen und am Ende immer Deutschland gewinnt. Eine deutsche Zomedy, besser als "Shaun Of The Dead"? "Zombie-Blasphemie!" schreien da die Insulaner. Okay. "Cockneys vs. Zombies" ist kein deutscher Film. Der knapp 5 Millionen Euro teure Streifen ist britisches Filmgut. Aber er geht auf das Konto eines deutschen Regisseurs. Sein Name: Matthias Hoene.

"Cockneys vs. Zombies" ist bei Studiocanal erschienen.
"Cockneys vs. Zombies" ist bei Studiocanal erschienen.(Foto: Studiocanal)

Hoene lebt seit rund 15 Jahren in London, genauer in East London, dem typischsten und traditionellsten Stadtteil der Themse-Metropole. Von hier aus machte sich Damon Albarn samt einer Band Blur und dem typischen Cockney-Akzent einen Namen. Genau hier ließ Kult-Regisseur Guy Ritchie in seiner Gaunerkomödie "Snatch - Schweine und Diamanten" Hollywood-Beau Brad Pitt als Zigeuner nuschelnd in Barenuckle-Kämpfen prügeln. Den miesesten aller Gauner Brick Top verkörperte dabei Alan Ford. Und genau da schließt sich der Kreis. Ultra-Cockney Ford hat auch in Hoenes Zomedy eine Hauptrolle. Eine glaubhafte dazu: Der 67-Jährige gibt einen Rentner. Einen Rentner mit einem großen Problem: Sein Altenheim soll dichtgemacht und abgerissen werden. Yuppies drängen nach East London, in den 1970ern und 1980ern verschrien für seine Hooligan-Randale zwischen West-Ham-Fans und Millwall-Anhängern.

Alan Ford alias Brick Top ("Snatch") spielt den Rentner Ray.
Alan Ford alias Brick Top ("Snatch") spielt den Rentner Ray.(Foto: Studiocanal)

Aber Ford alias Ray hat ein paar Enkel, die sich das nicht bieten lassen wollen: Terry (Rasmus Hardiker; "I Want Candy") und Andy (Harry Treadaway; "Control", "City Of Ember"). Ihre Eltern haben stilecht als Gangster im Kampf gegen die Polizei ins Gras gebissen. Ziemlich früh sogar, sodass ihr Grandpa Ray ihre ganze Familie ist. Ray - und Cousine Katy (Michelle Ryan; "Cleanskin") um genau zu sein; und genau mit Hilfe von Katy - einer Schlosserin - sowie zwei weiteren Buddies wollen sie eine Bank ausrauben. Mit dem Geld wollen sie dann dafür sorgen, dass Grandpas Seniorenresidenz nicht schließen muss.

Nur ein toter Untoter ist ein guter Untoter

Katy ist ein Naturtalent, was Schlösser und Waffen angeht.
Katy ist ein Naturtalent, was Schlösser und Waffen angeht.(Foto: Owen Billcliffe)

Der Bankraub gelingt auch. Mit zwei Geiseln und 2,5 Millionen Pfund treten die Hobby-Räuber aus dem Geldhaus ins Freie - und blicken in die entschlossenen Augen und Gewehrläufe einer Polizeiarmada. Sie ziehen sich in die Bank zurück, diskutieren, streiten, schreien, minutenlang. Und wieder raus, mit ihren Waffen im Anschlag. Und die Polizisten sind weg. Alle. Innerhalb nur weniger Minuten hat sich ihr zugegebenermaßen eher bescheidenes Blatt um 180 Grad gewendet. So denken sie zumindest. Dann erblicken sie den Grund für das plötzliche Verschwinden der Polizisten: sich langsam auf sie zubewegende … Untote. "Das sind Zombies!" ruft Katy aus. Und die Bande nimmt die Beine in die Hand. Ab zum Fluchtauto und als das endlich anspringt, geht's ins Versteck - mitsamt den beiden Geiseln. Und nun?

"Cockneys vs. Zombies": viel Liebe zum Detail
"Cockneys vs. Zombies": viel Liebe zum Detail(Foto: Studiocanal)

Tja, nun kommt, was bei jedem Zombie-Streifen kommt. Einer aus der Gruppe wird gebissen. Er verwandelt sich irgendwann und nun kämpft der Rest gegen eine Masse aus toten Leibern an. Zum Glück bewegt die sich äußerst langsam, sodass Andy und Terry ihre wahnwitzige Idee, ihren Opa zu retten, auch ohne Gewissensbisse in die Tat umsetzen können. Einen roten Doppeldecker-Bus gekapert, ein Waffenlager ausgeräumt und schon geht es mit jeder Menge Schusskraft zum Altenheim.

Ray und Peggy: Mit solchen Rentnern sollte man sich lieber nicht anlegen.
Ray und Peggy: Mit solchen Rentnern sollte man sich lieber nicht anlegen.(Foto: Owen Billcliffe)

Dort versuchen sich die Bewohner, allen voran Ray und seine Freundin Peggy (Honor Blackman; "James Bond - Goldfinger"), selbst zu helfen. Sie verrammeln Fenster und Türen, diskutieren Lösungsversuche und wetzen die einzige elektrische Gartenschere im Haus. Aber erst als Terry und Andy über die Dachluke zu ihnen stoßen, blühen die Rentner auf. Ihr Überlebenswillen ist geweckt und so macht sich die Gruppe aus Alt und Jung bereit für einen Kampf, der nicht ihr letzter werden soll. Die Feuerkraft ist auf ihrer Seite, der beißende Humor auch. Gehhilfen gepackt, Rollstühle auf volle Kraft und los geht's, mit den Uzis im Anschlag zum alles entscheidenden Kampf um ihre Heimat. Ihren Stadtteil. Ihren Block. Ihren Lebensabend - ganz nach dem Motto: Wir sind zwar Rentner und damit nur eine Randgruppe der Gesellschaft, aber unser Eastend wird niemals untergehen!

Ein Filmtraum für Zombie-Fans

Ein Zombie kommt selten allein.
Ein Zombie kommt selten allein.(Foto: Studiocanal)

Und von den Untoten gibt es jede Menge. Der Abspann beweist es. Rund 900 Zombie-Darsteller werden da namentlich gewürdigt. Nicht alle sind richtig geschrieben, wie Hoene einräumt. Aber sie alle hätten ihren Teil zum Erfolg des Low-Budget-Streifens beigetragen, betont der Regisseur. Und er hat zweifellos recht. Die Zombies können sich wirklich sehen lassen. So wie sich die Sprüche und Zoten der Hauptdarsteller hören lassen können. Und selbst für liebenswerte kleine Details hat Hoene ein Auge: So prügeln sich etwa zwei verfeindete Zombie-Hooligan-Gruppen im Film. Das Statement zum passenden Outfit: "Sogar tot hassen die sich noch."

Es sind die Kleinigkeiten, die Hoenes Film auszeichnen. Der ehemalige Werbefilmer weiß eben, worauf es ankommt. Und er zeigt es. Je öfter man seine filmische Liebeserklärung an das Zombie-Genre, Hoenes neue Heimat und dessen einzigartigen Bewohner sieht, umso mehr Spaß hat man. Immer neue Details fallen ins Auge, etwa dass Peggy-Darstellerin Honor Blackman die Pussy Galore aus dem Bond-Streifen "Goldfinger" ist. Oder dass auch in London ein BMW - egal, wie alt - noch immer Statussymbol der Jugend ist.

Aber auch Fragen tauchen auf: Ist ein Rentner mit Rollator schneller als ein Zombie? Wie viele Kugeln verträgt ein schwarzer Ex-Soldat, der seit einem Irak-Einsatz eine Stahlplatte in seinem Kopf hat? Und: Ist "Cockneys vs. Zombies" eigentlich eine Zomedy? Hoene selbst sagt: "Nein." Für ihn ist sein Film eher ein Zomventure, eine Mischung aus Zombie- und Abenteuerstreifen, wegen der vielen Action und so. Da bricht sich - typisch deutsch - Hoenes Bescheidenheit Bahn: "Cockneys vs. Zombies" ist eine Zomedy. Nicht irgendeine Zomedy. Es ist die beste Zomedy aller Zeiten!

"Cockneys vs. Zombies" bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de