Kino

"Good Food Bad Food" Ein Kameramann könnte helfen

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Die Patentierung von Saatgut widerspricht der biologischen Artenvielfalt.

(Foto: Alamodefilm)

Man sollte sich vor einem Essen lieber "Viel Glück", als "Guten Appetit" wünschen, sagt Pierre Rabhi nach seinen Erfahrungen mit intensiv betriebenem Ackerbau. "Good Food Bad Food" lässt zahlreiche Experten zu Wort kommen, die allerdings schlecht in Szene gesetzt werden. Ärgerlich!

Kino lebt von Bildern. Leider kann man das von dem Film "Good Food Bad Food" nicht sagen. Selbst für Zuschauer mit großem Interesse an biologisch-dynamischer Landwirtschaft sind es lange 113 Filmminuten. "Good Food Bad Food" ist ein anstrengender Film, der den Kinobesucher eher fragend als kämpferisch zurücklässt. Das erste Drittel des Filmes zeigt ausschließlich eine Aneinanderreihung von wackelig aufgenommenen und teilweise unscharfen Köpfen, die sich zwar klug zum Thema äußern, aber schlecht in Szene gesetzt werden.

Trotz der äußerst interessanten Protagonisten, die Filmemacherin Coline Serreau in ihren Arbeitsbereichen besucht, ist es schwer, die Fülle an Informationen aufzunehmen, die wir von ihnen bekommen. Bei der Filmpremiere schließen einige der Besucher gar ihre Augen, um von der Kameraführung nicht schwindelig zu werden und trotzdem den zu Wort kommenden Experten folgen zu können - im Kino!

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Coline Serreau will mit ihrem Film Lösungen für die Zukunft zeigen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wahrlich, "kein cineastisches Meisterwerk", wie Moderator Dieter Moor eingangs den Streifen beschreibt. Ein Kameramann hätte mit seinem Sachverstand dem Film viel Gutes tun können. Auch inhaltlich gibt es keine richtige Linie in diesem als Dokumentarfilm angepriesenen Film, der als "Anleitung für eine bessere Landwirtschaft" gelten soll. So kommen französische Mikrobiologen, landlose Brasilianer, Inder, die für ihre Felder eigenartige Mischungen zubereiten, und Landwirte der weltweit größten Bioplantage in der Ukraine in scheinbar loser Folge zu Wort. Alle beschreiben, warum sie ihre Felder ohne den Einsatz von Chemikalien bestellen, ihr Saatgut selbst erzeugen und welche Erfolge sie damit haben.

"Das sind alles Spinner", sagt Benedikt Härlin, Journalist und Mitarbeiter der Zukunftsstiftung Landwirtschaft im anschließenden Gespräch mit einem Augenzwinkern, bei dem auch die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, Tina Löffelbein von Greenpeace und Thomas Dosch, Präsident des ökologischen Anbauverbandes Bioland anwesend waren. Härlin stellt damit klar, welchen schweren Stand Bauern haben, die anders als bisher produzieren.

Ackerflächen werden totgedüngt

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Ein gesunder Boden trägt zahlreiche Lebewesen in sich.

(Foto: Alamodefilm)

Alle im Film Befragten sind sich einig darüber, dass es längst an der Zeit ist, mit den so genannten konventionellen landwirtschaftlichen Methoden abzuschließen und zurückzukehren zu alt Bewährtem. Das Pflügen der Felder, der Einsatz von Pestiziden, Dünger und Fungiziden und der Anbau von Monokulturen laugen weltweit die Ackerflächen nicht nur aus und vergiften sie, sondern töten die Böden. Daraus entsteht ein Teufelskreis. Tote oder sterbende Böden können nicht ertragreiche Pflanzen wachsen lassen. Also benötigt man mehr und mehr chemische Dünger, um das Letzte aus dem Boden zu holen.

Leider ist es Regisseurin Coline Serreau nicht gelungen, eine Geschichte zu erzählen, die Lust macht auf Bio-Lebensmittel, Eigenanbau von Gemüse, Vegetarismus oder sogar zu mehr Engagement für diese gute Sache. Mit sinnlosen Schnitten und einer gewissen Respektlosigkeit lässt sie ihre Protagonisten immer nur stückchenweise zu Wort kommen. Das Überangebot an Informationen beispielsweise zur Grünen Revolution oder zur Selbstmordrate von indischen Bauern muss sich der Kinobesucher selbst ordnen. Das rüttelt nicht wach,

"Good Food Bad Food" ist ein ärgerlicher Film, weil er viel Potenzial bedenkenlos, ja sogar vorsätzlich vergibt. Er macht weder Hoffnung auf die Zukunft noch Lust auf mehr Beschäftigung mit diesem so wichtigem Thema. Gerettet wurde der Abend nur durch die anschließende Podiumsdiskussion, bei der übrigens so gut wie gar nicht mehr über den Film gesprochen wurde. Leider gab es die nur zur Premiere.

Quelle: n-tv.de