Unterhaltung
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Freitag, 07. Oktober 2011

"Udo, halt' die Schnauze!": Jürgen Drews auf Piratenkurs

von Sabine Oelmann

Er ist weder mit der Piraten-Partei verschwestert noch mit Captain Jack Sparrow, dem Piraten aus der Karibik, verbrüdert. Er ist einfach Jürgen Drews, Schlagerpirat. Er entert nur eine Barkasse auf der Spree und will damit doch in die weite Welt hinaus, in die Welt des Schlagers.

"Ich hab' eigentlich keine gute Laune, ich bin kein gut gelaunter Mensch", betont er immer wieder. So ganz kann man ihm das nicht abnehmen, denn auf der Promotion-Bootstour auf der Spree, immer wieder rauf und runter vorm Universal-Gebäude, da hat er eine dermaßen gute Laune, die nicht nur mit dem ausgezeichneten Wetter zu tun haben kann, dass man ihm durchaus diese dauergutgelaunte Masche abnehmen möchte. Und auch seine Beteuerungen: "Ich bin noch gar nicht wach, mein Kreislauf ist noch gar nicht da", verhallen mit der leichten Brise, die über die Spree weht. Denn er ist sowas von da! Er ist laut, er macht, was die Fotografen wollen ("Hier, Jürgen, hier, guck mal zu mir, I love you"!), und er greift zum Mikrofon und - nein, er singt nicht sofort. Er hält erst eine Rede. Das war so zwar nicht abgemacht, aber er will, dass wir ihn besser kennenlernen. Denn gerade bei Typen wie ihm, von denen man meint, alles zu wissen, die man immer gleicht duzt, gibt es doch noch viel Unentdecktes. Es folgt: eine Geschichtsstunde von Jürgen Drews in Sachen Jürgen Drews.

Immer noch der König von Malloooooorca!
Immer noch der König von Malloooooorca!(Foto: dpa)

Wir wollen Sie hier jetzt nicht langweilen, aber wussten Sie denn wirklich, dass der junge Jürgen nicht nur bei den Les Humphries Singers (nicht zu verwechseln mit den Lassie Singers), sondern auch, dass er mit 15 Jahren Schleswig-Holsteins bester Banjo-Spieler war? Dass er mit Bands unterwegs war, die Progressive Rock und New Wave schrammelten? Dass er in Filmen mitspielte, dass er mit Giorgio Moroder zusammenarbeitete und dass die schönsten Frauen ihn umschwirrten wie Motten das Licht? Sehen Sie. Und dass er sich tatsächlich so richtig schön selbst auf die Schippe nehmen kann (zusammen mit Bürger Lars Dietrich und Stefan Raab in einer Persiflage auf seinen Oldie "Ein Bett im Kornfeld" zum Beispiel), das haben Sie auch vergessen unter Ihren ganzen Mallorca- und Schlagervorurteilen. Richtig??!

Liebe oder so

Aber, zwei Seelen, ach, wohnen wohl in seiner Brust, die man dank seines bis zum Bauchnabel aufgeknöpften Hemdes auch sehr gut sehen kann - nicht ohne festzustellen, dass "Onkel Jürgen" tatsächlich noch immer ganz gut in Schuss ist für seine 66 Lenze. Das Alter, ja, das ist so ein Thema für sich. Da hat er gerade eine nette Episode mit Udo Jürgens erlebt, der ihm zu Ehren bei der Carmen Nebel-Show, bei der Drews wie durch Zufall reinplatzte, mal eben "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", ins Ohr trällerte, sicher in der Absicht, dem Show-Dino eine Freude zu machen. Aber Jürgen Drews, anscheinend tatsächlich nicht dauerhaft gut gelaunt, zischte dem elf Jahre älteren Mann am Klavier nur zu: "Mann, Udo, halt' die Schnauze! Älterwerden ist doch scheiße!" Waaaas????? Der König von Mallorca, Herrscher über Schinken- und Bierstraße, Millionen öliger Urlauberleiber und Kassenmagnet von S'Arenal, ausgerechnet der ewige Berufsjugendliche gibt ehrlich zu, dass Älterwerden sch ... ist? "Ja, verdammt, es zwickt an allen Ecken und Enden, die Haare werden grauer, was soll daran toll sein?" Na ja, immerhin hat er doch Ramona an seiner Seite. "Ja, Ramona ist mein großer Glücksfall, und wenn ich irgendwas mit Liebe oder so singe, dann meine ich natürlich immer sie!" "Und Joelina!". Seine Tochter, und mit ihren 16 Jahren bereits ganz erfolgreich und durchaus talentiert im Show-Business tätig. Aber wir wollen jetzt auf keinen Fall über die Frauen reden, sondern über ihn. Und die Musik.

Bloß nicht mitwippen!

"Ich brauche Party auf der Bühne", so Drews. Privat ist er kein Feier-Tier: "Ich bin nie mit Kumpels unterwegs und häng' in Bars ab", setzt er noch oben drauf. Dass er nicht trinkt und auch sonst eher gesund lebt, ist bekannt. Aber tut uns das jetzt eher leid oder bewundern wir das? Egal, er macht jedenfalls die Musik für die Party, die vor seiner Bühne abgeht. "Wenn man Party machen will, dann muss man Nischenmusik dafür haben!" Und auf "Schlagerpirat" soll es daran nun wirklich nicht mangeln: Von "Wenn die Wunderkerzen brennen", "Ich bau dir ein Schloss" (mit DSDS-Kandidat Norbert Langen) bis zum Eishockey-Gassenhauer "Hey, wir wollen die Eisbär'n sehen" (zusammen mit den Puhdys), ist eines glasklar: An Schlagermusikmangel werden wir wohl nicht zugrunde gehen.

Erst recht nicht, wo jetzt die neue Scheibe von Jürgen Drews draußen ist. Und nach einigen Kostproben alter Schmankerl - von "Mama Loo" bis zum unvermeidlichen, von Thomas Gottschalk ins Leben gerufenen "Ich bin der König von Mallorca" gibt er dann ein paar Kostproben aus seinem neuesten Werk. Was soll man sagen? Die Stimme macht's wieder, der Biorhythmus des Langschläfers ("Ich geh' ja auch erst um drei ins Bett")  ist angekommen, es funktioniert: Jeder, der jetzt nicht mit dem Fuß mitwippt, muss sich echt anstrengen, denn das ist nunmal Mitwipp-Musik, ob man sie jetzt mag oder nicht. Nach ein bis zwei Maß auf dem Oktoberfest, nach einem heißen Urlaubstag - nicht nur am Ballermann  - und jeder kann seinen verkümmerten Disko-Fox mal wieder aus der Tonne holen. Warum auch nicht?

Ich bau dir ein Schloss! Und dir! Und dir auch!
Ich bau dir ein Schloss! Und dir! Und dir auch!(Foto: dpa)

Drews ist beruflich in der Schlagerecke gelandet, obwohl das wirklich nicht sein Plan war: "Ich fand Schlager damals nach dem Krieg politisch irgendwie immer zu rechts," gibt er auf dem Boot zu bedenken. Und auf die Frage, ob er sich denn im Schlager gefangen fühle, antwortet er unumwunden: "Ja." Privat höre er schließlich "ganz normale Popmusik" - genau die gleiche wie seine Frau und seine Tochter. Und fast könnte man meinen, er bedauere seinen Werdegang, wenn er nicht flugs relativieren würde: "Nur Schlager würde mich nerven. Aber das Vorurteil, das ich früher hatte, habe ich abgebaut. Deswegen mag ich jetzt hin und wieder Schlager. Wirklich. Es macht mir Spaß, ich leide nicht darunter und habe kein Syndrom, wie es vielleicht Rex Gildo oder Roy Black hatten."

Dann glauben wir das mal, zünden die Wunderkerzen an und gehen uns ein Schloss bauen. Ne, was ist das schön. 

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Quelle: n-tv.de