Unterhaltung
Sonntag, 04. März 2012

Wenn Geschichten lebendig werden: Leon liest die magischen Worte

von Solveig Bach

"Nur weil es eine Geschichte ist, heißt es nicht, dass sie nicht wahr ist." An diesem einen Satz hängt das Schicksal unzähliger Märchenfiguren. Wenn Leon es nicht schafft, diesen Satz zu lesen, werden sie für immer verschwinden. Aber Leon kann nicht lesen.

Die DVD ist bei Oetinger Kino erschienen.
Die DVD ist bei Oetinger Kino erschienen.

Eine Familie fährt in die Ferien, doch über der Reise liegt ein Schatten. Es geht wie immer in das Ferienhaus von Tante Eleanor am Meer. Aber Eleanor wird diesmal nicht mehr da sein, sie ist gestorben. Als der sechsjährige Leon das Haus betritt, erinnert ihn in jedem Raum alles an die Tante. Überall hatte sie mit ihm gesessen und vorgelesen.

Denn Leon liebt Bücher und Geschichten, er kann sie nur selbst noch nicht lesen. Seine Schwester ärgert ihn unablässig damit. Am Abend setzen sich die Eltern mit den Kindern zusammen und übergeben ihnen, was die Tante ihnen zugedacht hat. Die Schwester bekommt eine Puppe und Leon den Schlüssel zu einem bisher immer verschlossenen Zimmer.

Als er die Tür öffnet, ist Leon zunächst enttäuscht. Das Zimmer ist voller Bücher, ein Schatz, mit dem er nichts anfangen kann. Doch plötzlich kommt Leben in die Regale, die Figuren treten aus den Buchdeckeln und tragen ihm eine gewaltige Aufgabe an. Damit auch künftig Kinder und Erwachsene all ihre Geschichten lesen können, muss Leon bis 12 Uhr den Zauberspruch an der Wand vorlesen. Gelingt es ihm nicht, drohen die Geschichten für immer in Vergessenheit zu geraten.

Und das ist noch nicht die einzige Herausforderung: Der gierige Antiquitätenhändler des Ortes hat die Bücher bereits abtransportiert. Er hat mit einem Blick erkannt, dass es sich um wertvolle Erstausgaben handelt. Zudem wird Tante Eleanors Haus bei einem Sturm schwer beschädigt und der Familie fehlt das Geld für Reparaturen. Damit noch nicht genug, zaubert Dornröschens böse Fee Leon auch noch klitzeklein, was die Aufgabe auch nicht gerade leichter macht.

Fantasie aus Frankreich

Dominique Monféry hat als Zeichner unter anderem an Disney-Filmen wie "Hercules" oder "Tarzan" mitgewirkt. Das zeigt sich an "Leon und die magischen Worte" in der professionellen Erzählweise. Die Bildsprache ist jedoch vollkommen anders. Die Grafikdesignerin des Films, Rébecca Dautremer, hat wunderbare Figuren erdacht und gibt ihnen ganz eigene Formen und Farben. Unglaublich detailreich erweckt sie Leon, seine Familie und die verschiedenen literarischen Figuren zum Leben. Dautremer zeichnete beispielsweise die Schauplätze der Geschichte nach dem Haus ihrer Großmutter. Als Leon zu scheitern droht, verblassen Alice, der Oger, Pinocchio, Peter Pan und all die anderen immer mehr, werden geradezu durchsichtig.

Man ahnt es schon, die Geschichte endet wie im Märchen - und trotzdem ein wenig anders. Doch der Himmel über Tante Eleanors Haus reißt wieder auf. Denn: "Nur weil es eine Geschichte ist, heißt es nicht, dass sie nicht wahr ist." Am Ende liegen Leon und seine Schwester einträchtig nebeneinander auf dem Bauch - und lesen. Ein herrliches Plädoyer für den Zauber des Lesens und ein wunderbarer Familienfilm.

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Quelle: n-tv.de