Der Sommer kommt bestimmt Lovin' Spoonful sind wieder da
Die Lovin' Spoonful sind eine der besten US-Folkrockgruppen. Neben den Beach Boys und den Byrds sind sie Teil der nordamerikanischen Antwort auf die "British Invasion" von Beatles, Rolling Stones, Who und Kinks. Mit dem heute noch populären "Summer In The City" haben sie ihren größten internationalen Erfolg. Jetzt sind die fünf Studioalben auf CD zu haben.
"Naja", werden Sie sagen, "den Song von Joe Cocker haben die Lovin' Spoonful ja toll nachgespielt." Dabei wird umgekehrt eine Sommersandale draus: Die in den frühen 60er Jahren in New Yorks legendärem Greenwich Village gegründete Band hatte mit dem Lied vom Sommer in der Stadt 1966 weltweit einen Riesenhit, der auch heute noch zum Standardprogramm vieler Hörfunkstationen gehört. Das ist gut und schade zugleich. Die Band um John Sebastian und Zal Yanovsky war erfolgreicher Teil der nordamerikanischen Antwort auf die "British Invasion" von Beatles, Rolling Stones, Kinks, Who und Co.
Auf vier der jetzt wieder vorliegenden Alben knüpft die Gruppe an heimatlichen Rock and Roll, Blues und Country an. Sogar die längst vergessene Jug Band Music kam wieder zu Ehren. Dabei wird zumeist ein Tonkrug angeblasen, der auf diese Weise bassähnliche Klänge von sich gibt. Die Texte waren teils ironisch, teil nachdenklich. Obzwar auch der leider schon verstorbene Yanovsky sang, prägte Sebastians mal knarzende, mal einfühlsame Stimme den Gesang der Lovin' Spoonful. "Nashville Cats" handelt von Musikern der Hauptstadt der Countrymusik, die das Gitarrenspiel schon beherrschen, wenn sie auf die Welt kommen und mit zwei Jahren ihren ersten Job erhalten. Lieder wie "Rain On The Roof" erzählen davon, dass der Regen per se zwar nicht angenehm ist, aber gleichwohl sehr schön sein kann: "Wenn es auf ein Zinndach herniederprasselt, man aber mit einem Mädchen darunter sitzt, möchte man, dass der Regen am besten nie aufhört. Und auch das Mädchen schaut so aus, als wolle es, dass der Niederschlag eine Ewigkeit dauert."
Charterfolge bleiben aus
John Sebastian verließ die Band 1968. Der Stilwechsel bekam der "löffelweis' verabreichten Liebe" - so ein Übersetzungsversuch des etwas schlüpfrigen Namens der Truppe - nicht gut. Zumindest ihrem Charterfolg. Ein gewisser Joe Butler, der noch heute als Leadsänger einer sich Lovin' Spoonful nennenden Band auftritt, produzierte ein sehr politisches Album: "Revelation: Revolution '69" ist eine zeitgemäße Anklage gegen den Krieg der USA in Vietnam. Vom Geburtsschrei eines Kindes bis zum Eintritt in die Armee, bei dem ein Sergeant dem Jungen erklärt, dass er erst jetzt ein richtiger Mann werde, ist die Scheibe mit ihren Klangcollagen eine einzige Verurteilung des Mordens in Südostasien. Fast so experimentell wie Pink Floyds "Ummagumma". Nur leider nicht so erfolgreich.
2000 wurden The Lovin' Spoonful in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen. Ihre erste Single "Do You Believe In Magic" aus 1965 gilt vielen als Hymne. "Do you believe in magic of a young girl's soul, do you believe in the magic of Rock and Roll?", lautet die Frage in dem Song. Na, klar!
The Lovin' Spoonful: 5CD-Box ("Do You Believe In Magic", "Daydream", "Hums Of The Lovin' Spoonful", "Everything Playing", "Revelation: Revolution '69"), 5CD Box, Sony Music im n-tv Shop kaufen