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Donnerstag, 23. Juli 2015

Nur nicht loslassen: Nervenkitzel bei Outdoor-Filmtour

Von Lisa Schwesig

Wer könnte sich vorstellen, ohne Sicherung auf einem Baukran zu balancieren, neben einem vereisten Wasserfall zu klettern oder 4000 Kilometer mit dem Kajak zurückzulegen? Bei der "European Outdoor Film Tour" zeigen Extremsportler, wie das geht.

Die "European Outdoor Film Tour" ist zum wiederholten Mal unterwegs und hat eine ein Best-of von Kurzfilmen im Gepäck. Ob zu Wasser, zu Land oder in ungeahnten Höhen: Dutzende Sportler dokumentieren in acht Filmbeiträgen ihre Leidenschaft für Extreme und zeigen, was passiert, wenn man über die eigenen Grenzen hinausgeht. Dabei geht es um das Spiel mit der eigenen Angst und den Elementen, die es zu bezwingen gilt.

Mehr als ein Traum

Ben Marr bringt den Fluss zum Leuchten.
Ben Marr bringt den Fluss zum Leuchten.

Als erstes startet Ben Marr mit "Dream". Er träumt von einem Abenteuer abseits befestigter Straßen und stürzt sich mit seinem Kanu nicht nur im Kopfkino in eisige Fluten. Das Spiel zwischen Witz und ernstem Extremsport verschmilzt zu einer perfekten filmischen Symbiose, die vor allem durch ihre Effekte überzeugt. Er erschafft mithilfe von Licht eine großartige Illusion. Nur durch eine Lampe unter dem Boot ist sein Kanu in der Schwärze der Nacht auf den Flussströmungen zu erkennen. Ein kleines Licht lässt das Wasser erstrahlen und den Zuschauer staunen. Marr führt durch das Dunkel und macht dieses filmische Erlebnis zu etwas ganz Besonderem.

Leuchtendes Winterwunderland

Ein ebenso beeindruckendes Wechselspiel mit Licht und Dunkel liefert "Afterglow". Vier Skifahrer durchqueren abseits bekannter Pisten den Schnee. Dabei tragen sie leuchtende Anzüge und erstrahlen im winterlichen Wunderland wie Glühwürmchen. Während der Schnee unter ihren Skiern knistert, wagen sie beim Freeskiing atemberaubende Sprünge und bringen die Nacht zum Leuchten. Verschiedenfarbiges Licht setzt die menschenverlassene Umgebung in Szene und lässt ungeahnte Blicke auf die verschneite Szenerie zu.

Schwindelerregende Höhen

Ein Salto in extremer Höhe - kein Problem für James Kingston.
Ein Salto in extremer Höhe - kein Problem für James Kingston.

James Kingston betreibt in "Don't Look down" nicht nur einen Sport, der extreme körperliche Leistung und Konzentration fordert, sondern absolut lebensgefährlich ist. Er ist ein Roofer und erklimmt ohne Sicherung Baukräne, Brücken oder Hochhäuser, auf denen er dann frei balanciert. Das sogenannte Roofing stammt aus Russland und der Ukraine und wird von dort aus durch zahlreiche waghalsige YouTube-Videos in der ganzen Welt bekannt. Der Brite James hat sich diesem Sport ganz und gar verschrieben. Gemeinsam mit dem Star der ukrainischen Szene "Mustang Wanted" wagt Kingston einen besonders gefährlichen Stunt, bei dessen Anblick die Hände des Zuschauers schwitzig werden und der Atem stockt.

Rad-Akrobatik auf dem Schrottplatz

Schlamm und Nässe machen den Mountainbikern nichts aus.
Schlamm und Nässe machen den Mountainbikern nichts aus.

Auf den Fidschi-Inseln rast die "Brandon Semenuk's Rad Company" Berge hinunter und zeigt später auf dem Schrottplatz, was Mountainbiker so alles drauf haben. Über Kopf springen die Jungs über Lastwagen, sie toben über Rampen. Dabei zeigen sie spektakuläre Stunts, drehen Lenker oder Rad im Sprung dutzende Male um die eigene Achse und wälzen sich notfalls auch einmal im Schlamm, wenn ein Kunststück misslingt. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten zeigt die Mountainbike-Crew jedoch wenig, das man in dieser Form noch nicht anderweitig gesehen hat.

Es gibt immer etwas zu feiern

Extreme Wetterverhältnisse lassen die Kajak-Expedition zur Tortur werden.
Extreme Wetterverhältnisse lassen die Kajak-Expedition zur Tortur werden.

Vier Frauen haben sich ein Ziel gesetzt: Sie wollen den letzten natürlichen Flusslauf der Welt, der nicht durch Staudämme blockiert ist, befahren. Dabei wagen die Damen in "Nobody's River" ein Abenteuer, das sie nicht nur an ihre physischen, sondern auch an ihre psychischen Grenzen bringt. Mit dem Kajak geht es auf dem Onon durch die Mongolei. Als Amur fließt der Fluss weiter durch Russland und endet im Ochotskischen Meer. Grenzkontrollen und unbeständige Wetterverhältnisse erschweren die 4000 Kilometer lange Kajakexpedition. Doch die vier US-Amerikanerinnen zeigen nicht nur die Schönheit der mongolischen Steppe, sondern auch die eigene. Ungeschminkt, ungewaschen und ungehemmt hört die Party bei dem Quartett niemals auf.

Tief Luft holen

Der Weg durch die Höhlen ist extrem beschwerlich.
Der Weg durch die Höhlen ist extrem beschwerlich.

Wer sich "Cave Connection" ansieht, sollte nicht an Klaustrophobie leiden. In Neuseeland versucht ein Forscherteam, die Verbindung zwischen zwei gigantischen Höhlensystemen zu finden. Ziel ist es, das größte erforschte Höhlengebilde der Welt zu dokumentieren. Dazu begeben sich die Kletterer sechs Tage unter die Erde - umgeben von Wasser und Dunkelheit. Sie zwängen ihre Körper durch Felsspalten, tauchen durch unterirdische Seen und verrenken sich immer wieder, um Gesteinsengen zu passieren. Es ist eine faszinierende Reise unter der Erdoberfläche, bei der man lernt, was Menschen antreibt, um den eigenen Körper in eine derart lebensfeindliche Umgebung zu bringen.

Bezwinger der Eistitanen

Der Wasserfall sieht im Winter beinahe noch spektakulärer aus als im Sommer.
Der Wasserfall sieht im Winter beinahe noch spektakulärer aus als im Sommer.

Auch Will Gadd zwingt seinen Körper in "The Frozen Titans", bis an die Grenze und darüber hinaus zu gehen. Der Kletterer hat sich ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er will den Helmcken Falls, einen der höchsten Wasserfälle Kanadas, bezwingen. Diese anspruchsvolle Mixed-Climbing-Route ist im Sommer nicht zu bewältigen, da die Wassermassen zu gewaltig sind. Also begibt sich die Bergsport-Legende im tiefsten Winter mit seinem Team an diesen Ort. Für den 47 Jahre alten Extremsportler ist es die letzte Chance, eine derartig anspruchsvolle Route in Topform zu klettern. Doch vereiste Seile, gebrochene Knochen und poröse Eiszapfen erschweren dieses Abenteuer.

Ein Leben am Abgrund

Hoch hinaus will auch Alex Honnold in "El Sendero Luminoso". Er klettert in nur wenigen Stunden die anspruchsvolle Tour in Mexiko, die über 760 Meter in die Höhe führt. Dabei trägt er weder Helm noch Sicherungsseil. Ganz und gar seinem Sport, dem Free solo, verschrieben, wohnt der US-Amerikaner während der Klettersaison in seinem umgebauten Van. Mit "El Sendero Luminoso" legt der 28-Jährige in Sachen Schwierigkeit noch einen drauf und stellt einen neuen Rekord auf. Nur abrutschen darf er bei seinem Abenteuer nicht, denn ein Fehler kann den Tod bedeuten.

Das Best-of der European Outdoor Film Tour macht in folgenden Städten Halt:

23.7. Münster
31.7. Detmold
05.8. Herrenberg
06.8. Dillingen
11.8. München
12.8. Nürnberg
15.8. Köln
18.8. Stuttgart
19.8. Kirchheim-Teck
20.8. Karlsruhe
04.9. Dresden

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Quelle: n-tv.de