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"Wir sind nicht Radiohead": Royal Republic alias Hannes Irengård, Jonas Almén, Adam Grahn und Per Andreasson (v.l.n.r.).
"Wir sind nicht Radiohead": Royal Republic alias Hannes Irengård, Jonas Almén, Adam Grahn und Per Andreasson (v.l.n.r.).(Foto: Sven Sindt / Warner Music Group)
Freitag, 24. August 2012

"Die neue Boyband des Rock": Royal Republic retten die Nation

Hier kommt der Autor hin

Dass aus Schweden nicht nur Elche, Ikea und ABBA kommen, ist schon lange klar. Das Land mausert sich zu einer wahren Brutstätte des Rock. Mit Royal Republic rollen nun ein paar smarte Jungs das Feld von hinten auf. Im n-tv.de Interview mit Sänger Adam Grahn und Gitarrist Hannes Irengård geht es um das neue Album "Save The Nation", Deutschland, die Hosen, den ESC und das Leben als "Boyband".

n-tv.de: Ob die Hives, Refused, Mando Diao oder eben ihr, um nur einige wenige zu nennen - Schweden scheint geradezu ein Mekka für schmissige Rockbands zu sein. Könnt ihr mir das Geheimnis dahinter verraten?

Hannes Irengård: Wir werden das tatsächlich sehr oft gefragt. Haben wir schon eine Antwort darauf?

Adam Grahn: Nein. Aber wir haben auch darüber nachgedacht. Eine Erklärung könnte sein, dass es in Schweden spezielle Musik-Klassen gibt. Die kann man nach der Schule schon in sehr jungem Alter, ab dem sechsten Lebensjahr oder so, besuchen. Man geht also nach dem regulären Unterricht noch in den Unterricht für Flöte, Saxophon, Schlagzeug, Gitarre oder was auch immer. Das ist kostenlos und wird vom Staat finanziert. Eine andere Erklärung habe ich auch nicht.

Ein Kollege von mir hat euch als die "neue Boyband des Rock" bezeichnet …

Adam: Ja, ich erinnere mich, dass jemand so etwas geschrieben hat. Es lag wohl auch an den ersten Pressefotos, die wir für unser Debütalbum "We Are The Royal" gemacht haben. Wir hatten keinen blassen Schimmer davon, als wir zu dem Shooting gegangen sind. Sie sagten uns Sachen wie: Zieht das an. Und jetzt schaut mal so in die Kamera. (Er verzieht das Gesicht zu einer aufgesetzt coolen Mine, Anm. d. Red.) Die Bilder passten einfach nicht zu unserer Musik. Wenn wir live spielen, ist das rockig, es ist dreckig, es ist ughh … Und diese Fotos waren einfach aalglatt.

Früher wollten sie zum Beispiel mal Musiklehrer werden.
Früher wollten sie zum Beispiel mal Musiklehrer werden.(Foto: Sven Sindt / Warner Music Group)

Du siehst die Bezeichnung "Boyband des Rock" also nicht unbedingt als Kompliment …

Adam: Ich glaube jedenfalls nicht, dass das unser Image ist. Und auch nicht das, das wir haben wollen. Okay, wir sind jetzt keine Band, die einem wie Mötley Crüe ins Auge springt. Wir sind sehr gechillt. Aber das macht uns ja nicht zwangsläufig zur "Boyband". Zumal die meisten Leute, den Begriff sehr negativ verwenden.

Und du?

Adam: Ich habe nichts gegen die Backstreet Boys oder Westlife. Sie sind halt Typen, die gut aussehen und mit diesem Image in den 90ern groß geworden sind. Das Problem ist: In dem Moment, in dem du zu viele weibliche Fans hast, bekommen die männlichen Fans Schiss, dich zu mögen. Du würdest dich doch nie trauen, zu sagen, dass du die Backstreet Boys magst, selbst wenn du die Musik cool finden solltest. Das ist eine Chicks-Band. Darin liegt eine gewisse Gefahr. Aber: Laut unserer Statistik haben wir immer noch mehrheitlich männliche Fans. Das ist okay.

Wie habt ihr vier Jungs in der Band euch denn kennengelernt?

Hannes: Das ist superlangweilig. Wir haben alle an der Universität in Malmö studiert, um Musiklehrer, Musiker oder dergleichen zu werden. Adam hatte einen Auftritt bei einem Tribute-Konzert für Danko Jones (kanadische Rockband, Anm. d. Red.). Wir anderen waren dort und fanden das super. Nach der Show haben wir uns deshalb zusammengesetzt. Adam hatte einige Songs, die er mit einer Band ausprobieren wollte. Und so ist alles gekommen.

Irgendwann gab es den Punkt, an dem ihr euch entscheiden musstet: Gehen wir unseren sonstigen Beschäftigungen noch weiter nach oder schmeißen wir hin und konzentrieren uns voll auf die Band. Wann war dieser Punkt erreicht? Vor dem ersten Album?

Adam: Vor der ersten Probe! (lacht)

Hannes: Und tatsächlich war es so, dass Adam mir gesagt hat, dass ich meinen Job kündigen soll.

Neben Schweden ist Deutschland ihr zweites festes Standbein.
Neben Schweden ist Deutschland ihr zweites festes Standbein.(Foto: Sven Sindt / Warner Music Group)

Adam: Ja, und du meintest: "Fuck you. Wir machen das doch …

Beide: … aus Spaß!"

Adam: Es war sehr früh. Ich habe bereits die Schule hingeschmissen, um eine Band zu starten. Ich habe in dieser Hinsicht wirklich Dampf gemacht.

Hannes: Und ich erinnere mich, dass mich dieser Ehrgeiz auf der einen Seite echt beeindruckt hat. Auf der anderen war ich aber zugleich richtig genervt davon. Ich sagte: "Hey, wir haben gerade erst zwei oder drei Mal geprobt - und du erklärst mir, dass ich meinen Job hinschmeißen soll?!" Aber im Nachhinein muss man sagen: Er hatte recht.

Adam: Das solltest du dir jeden Tag vor Augen führen.

Hannes: Mist, ich hätte das nicht sagen sollen.

Tatsächlich startet ihr ja ziemlich durch. Schon mit eurem ersten Album wart ihr ganz gut erfolgreich, ihr lauft viel im Radio wie bei den Musiksendern und ihr werdet bereits für viele Festivals gebucht. Seid ihr zufrieden damit, wie es läuft?

Hannes: Natürlich sind wir total dankbar. Natürlich haben wir schon ganz viel Tolles erlebt. Und ja, alles geht total schnell. Aber ich glaube, ein Geheimnis von Erfolg ist, dass man nie total zufrieden ist.

Adam: Wir sind echt harte Knochen. Wir haben dieses Gefühl, nie die Ziellinie zu erreichen. Das Rennen geht immer weiter. Gestern habe ich eine SMS von unserem Produzenten bekommen, in der er fragte, wann denn die Release-Party für das neue Album sei. Ich antwortete nur: Es wird keine geben. Hey, wir hatten noch nicht mal eine für das erste Album. Wir haben dafür echt keine Zeit. Wir sind nur unterwegs und unser Kalender ist voll mit Konzerten, Terminen und Interviews. Wir kommen gar nicht dazu, uns hinzusetzen und zu sagen: Ja, wir haben es geschafft.

Im Dezember gehen sie mit den Toten Hosen auf Tour.
Im Dezember gehen sie mit den Toten Hosen auf Tour.(Foto: Christie Goodwin / Warner Music Group)

Geschafft habt ihr es außer in eurer Heimat ja vor allem in Deutschland. Eure erste Tour, die ihr außerhalb Schwedens gemacht habt, war die im Vorprogramm der Donots hier in Deutschland. Wie kam es dazu?

Adam: Unsere damalige Plattenfirma hatte ihren Hauptsitz in Köln. Von daher hatten wir auch ein deutsches Management. Sie kannten die Donots. Und den Donots hat wohl unser Album gefallen. Als sie auf Tour gingen, haben sie uns einfach mitgenommen. Das war tatsächlich nicht nur unsere erste Tournee außerhalb von Schweden. Es war auch die erste Tour, die länger ging als vielleicht fünf Tage. Diese Erfahrung war unbezahlbar für uns - so viel, wie wir auf dieser Tour gelernt haben.

Im kommenden Dezember geht ihr wieder mit einer deutschen Band auf Tour - mit den Toten Hosen. Ihr wisst sicher, dass sie eine der erfolgreichsten Bands überhaupt in Deutschland sind. Nervös?

Hannes: Leider nicht. Ich wünschte, ich wäre es. Es ist echt übel, wenn man nicht mehr nervös wird. Ich mag eine gewisse Nervosität sehr, wenn ich auf die Bühne gehe, weil sie mir noch einmal zusätzlichen Schub verleiht. Es ist schade, dass das nachlässt. Aber natürlich sind wir total aufgeregt, was die Konzerte mit den Toten Hosen angeht. Wir hören andauernd nur die besten Dinge über sie. Und Adam und Campino sind auch schon ganz dicke miteinander …

Stimmt das? Habt ihr euch überhaupt schon kennengelernt?

Adam: Ja, ich habe ihn getroffen. Aber ich wusste nicht, dass es er ist. Er ist im letzten Sommer bei "Rock am Ring" hinter der Bühne auf mich zugekommen. Wir hatten unseren Auftritt gerade beendet und waren am Feiern mit den Beatsteaks. Da kam Campino. Und ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wer er ist. Er meinte nur: "Hey, toller Auftritt. Euer Album finde ich auch super. Wäre klasse, mal mit euch zusammen zu spielen." Und ich dachte mir: Wer zum Teufel ist denn dieser alte Typ? Unser Manager und Tour-Betreuer standen am anderen Ende des Raums und haben nur noch wild gestikuliert. Schließlich kamen sie dazu und stellten ihn mir vor: "Campino von den Toten Hosen." Da war mir dann alles klar. Ich glaube, das war ein guter Start. (lacht)

Die Toten Hosen haben in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bandbestehen gefeiert. Wie sieht es denn bei euch in 30 Jahren aus?

Hannes: Oh Mann, was mit uns in drei Tagen ist, wäre die Frage! (lacht) Ich habe keine Ahnung. Lass uns nur von einem Tag auf den anderen denken.

Song Contest? Nein, danke!
Song Contest? Nein, danke!(Foto: Sven Sindt / Warner Music Group)

Adam: Wahrscheinlich sind wir dann alle in der Klapse. (Er wiegt sich mit verschränkten Armen vor und zurück, Anm. d. Red.)

Hannes: Aber ich bewundere Bands, die so lange zusammenbleiben. Das ist schon toll. Vor Leuten, die es schaffen, so lange sowohl die Musik als auch das Verhältnis untereinander aufrechtzuerhalten, habe ich großen Respekt. In etwa den gleichen Respekt, den ich vor einem Ehepaar habe, das 30 Jahre miteinander verheiratet ist.

Euer neues Album "Save The Nation" - um den Kreis zu Deutschland zu schließen - habt ihr in den Hansa-Studios in Berlin aufgenommen. Das ist für Musiker ein ziemlich heiliger Ort. Dort haben auch schon Künstler wie David Bowie, Depeche Mode oder U2 ihre Songs eingespielt …

Adam: Und Lou Bega.

Was? Echt?

Adam: Ja, "Mambo Number 5". Das ist das wirklich Wichtige. (lacht)

Wie war es für euch, euer Album dort aufzunehmen?

Adam: Für mich persönlich war das eine ganz große Sache. Wir hatten einige verschiedene Optionen für die Aufnahme des Albums. Es gab auch die Möglichkeit, in die Staaten nach Los Angeles zu gehen oder nach Malmö oder Stockholm. Ich hatte gerade erst die U2-Dokumentation "From The Sky Down" über die Entstehung ihres Albums "Achtung Baby" gesehen. Von daher war ich hin und weg, als die Hansa-Studios ins Gespräch kamen. An den ersten beiden Tagen, an denen wir dann wirklich dort waren, bin ich die ganze Zeit nur mit großen Augen herumgelaufen: "Ah, diese Türklinke - vielleicht hat sie ja Bono berührt." Aber dann haben wir unsere ganzen Sachen aufgebaut, den ersten Soundcheck gemacht und mit den Aufnahmen begonnen. Da stellte sich dann rasch der Arbeitsmodus ein.

Das Album "Save The Nation" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Save The Nation" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Warner Music Group / Roadrunner)

Wenn ihr nach euren musikalischen Einflüssen gefragt werdet, gebt ihr stets eine ziemlich breite Palette an - von Bob Dylan bis Metallica

Adam: Ja, ich höre auch wirklich sehr viel Verschiedenes. Mir fällt nichts ein, von dem ich von vornherein sagen würde, dass ich es mir auf keinen Fall anhören würde. Ich denke, das trifft auf alle von uns zu.

Hannes: Es wäre doch dumm, etwas kategorisch auszuschließen.

Adam: Ich verstehe das nie, wenn jemand sagt, ich höre nur Heavy Metal zum Beispiel. Oder nur Jazz. Da wirst du doch verrückt auf Dauer. Wenn wir auf Tour sind, höre ich inzwischen allerdings sehr gerne ruhigere Musik - so Singer-Songwriter-Sachen oder die gechillten Stücke von Tom Petty, John Mayer, Crosby, Stills & Nash. Richtig cool fand ich auch das letzte Album von Ryan Adams. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich in meinem sonstigen Alltag inzwischen so viel mit Rockmusik zu tun habe.

Wenn man sich eure Texte so ansieht, hat man auf den ersten Blick den Eindruck, dass es bei euch nicht allzu ernst zugeht. Ist das so? Seid ihr eine Spaß-Band?

Es soll nicht lustig sein - nicht lustig im Sinne von albern. Wir haben Spaß, wenn wir auftreten. Meistens jedenfalls. Und ich glaube, das ist es, was die Menschen mitbekommen und was auf sie abfärbt - sie haben Spaß mit uns. Wir sind sicher nicht todernst und wollen die Leute auch nicht zum Heulen bringen. Wir sind nicht Radiohead. Aber natürlich machen wir auch keine Comedy, sondern wollen ernst genommen werden.

Natürlich kann ich euch nicht gehen lassen, ohne euch auf den Eurovision Song Contest anzusprechen. Schließlich kommt ihr mit Malmö aus der Stadt, in der er im kommenden Jahr stattfinden wird. Habt ihr Loreens Sieg mit "Euphoria" in Baku verfolgt?

Adam: Ja, ich habe es gesehen.

Und? Was dachtest du darüber?

Adam: Ähh … Ich habe schon bessere Songs gehört.

Was denkt ihr - kommt es in Malmö zur Wiedervereinigung von ABBA?

Hannes: Nein. Ich glaube auch nicht, dass das überhaupt noch einmal passieren wird. Man hat ihnen doch schon zehn Billionen oder Trillionen Dollar angeboten, wenn sie sich auch nur für einen Song wiedervereinigen würden. Ich sehe dafür keine Chance.

Könntet ihr euch denn vorstellen, im Rahmen des Contests aufzutreten?

Hannes: Nein. Aber tatsächlich wurde darüber diskutiert. In unserer Plattenfirma gibt es zwei Lager. Die einen meinen, wir sollten das auf jeden Fall machen, weil es die größte Bühne sei, die man in Schweden und Europa bekommen könne. Das stimmt natürlich. Aber auf der anderen Seite gibt es auch die, die sagen: auf gar keinen Fall! Das würde die Glaubwürdigkeit der Band komplett zerstören. Und so sehe ich das. Mich interessieren die Bands, die an dem Contest teilnehmen kein bisschen - weder achte noch missachte ich sie. Aber für mich kommt das dort nicht infrage. Ich will es einfach nicht.

Mit Adam Grahn und Hannes Irengård sprach Volker Probst

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Royal Republic geben 2012 noch diverse Konzerte in Deutschland: Berlin (07.10.), Münster (24.10.), Kiel (25.10.), Bremen (08.11.), köln (10.11.), Trier (6.12.), Nürnberg (13.12.), Dresden (19.12.). Zudem unterstützen Royal Republic Ende des Jahres die Toten Hosen auf ihrer Tournee: Hamburg (28.11.), München (01.12.), Stuttgart (02.12.), Erfurt (08.12.), Chemnitz (09.12.), Hannover (12.12.), Friedrichshafen (14.12.), Mannheim (15.12.)

Quelle: n-tv.de