Kino

Der Weltraum, unendlicher Radau "Star Trek Beyond" lässt es scheppern

Bald endet im Fernsehen die "Star Trek"-freie Ära. Eine neue Serie ist in der Mache. Zur Überbrückung gibt es ja zum Glück die Enterprise im Kino, jetzt wieder mit "Star Trek Beyond". Aber ist das wirklich ein Glück?

Sie erinnern sich?! Der Weltraum, unendliche Weiten ... Seufz. Da erwacht die Nostalgie. Und die Erinnerung an erste interstellare Völkerverständigungen mit Spitzohren und Faltenstirnen, an absurde und angeblich theoretisch doch vorstellbare Technik-Wunder wie das Beamen und den Warp-Antrieb oder einfach nur an diese fliegende Untertasse namens Enterprise mit zwei Antriebsgondeln und einer Crew voller skurriler Charaktere.

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Das war es, was "Star Trek" ausmachte. Es ging nicht um Effekthascherei, nicht um möglichst spektakulär inszenierte Schlachtgemälde, nicht darum, auch noch den letzten Rest aus den aktuellen Möglichkeiten des CGI (Computer Generated Imagery) herauszukitzeln. Erfinder Gene Roddenberry war es stets wichtig, zu betonen, dass sich seine Sternenflotte dem Frieden und der Forschung verschrieben habe. Durch "Star Trek" wehte der Flower-Power-Geist der Jahre, in denen die Serie entstanden war. Natürlich ging es mit Spezies, die nicht ganz so friedliebend sind wie die superduften Menschen der Zukunft, auch immer wieder mal mit Phasern und Photonentorpedos zur Sache. Aber es war nicht der Krawall, der "Star Trek" auszeichnete. Und genau das hob das Format von anderen Science-Fiction-Artverwandten ab.

Action statt Tiefgang

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Natürlich sind auch Spock (Zachary Quinto, l.) und "Pille" Leonard McCoy (Karl Urban) bei dem Abenteuer mit von der Partie.

(Foto: Paramount Pictures)

Das gilt für die Originalserie mit William Shatner als Captain Kirk und Leonard Nimoy als Mister Spock ebenso wie - mit Einschränkungen - für die Neuaufgüsse, die ab den 80er-Jahren mit der "Next Generation" folgten. Klar, wurde auch da stets geballert. Ja, eine Serie wie "Deep Space Nine" mutierte zum Ende hin gar zu einem jegliche Episodenlogik sprengenden Kriegsepos. Doch im Mittelpunkt stand auch hier nicht, den Schlachtenlärm möglichst bildgewaltig zu inszenieren. Im Zentrum des Interesses standen immer noch die Charaktere, ihre Intrigen und Zwiespälte, ihre Leidenschaften und Sehnsüchte, ihre Abgründe und Stärken.

Als Regisseur J.J. Abrams mit dem schlicht "Star Trek" betitelten Film mit Chris Pine als jungem Captain Kirk und Zachary Quinto als jungem Commander Spock 2009 zur Wiederbelebung der Kult-Saga im Kino ausholte, erntete er dafür viel Lob. Zu Recht. Zwar ließ es Action-Spezialist Abrams schon in diesem Streifen ordentlich krachen. Zugleich verwendete er mit einigem Humor aber auch viel Zeit darauf, die Vorgeschichte von Kirk und Spock zu erzählen und das Beziehungsgeflecht der beiden zu entwirren. Beim Nachfolger "Into Darkness" schieden sich die Geister dann schon deutlicher. Nicht wenige Kritiker bemängelten den geringen Tiefgang der Haudrauf-Geschichte. Und in "Star Trek Beyond", bei dem J.J. Abrams die Regie an Gaspedal-Spezialist Justin Lin ("Fast & Furious") übergeben und sich selbst in die Produzentenrolle zurückgezogen hat, wird es nicht besser.

Der Gegner heißt Krall

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Alles ganz schön kaputt hier: Chris Pine als Captain Kirk (r.) und der vor Kurzem verstorbene Anton Yelchin als Pavel Chekov.

(Foto: Paramount Pictures)

Die Enterprise befindet sich noch mitten in ihrer Fünf-Jahres-Mission zur Erforschung des Raums, da machen sich bei Kirk Ermüdungserscheinungen breit. Doch seine Überlegungen, den Chefsessel auf der Enterprise gegen einen Posten im Sternenflotten-Kommando einzutauschen, werden von einem Hilferuf durchkreuzt. Also macht er sich mit seiner Raumschiff-Crew zu einem Rettungseinsatz in einem wenig freundlichen Nebel auf. Am Ziel angekommen, müssen Kirk und Co feststellen, dass sie in den Hinterhalt eines mindestens ebenso wenig freundlichen Gegners namens Krall (Idris Elba) geraten sind. Er hat es auf ein mysteriöses Artefakt abgesehen, das an Bord der Enterprise ist.

Gegen die einem alles zerstörenden Schwarm gleichende Armada Kralls kann die Enterprise nichts ausrichten. Sie zerschellt mit viel Getöse auf einem Planeten, der glücklicherweise der Klasse M angehört. Während viele Crew-Mitglieder in Kralls Gefangenschaft geraten, finden sich andere nach ihrer Landung in einer Rettungskapsel allein verstreut auf dem Planeten wieder. Wird es ihnen gelingen, sich zusammenzutun, die Gefangenen zu befreien und Krall, der noch viel Schlimmeres im Sinn hat, zu überwältigen?

"Star Trek" oder Roland Emmerich?

Keine Frage: Einen vergleichbaren Bilderrausch wie in dem in 3D produzierten Streifen gab es bei "Star Trek" noch nie. Dass man über weite Strecken jedoch beinahe meinen könnte, nicht auf der guten alten Enterprise, sondern im neuesten Untergangsszenario von Roland Emmerich gelandet zu sein, wird genau zum Problem des Films. Ob Hochhaus oder Raumschiff - Hauptsache kaputt. "Star Trek Beyond" spart dabei keineswegs mit durchaus auch spaßigen und liebevollen Reminiszenzen an die Kultserie. Doch der Charme der unendlichen "Star Trek"-Weiten geht im unendlichen Radau des Streifens weitgehend verschütt. Manchmal - eigentlich just eine alte "Star Trek"-Weisheit - kann weniger eben einfach auch mehr sein.

Um einen wirklich emotionalen Moment zu erleben, muss man bis zum Abspann warten. In ihm wird nicht nur des im Februar 2015 mit 83 Jahren verstorbenen Original-Spock Leonard Nimoy gedacht, sondern auch des vor einem Monat bei einem Autounfall mit nur 27 Jahren ums Leben gekommenen Anton Yelchin. Er hatte in den jüngsten drei "Star Trek"-Filmen den russischen Navigator Pavel Chekov verkörpert. Doch um wirklich Trost zu finden, bleibt der geschundenen Trekkie-Seele wohl nichts anderes übrig, als auf die neue "Star Trek"-Serie zu hoffen, die ab kommenden Jahr im US-Fernsehen zu sehen sein soll. Hierzulande gibt es sie dann bei Netflix.

"Star Trek Beyond" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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