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Auf der Bühne sah man sie schon häufiger zusammen, hier etwa 2012 in Phoenix: Johnny Depp (l.) und Alice Cooper.
Auf der Bühne sah man sie schon häufiger zusammen, hier etwa 2012 in Phoenix: Johnny Depp (l.) und Alice Cooper.(Foto: AP)
Freitag, 11. September 2015

Mit Johnny Depp im Rausch: Alice Cooper und die "Hollywood Vampires"

Gruselrocker Alice Cooper und Schauspiel-Pirat Johnny Depp haben die coolste Rock-Platte des Jahres aufgenommen! "Hollywood Vampires" nennen sie Werk und Projekt, so wie die 1972 von Cooper eröffnete Trinkhalle am Sunset Strip in Los Angeles, in der die Rockstars ein- und ausgingen. Auf dem Album mischen unter anderem noch Joe Perry (Aerosmith), Perry Farrell (Jane's Addiction), Dave Grohl (Foo Fighters), Sir Paul McCartney, Slash und Brian Johnson (AC/DC) mit - eine echte Supergroup also.

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Neben tollen Coverversionen von Songs von The Who, The Doors und T. Rex enthält die Platte auch ein Spoken-Word-Intro des kürzlich verstorbenen  "Dracula" Christopher Lee sowie zwei selbst geschriebene Songs. Dass der Rausschmeißer "My Dead Drunk Friends" dabei wie ein Piratenlied anmutet, ist natürlich kein Zufall.

In London sitzt Cooper dennoch allein, um Rede und Antwort zu stehen - Depp befindet sich derweil auf Promo-Tour für den Film "Black Mass". Im n-tv.de Interview spricht der Sänger nicht nur über die "Hollywood Vampires", sondern auch über seine gemeinsame Tour mit Mötley Crüe, sein Privatleben als Opa und seine früheren Alkoholeskapaden mit Rockstar-Kollegen.

n-tv.de: Mr. Cooper, wie hat das mit Ihnen und Johnny Depp angefangen?

Alice Cooper: Am Filmset von "Dark Shadows", darin spielte ich 2012 eine Nebenrolle. Parallel dazu gab ich ein paar Club-Konzerte und lud Johnny ein, mit uns aufzutreten. Vor seiner Schauspielkarriere war er Gitarrist in einer Band in Kentucky und kam eigentlich nach Los Angeles, um als Musiker durchzustarten. Johnny ist mit der Musik von Leuten wie mir, David  Bowie und Kiss aufgewachsen, er hat quasi unsere Generation studiert, also war es sehr einfach für ihn, bei uns mitzumischen. Und dann hatten wir die Idee, ein Album mit Cover-Songs aufzunehmen, als Salut an unsere toten Trinkkumpanen - die "Hollywood Vampires".

"Vampire" unter sich: Depp mit Joe Perry.
"Vampire" unter sich: Depp mit Joe Perry.(Foto: Kyler Clark)

"Hollywood Vampires" hieß Anfang der 70er-Jahre auch Ihre Trinkhalle auf dem Sunset Boulevard, in der die Rockstars abhingen.

Wir lebten wirklich wie Vampire! Wir machten die ganze Nacht durch, nur tranken wir Alkohol statt Blut! Doch viele der Typen, mit denen ich dort getrunken habe, sind heute nicht mehr unter uns: John Lennon, Jim Morrison, Jimi Hendrix, Keith Moon, T. Rex ... Aber wir alle waren wie Brüder.

Wobei Johnny Depp sowieso nie Teil der Clique war.

Nein, er ist zu jung! Aber Johnny ist ein Ehren-Vampir! Die Regel des Clubs war ja, die anderen Mitglieder unter den Tisch zu trinken. Eine halbe Flasche Whiskey war da das Mindeste. Gleich in der ersten Nacht, als Johnny und ich uns bei "Dark Shadows" trafen, hat er seine Trinkqualitäten an ein paar Buddeln Wein unter Beweis gestellt. Seitdem hat er dem Alkohol abgeschworen - so wie ich - und geht nüchtern durch die Welt.

Wer war denn in den 70ern der Beste in der Disziplin?

Harry Nilsson war ziemlich gut. Auch John Lennon war ein guter Säufer. Keith Moon toppte aber alle, denn er machte alles exzessiver als alle anderen. Und bei den wenigen Frauen, die den Weg dorthin fanden, war definitiv Janis Joplin die Champion-Trinkerin.

Wetten, dass er so nicht Golf spielt?!
Wetten, dass er so nicht Golf spielt?!(Foto: Kyler Clark)

Haben Sie irgendeine Erklärung dafür, warum einige trotz der destruktiven Angewohnheiten überlebten und andere nicht?

Jimi, Jim und die anderen Jungs lebten heftig und schnell. Leute sagen: Was für eine Tragödie, dass Jim Morrison nur 27 Jahre alt wurde! Aber jeder, der ihn kannte, weiß: Es war ein Wunder, dass er es bis dahin schaffte! Er schluckte so viele Pillen - jedes Mal, wenn ich ihn in meinem Club traf, war er auf einem anderen Planeten. Und keiner wusste, was er nun schon wieder eingeschmissen hatte. Es gibt ja um die 20 Rockstars, die mit 27 verstarben. Von Brian Jones von den Rolling Stones über Jimi Hendrix, Amy Winehouse bis hin zu Kurt Cobain - die Liste ist verrückt lang.

Das Gute an Alice Cooper ist ja: Er ist weder tot noch langweilig!

Danke. Fernab der Bühne bin ich heute schon zu bändigen. Ich habe 1982 mit dem Trinken aufgehört, ich wollte wieder die Kontrolle über mich haben. Und von den Drogen, die die anderen nahmen, habe ich nie was angerührt. Ich habe auch nie geraucht. Wenn ich heute zu Hause in Arizona aufwache, gehe ich zum Golfspielen. Sechs Tage die Woche. Ich habe drei Kinder und zwei Enkel - und gehe voll in der Aufgabe des Opas auf. Ich bin seit 40 Jahren mit meiner Frau verheiratet, obwohl sie auch Teil meiner Bühnenshow ist - sie spielt darin die schöne Krankenschwester. Der Schockrocker ist privat also rundum glücklich und möchte noch mindestens 20 Jahre als Alice Cooper weitermachen.

Nun sind auf dem "Hollywood Vampires"-Album ja überwiegend Coverversion von Legenden wie The Who, The Doors, T.Rex und John Lennon ...

... was im ersten Moment auch für mich merkwürdig war, denn ich habe eigentlich noch nie ein Album gemacht, auf dem ich die Songs anderer Leute interpretiere. Aber es ist ein echtes Rock'n'Roll-Album geworden. Da gibt es keine ruhigen Stücke, jeder Song ist ein Rocksong. Und wenn ich es mir von Anfang bis Ende anhöre, dann ist es genau die Musik, die ich derzeit hören will. Ich hoffe, dass es junge Bands dazu inspiriert, nicht zu kneifen, sondern Hard Rock zu spielen.

Das Album der "Hollywood Vampires" ist ab sofort erhältlich.
Das Album der "Hollywood Vampires" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Universal Music)

Johnny Depp spielt auf der Platte Gitarre und singt Backing-Vocals. War es leicht, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Absolut. Er ist niemand, der sich in den Vordergrund spielt. Ihm gefällt, eher der Brian Jones der Band zu sein und im Background Gitarre zu spielen. Und die Art, wie er spielt, ist richtig cool!

Haben Sie ihm jetzt die Schauspielkarriere madig gemacht?

Nein. Noch während wir das Album geschrieben und aufgenommen haben, hat er den Gangsterfilm "Black Mass" in Boston gedreht. Er meinte, dass es einer seiner besten Filme sei. Nun wird er sogar als Oscar-Anwärter gehandelt. Ich finde es toll, dass Johnny Rockstar und Hollywood-A-List-Schauspieler sein kann. Auch wenn ich glaube, dass seine erste Liebe immer noch die Musik ist. Denn er sagt mir am Telefon jedes Mal, dass er es nicht abwarten kann, wieder mit mir auf der Bühne zu stehen.

Mit den "Hollywood Vampires" spielen Sie nächste Woche zwei Shows in Los Angeles und eine bei "Rock in Rio". Wird es auch in Europa Shows geben?

Die Konzerte, die wir in Amerika spielen, sind Charity-Shows. Wir wollten daran nichts verdienen. Aber mittlerweile denke ich, dass uns die paar Konzerte nicht ausreichen. Wir wollen mehr. Ich denke, wir werden für zwei oder drei Festivals nach Europa kommen. Wer mich vorher live sehen will, muss zur Abschiedstour von Mötley Crüe kommen.

Mit Mötley Crüe spielen Sie in Stuttgart, München und Düsseldorf. Was ist da zu erwarten?

Mötley Crüe sind Freunde. Und sie sind wie ich und meine Band: Sie sind eine Show-Truppe und machen Hard Rock. Wir haben die gleiche Attitüde, wenn es darum geht, ein Publikum zu unterhalten und geben alles. Wir sind jetzt schon eine ganze Weile in Amerika zusammen unterwegs und das Publikum ist jeden Abend überwältigt, zwei theatralische Bands gemeinsam und hintereinander erleben zu können - das merkt man an den Reaktionen. Und natürlich ist da auch eine freundliche Rivalität bei den Konzerten, die das Beste aus beiden Bands herausholt.

Mit Alice Cooper sprach Katja Schwemmers

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Alice Cooper kann man im November 2015 auf der finalen Tour von Mötley Crüe live erleben: Stuttgart (08.11.), München (13.11.), Düsseldorf (14.11.)

Quelle: n-tv.de