Musik

Comics, Kirche, Kino, Konzerte Bela B. - der Arzt, dem die Frauen vertrauen

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Und deine grünen Augen machen mich so sentimental ....

(Foto: dpa)

Über Bela B. oder "Die Ärzte" muss man gar nicht mehr so viel sagen, lieber lassen wir Bela B. selbst zu Wort kommen. Sein neues Album "Bye" ist raus, er singt wieder viel mit Frauen (wen wundert's?) und es wird begeistert aufgenommen. Wir treffen den 51-jährigen, vielseitig talentierten Spandauer zu einem viel zu kurzen Gespräch in der herrlichen Berliner Torstraße.

Bela B.: Oh, gar keine Kameras?

n-tv.de: Du bist nicht der Erste, der heute danach fragt, schlimm?

Nee, gar nicht, sogar besser. (lächelt)

Dann bist du allerdings der Erste, der das heute sagt ... Egal, wir wollen ja nicht über mich sprechen.

Leg' los ...

Schön, dass ich dich alleine sprechen kann, Musiker-Interviews sind ja fast immer Einzel-Interviews, während Schauspieler oft in der Gruppe abgefertigt werden müssen.

Ja, aber das ist für einen Musiker auch leichter, denn ich rede hier jetzt über etwas, hinter dem ich total stehe, das ist meins! Aber an einem Film, da sind so viele beteiligt, und vor allem: Der Schauspieler ist nicht er selbst, sondern in einer Rolle. Ich kann das sagen, weil ich ja auch schon mal geschauspielert habe. (lächelt) Und oft sind Schauspieler auch nervös, weil sie so komische Sachen gefragt werden und manchmal auf keinen Fall als sie selbst gesehen werden wollen, sondern am liebsten in einer Rolle bleiben wollen. Und die ja ständig ändern, im besten Falle. 

Für einen Musiker hast du eine irre lange Filmografie.

Ja, naja, aber das sind wenig Hauptrollen, also alles halb so wild. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, da sammelt sich schon was an über die Jahre.

Mit deinem neuen Album hast du dich doch sehr qualifiziert für deine nächste Tarantino-Rolle, oder?

Ja, wieso denn?

Na weil er doch als nächstes einen Western drehen wollte, sagte er jedenfalls im Interview zu "Inglorious Basterds", als ich ihn darauf ansprach, was demnächst ansteht.

Ja, das ist 'ne lange Geschichte. Ich bin ja sein größter Fan, und ich habe ihn mal für eine Zeitung interviewt. Und daher habe ich eine kurze Szene in einem seiner Filme bekommen, die dann aber leider gestrichen wurde. Und dann als Trostpflaster sozusagen habe ich einen Statistenauftritt bekommen ...

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Über Gitarren könnte man eigentlich auch mal quatschen ...

(Foto: Konstanze Habermann))

... du warst ein Platzanweiser, ...

... genau, sogar eine Sprechrolle. Man hat mir gesagt, ich hätte sogar mehr Text als Til Schweiger gehabt (lacht), aber ich steh' nicht mal im Abspann. Ich gönne auch Christoph Walz sein großes Glück mit Quentin, das ist ein toller Schauspieler. August Diehl würde ich das auch gönnen, der ist super. Der ist ja auch Burgschauspieler momentan. 

Du warst auch am Theater ...

Ja, aber das ist schon eine Weile her, am Schauspielhaus.

Ein weiteres großes Thema von dir: Comics!

Ja, ich hatte einen Comic-Verlag, den ich leider wegen Erfolglosigkeit einstellen musste. (lacht) Das kann man auch mit dem größten Idealismus nicht mehr rechtfertigen. Das waren zehn Jahre, in denen ich viel erlebt habe, ich mag dieses Medium Comic aber immer noch sehr gerne. Es kommt mir fast ein bisschen altmodisch vor inzwischen, aber ich meine, die Dinger wurden in Amerika auch schon mal verboten, weil man sie für so gefährlich hielt. Zum Beispiel in der McCarthy-Ära, da hießt es, Comics indoktrinieren den Leser kommunistisch. Während des Zweiten Weltkriegs aber wurden sie benutzt, um Patriotismus zu schüren. Micky Maus und Donald Duck haben gegen die Nazis gekämpft. Oh Mann, über Comics könnte ich stundenlang reden. Zum Beispiel Captain Berlin, der ist entstanden aus Amateurfilmen vom Regisseur Jörg Buttgereit, der ist mit mir in eine Klasse gegangen (lächelt). Ich spiel' da mit. Und der Zeichner, der den Comic über 30 Jahre später gezeichnet hat, den kenn' ich auch, so viele gibt's ja in Deutschland nicht, also, die was damit verdienen, mein ich, man muss dann noch als Grafiker arbeiten oder Storyboards für Filme entwerfen, damit man sich über Wasser halten kann. Also, ich komm vom Hundertsten ins Tausendste.

Ich hab' neulich in der S-Bahn eine Oma gesehen, die ein Comic las, das fand ich cool. Ein seltenes Bild.

Ja, Comics gelten unter Erwachsenen ja immer noch als Kinderkram, oder was für Lesefaule. Als Kunst wird das ja nicht angesehen. Aber für einen Comic von 20 Seiten sitzt ein Zeichner mal locker zwei Monate. Das ist mehr, als ein Maler meist für ein Bild braucht. Für mich sind Comics eine Kunstform, Trivialkunst vielleicht, aber egal. Das macht einen auch fröhlich. In Japan lesen alle Comics beziehungsweise Mangas. Das ist doch ne tolle Mischung aus Bildern und Sprache. Und die Micky-Maus-Übersetzerin Erika Fuchs zum Beispiel erhielt zahlreiche Ehrungen für ihre Arbeit (Anm.d.Red.: sie übersetzte von 1951 bis 1988 im Auftrag des Ehapa Verlags), und mein Band-Kollege Farin Urlaub widmete ihr sein zweites Soloalbum "Am Ende der Sonne". (lacht) Diese Erika Fuchs hat ganz tolle Sachen mit der Sprache gemacht, wenn man das heute nachliest, dann wird einem das erst so richtig bewusst.

Ich muss unbedingt mal wieder einen Comic lesen. Oder meinen Kindern geben. Mein Bruder und ich konnten einige früher fast auswendig.

(lacht)

Wir hatten ja nichts ...

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More than words ...

(Foto: dpa)

(lacht)

Nee, Quatsch, wir West-Berliner Kinder hatten echt ne große Auswahl ...

... aber nichts im Vergleich zu heute ...

... und du konntest natürlich viel lesen, da du ja immer aus Spandau anreisen musstest.

Ja, stimmt, aber wir sind natürlich viel in Spandau geblieben, wir hatten immerhin eine Stunde elektrisches Licht ...

Haha, sehr witzig ...

... (lacht) du hast ja recht, es war wirklich immer irre weit, um "in die Stadt" zu kommen ...

... ja, wir waren mit dem Fahrrad ganz schnell überall an den "Hot-Spots" ...

... und wir haben eben viel gelesen oder die Leute angeschaut. Aber Farin Urlaub kam sogar aus Frohnau, das war nun echt JottWeDE ...

Janz weit draußen ...

Ja, und der hat dann ein ganzes Buch ausgelesen auf der Hin- und Rückfahrt ...

Das ist ja Entschleunigung, als es das Wort Entschleunigung noch gar nicht gab ...

(lacht) Ich wollte das E-Wort gerade sagen, ...

Furchtbares Wort eigentlich.

Ja.

Du wirkst sehr aktiv. Warst du als Kind auch schon so vielseitig begabt?

(lacht) Begabung ist ja eine Frage der Sichtweise. Die einen sehen das so, die anderen eher nicht (lacht). Man wird nur ein guter Turmspringer, wenn man vom Turm springt, und ich habe eben schon vieles ausprobiert. Ich habe grottenschlechte Rollen gespielt, das weiß ich aber, und auch ein paar gute. Und es gibt Songs von mir, da würde ich am liebsten wegrennen, und andere find' ich gut. Ich mach' gerne Sachen. Die einzige Begabung, die ich wirklich habe, ist Schlagzeug spielen, würde ich sagen. Und ich habe noch immer Spaß. Ich habe in den letzten Jahren bestimmt sehr viel mehr gelernt als früher.

Man bescheinigt dir inzwischen, dass du mittlerweile richtig gut singen kannst - hattest du je Zweifel daran?

Nein! Auf keinen Fall! Aber wir haben uns sehr viel Mühe gegeben. Das verdanke ich auch Peta Devlin, die Backing Vokals singt und auch zwei, drei Duette mit mir. Die hat mir viel beigebracht, weil sie auch Toningenieurin ist. Viele Sachen aus den Achtzigern kann ich gar nicht mehr gut hören von mir. Meine Stimme hat sich einfach verändert, und ich denke ganz oft, ich würde das heute viel besser singen. Ganz anders texten, ganz anders instrumentieren. Aber mein jetziges Album wäre ohne die Band und ohne Peta nicht so gut geworden.

Hat es deswegen auch ein bisschen länger gedauert, immerhin fünf Jahre sind vergangen seit deinem letzten Solo.

Ja, aber das liegt daran, dass ich noch so viele andere Sachen mache. Weil dann auch die Ärzte wiederkamen, und da machen wir ja alles selber.

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"Cryin' in the Chapel" auf jeden Fall in the chapel ...

Eine Elvis-Frage an den Elvis-Fan aus eigenem Interesse: Wenn man heiratet - eher "Cryin' in the Chapel" oder "And I love You So"?

"Cryin' in the Chapel" in der Kirche und das andere dann zum Tanzen (lächelt)

Klammerblues ...

Heulen in der Kirche ...

Vermisst du eigentlich deine Ärzte, wenn du ohne sie unterwegs bist?

Nee, also nee, echt nicht (lächelt). Ich krieg' sie ja wieder.

Du erzählst nicht gerne Persönliches, oder?

Also, ich finde unser Gespräch schon sehr persönlich!

Ja, aber dein Privatleben hältst du unter Verschluss.

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Bye, Bela. Nice talking to you.

Du weißt inzwischen schon echt viel von mir, und ich versuch' auch immer, mich nicht so sehr zu wiederholen, dann kommt ein interessantes Gespräch raus. Bei David Bowie interessiert es mich null, wie der lebt. Der hat ne schöne Frau, klar, aber seine Kinder sind mir schon egal, ich will was über seine Musik wissen, seine Tour, wie er auf seine Texte kommt und so. Ich bin Fan der Musik. Wir können auch nur über Gitarren sprechen, aber das ist nur so halb interessant, oder?

Ja, obwohl ich mal Gitarre gelernt habe - sehr erfolglos ...

Wir reden über andere Sachen, kein Ding. (lacht)

Heute leider nicht mehr, die Zeit ist um. Noch eine letzte Frage: Stehst du drauf, wenn deine Fans dich beim Konzert dauerhaft filmen oder fotografieren?

Nee, du versaust dir damit das Live-Erlebnis, du trägst ein Konzert hier (fässt an sein Herz).

Mit Bela B. sprach Sabine Oelmann

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Bela B. auf Tour:

5.5. Bielefeld, Ringlokschuppen
6.5. Magdeburg, Altes Theater
7.5. Rostock, Moya
9. und 10.5. Berlin, Heimathafen
11.5. Leipzig, Haus Auensee
12.5. Dresden, Alter Schlachthof
14.5. Erlangen, E-Werk
15.5. München, Freiheiz
16.5. A-Linz, Posthof
18.5. A-Wien, Arena
20.5. Stuttgart, LKA Longhorn
21.5. Karlsruhe, Substage
22.5. Hannover, Capitol
23.5. Hamburg, St. Pauli Theater
25.5. Hamburg, Fabrik
26.5. Offenbach, Capitol
27. und 28.5. Oberhausen, Ebertbad
30. und 31.5. Köln, Gloria

Quelle: n-tv.de

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