Unterhaltung
Aufmerksamer Beobachter: Charles Pasi.
Aufmerksamer Beobachter: Charles Pasi.
Sonntag, 29. Oktober 2017

"From The City" : Charles Pasi schlägt mit "Bricks" ein

Sie kennen den Song "From The City": "I'm not from the country, I'm not from the valley". Nein, denn er ist aus der Stadt. Und gut! Etwas düster, aber kraftvoll, etwas nasal, aber sexy. Etwas James Dean, und etwas Harry Connick Jr. - Charles Pasi ist auf Tour.

Als in Frankreich vor anderthalb Jahren die Nachricht die Runde machte, dass Charles Pasi einen Plattenvertrag über drei Alben bei dem renommierten Jazzlabel Blue Note ergattert habe, war die Jubelstimmung in Paris groß. Pasi ist der erste französische Sänger, der von dem traditionsreichen US-amerikanischen Label unter Vertrag genommen wurde.

"Bricks" ist tatsächlich bereits Charles' viertes Album und das erste auf dem legendären US-amerikanischen Label Blue Note. Er ist überhaupt der erste französische Sänger, der von Blue Note unter Vertrag genommen wurde, allerdings singt er auf Englisch. Er spielt Mundharmonika und Akustikgitarre und schreibt alle seine Songs selber. Charles pendelt zwischen Paris und Nizza und seine Musik changiert zwischen Jazz, Pop, Blues und Soul.

Bevor Pasi die Blue-Note-Offerte erhielt, tourte der mittlerweile 33-Jährige mit den Songs seines letzten Albums "Sometimes Awake" durch die Welt. Letztes Jahr lud ihn Neil Young persönlich dazu ein, bei fünf Konzerten in Frankreich in seinem Vorprogramm aufzutreten.

 

Der Grundstein ist gelegt

Was um so verwunderlicher ist, da Pasi sein Album ohne großen Lärm herausgebracht hatte. Aber an die üblichen Gepflogenheiten des Musikmarktes hatte sich Pasi ohnehin noch nie gehalten. Er nahm sein Schicksal immer selbst in die Hand. Und dazu brauchte er nur seine Mundharmonika, seine Komponistenfeder, seine Stimme und sein überfließendes Herz.

Es ist allerdings nicht so, dass Charles Pasi über Nacht vom Himmel gefallen ist. Sein erstes Album "Mainly Blue" brachte er bereits 2006 in Eigenregie heraus. Fünf Jahre später ließ er mit "Uncaged" ein zweites Werk folgen, mit dem er einiges Aufsehen erregte. 2014 erschien schließlich noch das dritte Album "Sometimes Awake", mit dem Pasi das Ohr von Blue-Note-Präsident und Produzent Don Was erreichte. Mit dem Album "Bricks" legt der Italo-Franzose nun also den Grundstein für seine neue, internationale Karriere.

Beinahe gelähmt

I'm from the city ...
I'm from the city ...

Die Songs für "Bricks" wurden in einem Zeitraum von achtzehn Monaten in Studios in Paris und Brüssel aufgenommen und - wie schon "Sometimes Awake" - von Pasi zusammen mit Jean-Philippe Verdin produziert. Es ist ein Album von eleganter Intensität und sich ständig verändernden Klangfarben, das zugleich sehr ausgefeilt arrangiert und vor allem sehr auf das Wesentliche reduziert ist. "Ich denke, die Songs sprechen für sich", so Charles Pasi. "Das erklärt auch, weshalb ich sie nicht überladen wollte. Sie sollten geradlinig sein." Tatsächlich war jetzt nicht die Zeit für Verschrobenheiten oder Überladenes, nicht der Moment für Ablenkungsmanöver oder ermüdende Gimmicks. Und das wusste Pasi.

Seit 2014 pendelt Pasi zwischen Paris und Nizza hin und her. Die Tragödien, die diese beiden Städte in der jüngeren Vergangenheit heimsuchten, hat er hautnah miterlebt und natürlich nicht vergessen. Das Leben ging danach für ihn nicht einfach weiter, als wäre nichts passiert. Der Song "Shoot Somebody" reflektiert die Erlebnisse: "Diese Ereignisse haben mich umgekrempelt und beinahe gelähmt", gesteht Pasi. 

Pasi schrieb sämtliche Stücke, spielte natürlich Mundharmonika und auch akustische Gitarre. "Bricks" ist sein bislang lebendigstes Album - das erklärt auch den Titel: "Bausteine sind das, was man am Anfang hat, wenn man etwas konstruiert. Aber sie sind natürlich auch noch da, wenn man fertig ist. Und wenn nichts anderes übrigbleibt, gibt es immer noch Bausteine. Man schaut eine Ruine an: man sieht Bausteine. Ein Baustein kann einerseits ein Wurfgeschoss sein und andererseits etwas Sicheres. Bausteine stehen für Heim, ein Symbol des Geschütztsein. Und dann gibt es den Baustein, den man werfen kann. Ich dachte, das sei eine gute menschliche Metapher. Zwei Menschen können sehr unterschiedliche Bestimmungen haben, wie zwei Bausteine. Und dann verkörpern Bausteine auch noch die Elemente: Erde, Feuer, Luft und Wasser."

Puh, eine Menge Holz, aber Pasi legt noch einen (Baustein) oben drauf: "Dieses Album handelt davon, was es heute bedeutet, in einer Stadt zu leben", fährt Pasi fort. Pasi ist ein scharfer Beobachter und sich dessen bewusst, dass der Mensch gleichzeitig Opfer und Täter ist, Familie und Folter, Licht und Schatten, Wunder und Chaos. Vielleicht ist das Album gerade wegen dieser Dualitäten so beeindruckend. Und weil er Dinge sagt wie: "Musik ist Vitalität, das Verlangen zu leben und, natürlich, Katharsis."

In Frankreich weiß man längst, dass Charles Pasi ein "irrsinniges musikalisches Talent" besitzt. Auf "Bricks" stellt er es nun endlich eindrucksvoll der ganzen Welt vor.

29.10. Privatclub, Berlin

30.10. Nachtspeicher, Hamburg

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Quelle: n-tv.de

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