Musik

"The Endless River" Ein warmer Abschiedsgruß von Pink Floyd

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Nein, sie haben das Rad nicht neu erfunden, aber das mussten sie auch nicht.

David Gilmour und Nick Mason haben für das letzte "Pink Floyd"-Album alte Aufnahmen hervorgekramt, mit hohem Wiedererkennungswert versehen und dann vorgestellt. Unsere Autorin wollte das schwimmende Studio auf der Themse nicht mehr verlassen.

"The Endless River", das in Deutschland am 7. November erscheint, ist laut eigener Aussage das letzte Album von Pink Floyd, und man darf gleich vorwegnehmen, dass sie damit das Rad nicht neu erfunden haben. Wie auch - es sind Ideen und Aufnahmen, die vor zwanzig Jahren nicht auf "The Divison Bell" berücksichtigt wurden, nun aber von den übrig gebliebenen David Gilmour und Nick Mason in einem anderen Licht gesehen werden. Und dass sie nun das Rad nicht neu erfunden haben, ist auch gar nicht als Vorwurf gemeint, denn schließlich gelang dies Pink Floyd bereits vor über 45 Jahren, als sie der Welt einen eigenen Sound schenkten. Dieses Jahr schenkten sie einigen ausgewählten Journalisten immerhin eine Listening-Session auf ihrem Studio-Hausboot "Astoria" auf der Themse - auch nicht verkehrt.

Verbeugung vor Rick Wright

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Pink Floyd - ein Stück Geschichte!

Dieser eigene Sound - er liegt zum großen Teil an dem kühlen, aber dennoch elektrisierenden Gitarrenspiel von David Gilmour. Dieser unverwechselbare Klang findet sich natürlich auch auf "The Endless River" wieder und es sind Versatzstücke, die manchmal an "Shine On You Crazy Diamond" erinnern. Es gibt eine sehr charmante Sequenz, auf der Rick Wrights Orgelspiel aus der Royal Albert Hall anno 1969 zu hören ist. Gilmour betonte in den wenigen Interviews zur Platte, dass "The Endless River" eine Verbeugung vor dem 2008 verstorbenen Keyboarder sei. Das Rampenlicht fiel immer auf Gilmour und Roger Waters - Wright taucht nun beim letzten Album wieder als Komponist auf und bekommt so posthum noch ein kleines Denkmal in der Musikgeschichte gesetzt.

"The Endless River" ist in vier Suiten aufgeteilt und überwiegend instrumental, ein Ambient-Klangteppich, der mal bombastisch abhebt und dann wieder leisen Tönen den Vorzug gibt, einzig die kitschige Saxophon-Sequenz des umstrittenen Musikers Gilad Atzmon wirkt wie ein Störfaktor und klingt gefährlich nach Kenny G. "Louder Than Words", das einzige gesungene Stück auf der Platte, könnte man als Versöhnungsversuch von Gilmour an Roger Waters interpretieren, der 1985 die Band verließ. Der Text stammt von Gilmours Gattin Polly Sansom. Übertragen heißt es im Song, dass das große Ganze doch wichtiger sei als Ego-Kabbeleien. Waters scheint aber nicht willens zu sein, Befindlichkeiten ruhen zu lassen - er betonte jüngst auf Facebook, dass er mit "The Endless River" nichts zu tun habe. Pink Floyd sei für ihn Geschichte und auch Gilmour macht wenig Hoffnung, dass sich die beiden noch einmal gemeinsam ins Studio begeben.

Neuer Rekord trotz alter Klänge

Bleibt den Fans also die Geschichte - die großen Vier im Werk von Pink Floyd - das mächtige und alles überstrahlende "The Dark Side of the Moon" aus dem Jahr 1973, das zarte "Wish You Were Here" von 1975, das rotzige "Animals" von 1977 und das epische "The Wall" von 1979. In diesen Kanon kann sich "The Endless River" gar nicht einreihen und will es wahrscheinlich auch gar nicht. Es ist ein warmer Abschiedsgruß, vertraut, nicht langweilig, an all die Leute, die schon sehnsüchtig darauf warten. In Großbritannien, scheint es, werden die Fans mit ihren Vorbestellungen wohl einen neuen Rekord bei Amazon brechen.

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Quelle: n-tv.de

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