Musik

"Konzerte sind wie guter Sex" Heather Nova gibt sich volksnah

imago57826374h.jpg

Touren ist für sie wie Urlaub!

(Foto: imago stock&people)

Die mittlerweile 47-jährige Heather Nova verbrachte einige Zeit ihrer Kindheit auf hoher See, wohnt und arbeitet auf den Bermudas und sie verfügt zudem noch über eine elfenhafte Stimme, die man unter Tausenden heraushört. Es widerstrebt ihr, als Star tituliert zu werden, auf den ganzen Business-Rummel kann sie gerne verzichten. Von einem Privileg würde sie sich allerdings nur ungern verabschieden: Vom vielen Reisen. Mit n-tv.de sprach die zierliche Blondine über das Leben "on the road", ihre Rolle als Mutter und ultimative Momente.

n-tv.de: Heather, du hast vor kurzem in Berlin ein Showcase gespielt, um dein neues Album "The Way It Feels" vorzustellen. Ungewöhnlich für eine Musikgröße deines Kalibers.

Heather Nova: Findest du? So "groß" bin ich ja nun auch wieder nicht. Mir war es einfach wichtig, meine neuen Songs endlich einmal live zu spielen. Außerdem mag ich Berlin. Mein Management sitzt hier, und die Stadt fasziniert mich. Das passte also alles wunderbar.

Was macht Berlin für dich so besonders?

Die Stadt steckt voller Leben. Das zieht mich an. All diese Gegensätze, das Gewusel der vielen Menschen, das kulturelle Angebot, die vielen grünen Oasen: Das bekommt man nicht überall geboten.

Du lebst und arbeitest auf den Bermudas. Kannst du verstehen, dass viele Berliner sicherlich gerne mal mit dir tauschen würden?

Ja und Nein (lacht). Ich meine, ich habe fast mein ganzes Leben auf den Bermudas verbracht. Für mich sind die Strände, das Wetter und der Ozean nichts Neues. Versteh' mich nicht falsch, ich weiß das alles immer noch sehr zu schätzen. Ich liebe die Ruhe und die Weite. Daher kann ich die Menschen auch verstehen, die bei uns gerne Urlaub machen, wenngleich ich nur wenigen Deutschen auf den Bermudas begegne. Mich dürstet es aber auch nach Kultur. Auf den Bermudas gibt es keine Museen, keine tollen Bauten oder sonst irgendwelche Dinge, die eine Geschichte zu erzählen haben. Daher bin ich auch so froh darüber, mich für das Musik-Business entschieden zu haben. So komme ich viel in der Welt rum.

Demnach ist das Touren für dich wie Urlaub?

So ungefähr, ja (lacht). Wobei ich sagen muss, dass ich kein Mensch bin, der mit Urlaub auch zwingend Erholung verbindet. Zur Ruhe komme ich eher zu Hause. Wenn ich unterwegs bin, dann will ich etwas sehen. Ich will raus. Die Welt hat so viel zu bieten. Es gibt so viel zu sehen.

Du hast einen elfjährigen Sohn, der dich so oft es geht, auf Tour begleitet. Würdest du dir wünschen, dass er irgendwann einmal in deine musikalischen Fußstapfen tritt?

Oh, nein. Ich meine, wenn er will, kann er es gerne versuchen. Ich würde ihn dabei unterstützen. Aber ich denke nicht, dass es für ihn in diese Richtung gehen wird. Er interessiert sich nicht allzu sehr für Musik. Vielleicht ist das aber auch Teil einer Rebellionsphase (lacht).

Aber er begleitet dich schon ganz gerne, oder?

Ja, absolut. Das hat aber weniger mit den Konzerten zu tun.

Sondern?

Er liebt es, wie ich, auf Reisen zu sein. Das findet er toll. Vor allem hier in Deutschland hat er immer eine Menge Spaß. Er ist nämlich großer Fußball-Fan.

(Heather Nova zeigt mir ein Foto ihres Sohnes im Trikot der deutschen Nationalmannschaft)

Schickes Outfit.

Ja, oder? Er ist auch großer Bayern-Fan. Zu Hause bei uns schießt er mir immer die Bälle um die Ohren. Er hat Talent.

Du spielst mit deinem Sohn Fußball?

Ja, leider. Ich muss dann immer ins Tor. Aber ich bin eine lausige Torhüterin.

Wie sieht das auf Tour aus? Habt ihr auch immer ein transportables Tor dabei?

Nein, zum Glück nicht (lacht). Wenn wir unterwegs sind, beschäftigt er sich eher mit Land und Leuten. Außerdem hilft er im Merchandise-Bereich mit. Das macht ihm viel Freude.

Er verkauft deine Tour-Shirts?

Nein, um Gottes Willen. Er hat seine eigene Abteilung. Er ist sehr kreativ. Er gestaltet selbst T-Shirts, kümmert sich um den Herstellungsprozess und führt sein eigenes kleines Geschäft. Natürlich alles im kleinen Rahmen. So lernt er aber Verantwortung zu übernehmen. Das Ganze läuft auf einer kindgerechten und spielerischen Ebene ab. Er soll Spaß dabei haben und ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass er mit seinem Schaffen anderen Menschen eine Freude machen kann.

So wie du mit deiner Musik?

Genau. Ich hoffe natürlich, dass auch mein neues Album wieder Freunde finden wird. Der gestrige Abend ließ sich jedenfalls schon mal gut an. Es ist immer wieder aufs Neue aufregend für mich.

Bist du denn noch nervös vor deinen Auftritten?

Heather_Nova_Cover__Heather_Nova_The_Way_It_Feels.jpg

Ja, immer. Gestern war es mal wieder besonders schlimm. Das gehört aber dazu. Man geht ja ein gewisses Risiko ein, wenn man sich auf die Bühne stellt. Diese Anspannung weicht nicht. Auch nicht nach zwanzig Jahren. Für mich ist das immer eine besondere Herausforderung; denn ich sehe mich nicht als Star. Ich hatte nie vor, berühmt zu werden. Dieser ganze Trubel um meine Person bedeutet mir gar nichts. Ganz im Gegenteil. Ich wäre froh darüber, wenn mich die Leute als eine aus ihrer Mitte sehen würden, und nicht als jemanden, der vermeintlich über den Dingen steht. Ich bin eine ganz normale Frau, die einfach nur Musik macht.

… und mit ihrer Musik Abertausenden Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, egal ob auf einer großen Festival-Bühne oder in einem kleinen stickigen Club. Wo fühlst du dich eigentlich am wohlsten, wenn es ums Live-Spielen geht?

Ich liebe große Festivals. Die Menschenmassen, die frische Luft, die Weite: Das ist schon etwas ganz besonderes. Noch mehr liebe ich es aber im kleinen Rahmen aufzutreten. Wenn die Leute nur eine Armlänge von mir entfernt stehen, und ich in ihre Gesichter blicken kann, bin ich in meinem Element. Da baut sich eine ganz besondere Stimmung auf, in der ich alles um mich herum vergessen kann. Das hat was mit Intimität und Nähe zu tun. Diese Momente sind mein Antrieb. Ich kann mich dann total fallen lassen, alles beiseiteschieben und nur noch für die Musik da sein.

Dein eigener kleiner Mikrokosmos?

Exakt. Solche Augenblicke sauge ich förmlich in mich auf. Das ist dann wie Meditieren, in den Alpen wandern oder guter Sex (lacht). Alles andere ist unwichtig. Nur der Moment zählt. Darum geht es. Deswegen liebe ich es, Musik zu machen. Weil sie mich zu meinem Innersten führt.

Mit Heather Nova sprach Kai Butterweck

"The Way it Feels" bei Amazon bestellen

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen