Musik

Ehrlich, offen, radikal Marteria liefert Evolution

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Er wollte Fußballer werden – aber mit der Musik kommt er sicher weiter!

Paul Ripke

Man kann von Glück sprechen, dass Marteria sich gegen eine Karriere als Profifußballer entschieden hat. Die Tracks des Rappers zwingen zum Zuhören, jede Zeile seines neuen Albums "Zum Glück in die Zukunft II" strotzt vor Inhalt.

Fußballer, Model, Schauspieler und Musiker - Marteria, mit bürgerlichem Namen Marten Laciny, hat schon vieles ausprobiert. Erfolgreich war er in allen Disziplinen, entschieden hat er sich für die Musik. Die Entscheidung war definitiv eine gute, da mit Marteria endlich ein deutscher Hip-Hop-Künstler auf die Bühne tritt, der ohne Gangster-Allüren und schwulen- oder frauenfeindliche Parolen auskommt. Frei nach dem Motto "Gay okay" - wie in seinem Song "OMG", der gerade Video-Premiere feierte. Womit das Thema auch schon angeschnitten ist, denn: Der Musiker mit dem stechenden Blick hat ein neues Album produziert, das keine unserer existenziellen Fragen, Wünsche und Probleme unausgesprochen lässt.

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Lange dachte bei dem Namen Marteria jeder an "Lila Wolken", den Riesenhit mit Yasha und Miss Platnum aus dem Jahr 2012. Mit seinen neuen Tracks versucht der Rapper sich nun von dem dadurch entstandenen Bild seiner Person in der Öffentlichkeit zu emanzipieren. Denn er ist anders und weiß: Das Leben ist nicht immer rosa. Ganz im Gegenteil - sein neues Album "Zum Glück in die Zukunft II" ist angriffslustig, düster und nachdenklich, humorvoll und melancholisch, provokant und sogar fast schmerzhaft direkt. Das Thema der Platte ist die Welt, denn von ihr hat der Künstler in den letzten Jahren viel gesehen. Von Südamerika über Alaska bis in den Himalaya, von Chile über Island nach Ostafrika ist er gereist. Die Erlebnisse dieser Touren prägen das Album, viele der Texte sind während der Reise entstanden.

Texte haben Substanz

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Angriffslustig – aber immer mit dem gewissen Witz.

(Foto: Paul Ripke)

Wie der Titel unschwer erkennen lässt, ist das aktuelle Werk der Nachfolger des mittlerweile Gold-gekrönten Debütalbums "Zum Glück in die Zukunft", die Parallelen sind bewusst gewählt. Außerdem lässt sich erahnen, dass Michael J. Fox Science-Fiction-Komödie "Zurück in die Zukunft" den Titel des Albums inspiriert hat – der zweite Teil der Trilogie ist Marterias Lieblingsfilm. Ob es auch einen dritten Teil von "Zum Glück in die Zukunft" geben wird? Es bleibt spannend.  Besonders deutlich wird die Analogie der Alben bei den Songs über den 2007 geborenen Sohn des Musikers – Louis. In dem neuen Track "Gleich kommt Louis" unternimmt der Künstler eine Zeitreise in die Vergangenheit, in die Stunden vor der Geburt seines Sprösslings – eindringlich schildert er die Nervosität, Unsicherheit und Vorfreude eines jungen Mannes, der die Geburt seines Kindes erwartet.

Doch so friedlich geht es auf dem Album sonst fast kaum zu. Selbstzerstörung, Trennung, Existenzangst, Chaos, Verwirrung und Sozialkritik stehen im Mittelpunkt der textgewaltigen, aufrührerischen Platte. Tracks wie "John Tra Volta" und "Die Nacht ist mit mir" sorgen für eine depressive, fast bedrohliche Stimmung, während Songs wie die schon veröffentlichten Singles "Kids (2 Finger an den Kopf)" und "Bengalische Tiger" eher aggressiv auf die Missstände und aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft aufmerksam machen. "Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern" ist nur eine der angeprangerten Veränderungen der Jugend von heute. Was der Rapper damit genau ausdrücken will? Diese Deutung bleibt dem Hörer selbst überlassen.

Ausgang ist ungewiss

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Ganz oben momentan – hoffentlich bleibt er da noch ne Weile.

Neben der Kritik möchte Marteria vor allem auch eins ausdrücken: Respekt. Respekt vor dem Leben, Respekt vor der Welt. Die Lyrics von "Welt der Wunder" beweisen, dass die individuelle menschliche Existenz für den Musiker nur einen unbedeutender Teil des gesamten Seins dargestellt - das Universum dagegen ein noch immer unbegreifliches und unerklärbares System ist und sich der Mensch somit ständig auf der Suche nach Erklärungen befindet. Das Leben ist mehr als reines Vergnügen, der Sinn trotzdem noch lange nicht gefunden.

Natürlich hat Marteria auf seinem aktuellen Album auch wieder für starke stimmliche Unterstützung gesorgt. Yasha und Miss Platnum sind bei "Glasklar/Herzglüht" mit von der Partie und auch ein ungewöhnlicher, nicht unbedingt absehbarer Gast hat seinen Senf dazugegeben: Campino von den Toten Hosen. Doch Campinos Gastauftritt ist nicht die erste Zusammenarbeit der beiden unterschiedlichen Künstler, Marteria war mit den Toten Hosen schon in Argentinien, um an deren Album "Ballast der Republik" mitzuarbeiten. Auch privat verbindet die beiden Musiker eine enge Freundschaft – Fußballgucken inklusive.

Insgesamt ist "Zum Glück in die Zukunft II" ein extrem textlastiges Album. Es animiert zum bewussten Zuhören und Nachdenken, zum darin Versinken. Was den Beat betrifft, besinnt sich Marteria auf Minimalismus, er präsentiert keinen harten Rap, sondern lässt Kopfnicker-Beats entstehen, die vor allem eines schaffen: Atmosphäre – der "Vibe" stimmt also. Marteria setzt mit seinem neuen Album ein Statement, er legt seine Sicht der Dinge offen, ohne andere anzugreifen oder schlechtzumachen. Was er schafft, ist konstruktive Kritik an einer Gesellschaft, deren Ausgang ungewiss ist. Die Zukunft wird die Antwort liefern.

"Zum Glück in die Zukunft II" von Marteria erscheint am 31. Januar 2014.

Ab März ist Marteria auf Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

06.03. Rostock, Stadthalle
07.03. Dresden, Alter Schlachthof
08.03. Magdeburg, Stadthalle
09.03. München, Tonhalle
11.03. Wien, Arena
12.03. Zürich, Komplex
14.03. Stuttgart, Porsche Arena
15.03. Frankfurt, Hugenottenhalle
16.03. Köln, Palladium
18.03. Hamburg, Sporthalle
10.04. Erfurt, Stadtgarten
11.04. Hannover, Capitol
12.04. Berlin, Max-Schmeling-Halle

Quelle: n-tv.de

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