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La Roux findet ihre Stimme wieder Von Synthie zur "Sexotheque"

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Neue Musik, neue Ausstrahlung - so geht das.

Die Synthie-Pop-Frau hat eine lange Pause hinter sich. Sie musste zu sich finden, denn der Erfolg nahm ihr den Atem. Jetzt hat sie ein neues Album am Start und verrät n-tv.de, wie sie die letzten Jahren erlebt hat, was anders wird und ob es überhaupt noch Synthie-Pop gibt.

2009 lief alles perfekt für Elly Jackson alias La Roux: Ihr Debütalbum, auf dem sie den Synthie-Pop der Achtziger aufleben ließ, verkaufte sich zwei Millionen Mal und wurde später sogar mit einem Grammy ausgezeichnet. Doch die Britin haderte mit dem Ruhm. Sie litt unter Angstzuständen, verlor kurzzeitig ihre Stimme und trennte sich schließlich auch noch von ihrem Songwriting-Partner Ben Langmaid. Jetzt ist sie mit ihrem zweiten Album "Trouble In Pardise" zurück – und klingt darauf selbstbewusster denn je. Im Interview spricht sie über das Ende von Synthie-Pop, Kontrollverlust und das Paradies.

Elly, fünf Jahre sind seit Ihrem Debütalbum vergangen – ist Synthie-Pop 2014 überhaupt noch angesagt?

Elly Jackson: Nein, Synthie-Pop ist tot! Für mich fühlt sich die ganze Musik- und Medienlandschaft komplett anders an als vor fünf Jahren. Nicht nur, weil ich älter geworden bin. Die Art, wie die Menschen Musik kaufen und konsumieren, hat sich verändert. Deswegen wollte ich auf meinem neuen Album auch etwas anderes machen. Von den Achtzigern kann ich mich nicht mehr inspirieren lassen, es gibt aber auch keine neue elektronische Musik, zu der ich mich hingezogen fühle. "Trouble In Paradise" ist deshalb eine Collage aus allem, was ich mag: Disco, Funk und Soul, aber auch Sachen wie Paul Simon, Talking Heads oder Reggae, Dancehall und karibische Musik. Selbst Motown-Referenzen sind versteckt zu finden.

Bis zu diesem Album war es kein leichter Weg: Zwischendurch haben Sie für kurze Zeit Ihre Stimme verloren. Was ist passiert?

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Zum Glück nicht mehr verkrampft: La Roux.

2010 hatte ich ein Konzert in Los Angeles. Meine amerikanische Plattenfirma war da, es war also eine sehr wichtige Show. Am Nachmittag beim Soundcheck war noch alles okay, doch je näher der Auftritt rückte, desto heiserer wurde ich. Ich könnte noch heute schwören, dass beim Konzert kein einziger Ton aus meinem Mund kam. Es sagten zwar alle es sei eine tolle Show gewesen, sogar meine eigene Schwester, aber ich glaubte ihnen kein Wort. Damit fing alles an und über die nächsten zwei Jahre wurde es immer schlimmer.

Als Ihr Debütalbum erschien, waren Sie gerade 21 und lebten noch bei Ihren Eltern. Waren Sie auf den großen Erfolg nicht vorbereitet und war es das, was Ihnen zusetze?

Das Problem war meine körperliche und geistige Erschöpfung. Um im Falsett zu singen, muss man entspannt sein, aber ich war so verkrampft, dass es einfach nicht mehr funktionierte. Ich wurde jedes Mal panisch, wenn ich zu singen begann. Damals habe jeden Tag geheult. Ich war verzweifelt, konnte nicht schlafen und war so voller Angst, dass ich täglich Tag Valium nahm – aber auch das half nicht.

Nach etlichen Arztbesuchen konsultierten Sie schließlich den Bühnenangst-Spezialisten Andy Evans. Wie hat er Ihnen geholfen?

Wir haben viel geredet. Bis er irgendwann meinte, ihm sei klar, was mit mir los ist. Ich hatte komplett die Kontrolle über mein Leben verloren. Mein Terminplan wurde drei Jahre lang für mich ausgearbeitet und ich tat einfach, was man mir sagte, auch wenn ich es nicht wollte. Ich war nur noch eine Marionette – dabei bin ich absoluter Kontroll-Freak. Um meine Stimme zurückzubekommen, musste ich also einen Weg finden, damit umzugehen. In meinem Team gab es damals einige Leute, die mir das Gefühl gaben, gefangen zu sein. Von ihnen trennte ich mich.

Sie trennten sich außerdem von Ihrem Songwriting-Partner Ben Langmaid. Warum?

Wir hatten schon lange Probleme, wir versuchten nur so zu tun, als seien sie nicht da. Ich werde im Moment ständig gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass wir uns so entfremdet haben. Eine bescheuerte Frage! Das ist ungefähr so, als wenn man jemanden fragt, warum er nicht mehr mit seiner Highschool-Liebe zusammen ist. So etwas passiert halt. Ich bin wahnsinnig stolz auf das, was wir zusammen erreicht haben und werde immer eine Version von Ben in meinem Kopf haben, die ich liebe. Aber Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich. Das muss man manchmal einfach respektieren.

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Diese eine bestimmte Insel ...

Stattdessen haben Sie die Songs mit Ihrem Sound-Engineer Ian Sherwin aufgenommen. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie sich beim Schreiben wirklich öffnen können?

Ich würde nie ein Album mit jemandem machen, vor dem ich nicht weinen kann. Das Komischste in der Musikindustrie ist in meinen Augen, dass Leute mit jemandem einen Song schreiben, den sie an dem Morgen getroffen haben, und am nächsten Tag schreiben sie mit jemand anderem. Das ist wie ein musikalischer One-Night-Stand! Ich verstehe es nicht. Alles, was man davon am Ende hat, sind ungewollte Kinder! (lacht)

Nun ging es auf Ihrem Debütalbum noch vornehmlich um die Liebe, für "Trouble In Paradise" hingegen ließen Sie sich von einer tropischen Insel inspirieren, die Sie seit Ihrer Kindheit oft besucht haben. Ihr persönliches Paradies?

Ja, ich war schon an vielen tollen Orten, aber keiner hat mich so berührt wie diese Insel. Sie gehört zu den Westindischen Inseln und ist nur fünf Quadratmeilen groß. Es fällt mir schwer, sie zu beschreiben – ich glaube, genau deshalb gefällt es mir dort so gut. Einerseits ist die Insel wunderschön und man würde am liebsten den Rest seines Lebens dort verbringen, aber andererseits hat der Ort eine furchtbare Traurigkeit. Da sind all die reichen Touristen mit ihren Jachten, und dann die Einheimischen, die dort ihr ganzes Leben verbracht haben und gewissermaßen gefangen sind.

Beleuchten deshalb viele Songs auf "Trouble In Paradise" Probleme, die unter der Oberfläche schlummern?

Ja, das ist zumindest einer der deutlichsten Zusammenhänge zu dem Albumtitel. Ich wünschte, ich könnte die Faszination dieser Insel erklären. Ich träume ständig von ihr - und ich habe noch nie von einem anderen Ort geträumt. Es ist fast so, als hätte ich in einem früheren Leben etwas mit der Insel zu tun gehabt, so sehr fühle ich mich zu ihr hingezogen. Manche Songs auf dem Album sind aber auch nur musikalisch von der Insel inspiriert, zum Beispiel "Sexotheque". In dem Song geht es um einen Typen, der nicht aufhören kann, in Sexclubs zu gehen.

Der Song "Cruel Sexuality" hingegen hat schon jetzt Fragen hinsichtlich Ihrer eigenen Sexualität aufgeworfen – ein Thema, zu dem Sie bisher stets geschwiegen haben.

Genau deshalb habe ich den Song geschrieben, damit ich meine Sichtweise zu dem Thema rüberbringen kann. Wenn die Leute das Wort Sexualität sehen, denken sie sofort an sexuelle Orientierung. In dem Song geht es allerdings einfach nur darum, ein sexuelles Wesen zu sein. Ich weiß nicht, warum alle so besessen davon sind, zu wissen, ob jemand schwul ist oder nicht! Genau das schafft eine Barriere. Warum muss man das benennen? Erstens kann man es, finde ich, sowieso sehen, und zweitens ist es völlig egal. Wir sind doch alle Menschen!

Mit La Roux sprach Nadine Lischick

Das Album "Trouble In Paradise" erscheint am 18. Juli 2014 - hier bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

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