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"Tatort" aus Frankfurt Ein einfacher Plan

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Bei den "Tatort"-Kommissaren Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich) ist die Heizung ausgefallen.

(Foto: HR/Bettina Mülle)

Hajo und Biggi sind verzweifelt, ihr Unternehmen steht kurz vor der Pleite. Die beiden greifen zum letzten Mittel: Versicherungsbetrug. Aber dann läuft alles aus dem Ruder. Schräge Figuren, noch schrägere Frisuren, schwarzer Humor - "Falscher Hase" ist ein kleines Meisterwerk.

Es könnte alles so schön sein für die Lohmanns: Seit über 25 Jahren sind Hajo (Peter Trabner) und Biggi (Katharina Marie Schubert) miteinander verheiratet - und das überaus glücklich, wäre da nur nicht die Sache mit ihrer Firma. Die Lohmann Solar Technology GmbH steht unmittelbar vor der Pleite. Nicht nur die Existenz der Eheleute, auch die ihrer Angestellten ist bedroht. Angesichts der Ausweglosigkeit kommen die beiden auf die Idee, ihre Versicherung zu betrügen.

In einer Nacht-und Nebel-Aktion täuschen Biggi und Hajo also einen Einbruch vor, bei dem das kostbare Gut der Firma, die Seltenen Erden, gestohlen werden. Biggi und Hajo kennen in ihrer Verzweiflung keine Skrupel. Um die ganze Chose noch glaubhafter zu machen, greifen sie sogar zur Waffe. Doch aus der geplanten Selbstverstümmelung wird schließlich ein Mord - und den komplottierenden Eheleuten geraten die Fäden nach und nach aus den Händen.

Reichlich Strickware

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Der Tatort "Falscher Hase" ist kleidungsmäßig auf jeden Fall nicht im Sommer angesiedelt.

(Foto: Bettina Müller/HR/dpa)

Überhaupt Fäden - nie zuvor hat man in einer "Tatort"-Folge wohl so viel Strickware gesehen: Strickjacken, Strickpullover, Strickwesten. Norweger. Jacquard. Zopfmuster. Patentstrick. Perlstrick. Groß gemustert. Fein gearbeitet. Und jede Menge Schals und Mützen, denn während andernorts die Menschen eine fast sinnliche Beziehung zu den Erzeugnissen der filigranen Nadelarbeit führen, hat der Griff zum wärmenden Wickel für die Kommissare Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich) ganz pragmatische Gründe: Die Heizung im Revier streikt - und das ausgerechnet in einem der kältesten November-Monate seit Menschengedenken.

Bleiben wir noch einen Moment bei der Ausstattung, denn nicht nur die gestrickten Klamotten fallen ins Auge, auch darüber hinaus hat jenes Team, das sich hier um Szenen- und Kostümbild, um Innen- und Außenrequisite, Maske und Musik gekümmert hat, einen ebenso eigenwilligen wie liebevollen Job gemacht: Von den schrägen Frisuren und den aus der Zeit gefallenen Wohnzimmer-Garnituren über den Soundtrack, in dem Größen wie Jennifer Rush und Johnny Logan schmachten, bis zu den en passant immer wieder auftauchenden Speisen dampft es nur so vor stiller Ironie und skurrilem Kolorit. Falscher Hase und Toast Hawaii, Spießchen und Käseigel, ein schönes Spiegelei mit Speck und hinterher Kekse, Kekse, Kekse.

Tragikomische Wesen

Es ist eine Welt, durch die jeden Moment auch ein Heinz Strunk stolpern könnte oder Hape Kerkeling, denn all die Figuren, ob tölpelhafte Angestellte (Godehard Giese), skrupellose Unternehmer (Werner Daehn), laszive Ladys (Johanna Kowalek), tumbe Lover (Friedrich Mücke) oder zerbrechliche Witwen (Judith Engel) - alle eint ein tragikomischer Wesenszug zwischen Schrulligkeit und Melancholie, zwischen Tatendrang und Hilflosigkeit.

Das bei alldem auch noch eine überaus spannenden Kriminalgeschichte herausspringt, die Figuren mit Leben, der Plot mit ausgefuchsten Wendungen vorangetrieben wird, ist Regisseurin und Autorin Emily Atef und Co-Autor Lars Hubrich - und ihrer Vorliebe für das Werk der Coen-Brothers - zu verdanken. Nicht von ungefähr erinnert "Falscher Hase" an deren großartigen Film/Serien-Hybriden "Fargo" - auch hier sind es die vermeintlich einfachen Pläne, die durch ein winziges Detail scheitern, die einfachen Leute, die an ihren großen Träumen zerbrechen. Ist dieser Mix aus Crime und Comedy im "Tatort"-Kontext ein zuweilen arg konstruiertes Gemisch, stimmt beim "Falschen Hase" diesmal wirklich alles - bis zur allerletzten Einstellung, die noch eine kleine, feine Pointe in den Himmel schickt.

Quelle: n-tv.de

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