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Die Rückkehr von Thomas Magnum Kein Higgins, kein Selleck, kein Pornobalken

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Der Ferrari ist auf jeden Fall noch da - Jay Hernandez als Thomas Magnum in "Magnum P.I.".

(Foto: Chris Haston / NBC / VOX / TVNOW)

Wer in den Achtzigern auf coole Krimi-Action stand, der wurde von Tom Selleck und seiner "Magnum"-Crew bestens versorgt. Über 30 Jahre später versucht die Remake-Serie "Magnum P.I." Erinnerungen zu wecken. Ob das wohl gelingt?

Autotune, Videobeweis, Einparkhilfe, Social Media: Ü-40-Semester, die einst zum Telefonieren in mannsgroßen gelben Mini-Häuschen verschwanden und deren Fußball-Idole noch in schwarzen Ledertöppen auf den Platz marschierten, haben es in Zeiten des technischen Fortschritts und der daraus resultierenden Verkümmerung analoger Werte nicht immer einfach.

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Aber die Fraktion der Früher-war-alles-besser-Nostalgiker lässt nicht locker. Wie die berühmten unbeugsamen Gallier halten sie dagegen. Was neu ist, muss sich erst einmal beweisen. Und wer oder was sich erdreistet, bereits Bewährtes einfach nur zeitgemäß "aufzupimpen", der oder das hat es vor der Basis-Jury besonders schwer.

Dieser Tage schlagen Vinyl-Freunde, Fans von Pierre Littbarski und Eigentümer von VHS-Geräten erneut die Hände vors Gesicht. Der Grund: Das von Emmy-Nominee Peter M. Lenkov ("24") und Eric Guggenheim ("Hawaii Five-0") inszenierte High-End-Action-Getrampel auf den Gräbern von Thomas Sullivan Magnum, Jonathan Quayle Higgins, Theodore "TC" Calvin und Co.

Nicht nur Nostalgiker schieben Frust

Ja, liebe Oldschool-Freunde, ihr habt richtig gelesen. Nach "Baywatch" und "MacGyver" schlüpft mit "Magnum P.I." das nächste Serien-Urgestein in hippe Remake-Sneakers. Und nach gerade mal zwei Folgen schiebt nicht nur der Fan der ersten Stunde Frust.

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Keine Frage, Magnum hat jetzt einen neuen Stil.

(Foto: CBS / VOX / TVNOW)

Vom einst welterobernden Charme des Originals ist anno 2019 so gut wie nichts mehr übrig. Schon die Einstiegssequenz sorgt für Sprachlosigkeit in den Wohnzimmern eingefleischter Format-Fans. Zu den röhrenden Klängen von AC/DCs "Thunderstruck" katapultiert sich Neu-Magnum Jay Hernandez ("Scandal", "Nashville") aus dem All zurück auf die Erde. Hawaii, ich komme! Ganz großes Kino.

Sicher, nimmt man die Scheuklappen ab und öffnet sich dem großen Ganzen mit Vorbehaltlosigkeit und Toleranz, präsentiert sich die Neuauflage nicht gehaltloser als gängige Action-Crime-Serien aus dem Hier und Jetzt.

Action satt

Die Kommunikation zwischen Guten und Bösen schält sich zeitgemäß hip und temporeich aus den TV-Boxen. Selbst in den brenzligsten Situationen haben die Hauptdarsteller stets ein flippiges Grinsen auf den Lippen. Auch die zahlreichen Action-Szenen, in denen neben Robin Masters Kult-Ferrari noch so manch anderes teures Gefährt geschrottet wird, brauchen sich vor bereits in den Filmgeschichtsbüchern verewigten Peng!-meets-Puff!-Blockbuster-Sequenzen nicht zu verstecken. Oberflächlich betrachtet machen die Verantwortlichen hinter und vor den Kameras gar nicht so viel falsch.

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Stephen Hill schlüpft in die Rolle von TC.

(Foto: Karen Neal / CBS / Universal Televis / VOX / TVNOW)

Taucht man allerdings etwas tiefer ein und wagt dabei den emotionalen Vergleich zum Original, verdient sich "Magnum P.I." nicht viel mehr als das Netter-Versuch-Gütesiegel. Bis auf die beiden Format-Vierbeiner Apollo und Zeus, die in puncto Aussehen und Auftreten einen nahezu perfekten Bogen zwischen der Vergangenheit und dem Hier und Jetzt spannen, kann hier nichts und niemand dem Original das Wasser reichen.

Joy Hernandez gibt sich zwar redlich Mühe, hat aber ohne Balzcharme, Pornobalken über der Lippe und Lockenkopf nicht den Hauch einer Chance gegen Altmeister Tom Selleck. Neben Hernandez mimt Stephen Hill ("Dead Man Down") den Heli-Akrobaten "TC", der im Original vom knuffigen Roger E. Mosley gespielt wird. Abermals zieht die Gegenwart im Vergleich zur Vergangenheit den Kürzeren.

"Higgie Baby" ist jetzt eine Frau

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Higgins ist jetzt weiblich - gespielt von Perdita Weeks.

(Foto: CBS / VOX / TVNOW)

Den größten Fauxpas leisten sich die Macher aber bei der Besetzung von Magnums kultigen Partner wider Willen namens Higgins. Statt ockergrüner Safari-Shorts trägt Higgins stretchige Yoga-Hosen. Ja, "Higgie Baby" ist jetzt eine Frau, verkörpert von "Die Tudors"-Schönheit Perdita Weeks. Und die gibt sich auch viel Mühe, keine Frage. Aber Fakt ist: An die unterschwellig urkomische Präsenz von - Gott hab ihn selig - John Hillerman kommt die gute Perdita nicht ansatzweise ran.

So bleibt für eingefleischte Fans des Originals nach den ersten beiden Folgen nicht allzu viel Brauchbares hängen. Zwei zwischen Höllen- und Schoßhunden pendelnde Dobermänner, die unsterbliche Titelmelodie aus den Federn von Mike Post und Pete Carpenter und solide Action-Unterhaltung: Das war's.

"Magnum P.I." läuft ab sofort immer mittwochs um 20.15 Uhr als Doppelfolge bei Vox und ist bei TVNOW abrufbar

Quelle: n-tv.de

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