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Daniel Brühl im ntv-Interview "Superhelden darf es nicht geben"

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Baron Helmut Zemo (Daniel Brühl) mag keine Superhelden.

(Foto: © Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.)

Im Marvel-Film "Captain America: Civil War" ist er ein diabolischer Strippenzieher, der die "Avengers" wie Schachfiguren hin- und herschiebt. Nun darf er in "The Falcon and The Winter Soldier" seine humoristische Seite zeigen: Baron Helmut Zemo ist zurück und mit ihm der Schauspieler Daniel Brühl.

ntv: Mit "The Falcon and The Winter Soldier" hat Disney+ nach "WandaVision" nun die zweite exklusive Serie im Programm, die im Marvel Cinematic Universe handelt. Du spielst erneut Helmut Zemo, den Gegenspieler der "Avengers" aus dem dritten Teil der Captain-America-Reihe. War Zemos Weiterentwicklung 2016, als du dich mit Kevin Feige - Präsident der Marvel Studios - getroffen hast, schon eine Option oder wurdest du von der Nachricht auch überrascht?

Daniel Brühl: Nein, ich glaube, das war damals noch nicht geplant. Es ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn sie einen nicht umbringen (lacht). Das heißt, der Gedanke schlummerte schon in mir: Vielleicht könnten sie mich ja nochmal reaktivieren. Aber ich wusste da gar nichts. Und ich glaube, sie selbst auch noch nicht! Als dann der Anruf für die Serie kam, hat mich das total gefreut. Und ich hab mich noch mehr gefreut, als ich die Bücher las, weil ich dachte: Ach, herrlich, ich kann ja noch viel mehr machen mit dem Zemo! Das eröffnet mir ganz andere Möglichkeiten - vor allem, was den Sinn für Humor angeht. Es gibt jetzt Momente, in denen nun auch dieser ganze Adelshintergrund erzählt wird. Das war ein schöner Anlass für mich, da auch ein bisschen arrogant, ironisch und blasiert zu sein - mit meinem Mäntelchen und dem Pelz. Und ich konnte auch endlich mal die lila Maske anziehen!

Das heißt, du darfst endlich ein Kostüm tragen.

Genau.

Da spielt man schon mal in einem Marvel-Film mit und dann läuft man so rum, wie man eigentlich immer aussieht. In "Captain America: Civil War" warst du optisch ja eigentlich "nur" Daniel Brühl.

Genau. (lacht)

Der Zemo in der Serie ist aber nun ein anderer, als der, den man aus dem Film kennt. Der gebrochene, diabolische Mann aus "Civil War" ist jetzt eher so eine Art Gangster Baron mit viel Humor. Der Angst-Faktor bleibt etwas auf der Strecke. Besteht hier nicht die Gefahr einige Fans zu enttäuschen?

Das kann man sehen, wie man will. Ich fand es erfrischend, weil ich sonst das Gefühl gehabt hätte, jetzt geht es wieder in dieselbe Richtung. Aber es wird auch wieder intensivere und ernstere Momente geben. Vielmehr darf man ja da immer nicht sagen. Ich bin ja der Meister der Spoiler und werde dann immer gerüffelt. Deshalb will ich das so vage, mysteriös und undurchsichtig halten wie meine Figur. Aber ich glaube, soviel kann man sagen, dass es da auch ernstere Auseinandersetzungen geben wird. Für mich war das total erfrischend. Die einen werden es mögen, die anderen nicht.

Du hast mal gesagt: Wenn ein deutscher Schauspieler international bekannt wird, dann erhält er viele Rollenangebote, in denen er eine Wehrmachtsuniform trägt oder einen SS-Offizier spielt. Dem hast du dich ja schon immer etwas entgegengestellt. Der Helmut Zemo in den Comics hat ja einen eindeutigen Nazi-Hintergrund. Wäre der Zemo im MCU genauso angelegt gewesen: Hättest du bei der Rolle Bedenken gehabt?

Da hätte ich Bedenken gehabt, muss ich ganz ehrlich sagen! Das hätte ich mir schwer überlegt. So ein großer Fan ich vom Marvel-Universum und auch von Marvel-Studioboss Kevin Feige bin, aber dann wäre das ein anderes Gespräch gewesen! In diesem Zusammenhang ist für Kevin bezeichnend, dass er Figuren immer neu interpretiert, die Geschichten neu erfindet und sich mit Mut von den Comics entfernt. Er nimmt Versatzstücke und macht etwas Neues daraus. Auch Karli Morgenthau ist ja im Original ein weißer Mann mittleren Alters. Diese Rolle hat Kevin nun mit der jungen Britin Erin Kellyman besetzt. Am Ende geht das auf die Mastermind-Köpfe bei Marvel zurück. Und das macht es eben so interessant, dass es auch immer den aktuellen Bezug mit aufnimmt und eine Relevanz hat. Und man da nichts Verstaubtes macht und starr an den Comics haftet.

Man hätte dann mit Zemo nur einen Red Skull 2.0 gehabt. Und die ewige Nazi-Schiene, die will ja auch keiner sehen!

Genau! Die menschliche Komponente war auch das, was mich bei dem Gespräch mit Kevin getriggert hat. Weil er meinte, Zemo ist ein Typ, der aus einer Motivation heraus, die man komplett nachvollziehen kann, dieses große Ding orchestriert. Man hat, auch wenn man seine radikalen Methoden nicht unterstützt, eine Empathie für diesen Typen. Und diese Haltung, dass es Superhelden nicht geben darf, dass die Menschen nicht Gott spielen sollen, egal in welchen Händen so ein Super-Serum ist, würde ich auch komplett unterschreiben. Das hat mir diesen Zemo immer nahbar gemacht. Ich mag ihn! (lacht)

Im Rahmen der diesjährigen Berlinale hast du ja dein Regie-Debüt vorgestellt. In "Nebenan" wird der deutsch-spanische Schauspieler Daniel - gespielt von dir selbst - von seinem Nachbarn Bruno, dargestellt von Peter Kurth, verbal in die Mangel genommen. Man könnte den Film als eine Art Abrechnung mit deiner eigenen Person verstehen. Haderst du mit der Rolle wie die Öffentlichkeit dich wahrnimmt? Oder was war der Grund, dich in dem Film zur zentralen Person zu machen?

Im Gegenteil - ich wollte beim ersten Film was machen, worüber ich wirklich Bescheid weiß! Und dann fing ich einfach bei mir an. Im Endeffekt geht es ja um die Nachbarschaft. Und mein Beruf oder meine Persona geben dabei schön viel her, um kritisiert oder fertiggemacht zu werden. Ich dachte, das wäre perfekt als Angriffsfläche für einen Nachbarn, der diese Person einfach nicht erträgt. Dabei wollte ich bewusst die komische Note und die Überhöhung schon von Anfang an setzen. Ich habe mich selbst in einer sehr eitlen Version dargestellt, um klarzumachen, das bin nicht ich. Und ich setze mich nicht peinlich mit meiner Vergangenheit auseinander und hadere da extrem mit mir selbst. Es ist ein ironischer und witziger Blick. Ich hoffe, dass sich das transportiert. Bei den meisten Leuten scheint das passiert zu sein. Denn eigentlich geht es um Gentrifizierung im weitesten Sinne und um meinen Blick auf Berlin. Aber ich bin nicht ich in diesem Film. (lacht)

Mit Daniel Brühl sprach Ronny Rüsch

Quelle: ntv.de

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