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Samstag, 14. Mai 2016

Tops und Flops aus Wolfsburg: VW produzierte nicht nur Wagen fürs Volk

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Auf der Internationalen Automobilausstellung 1961 in Frankfurt debütiert der bis dahin größte Volkswagen aller Zeiten: der Volkswagen 1500 Typ 3. (Foto: Volkswagen)

Auf der Internationalen Automobilausstellung 1961 in Frankfurt debütiert der bis dahin größte Volkswagen aller Zeiten: der Volkswagen 1500 Typ 3.

Auf der Internationalen Automobilausstellung 1961 in Frankfurt debütiert der bis dahin größte Volkswagen aller Zeiten: der Volkswagen 1500 Typ 3.

Das viersitzige Typ 3 Cabriolet wurde 1961 serienreif entwickelt, kurz vor Produktionsstart aber gestoppt. Schade! Mit fast 2,6 Millionen Exemplaren wurden die bis 1973 gebauten VW 1500/1600 trotzdem zum Maßstab in der Mittelklasse.

Die Suche nach Stauraum trifft 1962 den Nerv der Zeit: Da die Typ-3-Limousine mit ihren geteilten Kofferräumen relativ wenig davon bietet, wird mit dem VW 1500 Typ 3 Variant der erste Volkswagen-Kombi auf den Markt gebracht.

Ein Novum für den deutschen Markt, denn erstmals wird hierzulande ein Kombi-Modell in größerer Stückzahl verkauft als die entsprechende Limousinenversion.

Nachfolger des Modells 1500 S wird 1965 der 1600 L. Neu ist außerdem die "Touren-Limousine" 1600 TL, eine Schrägheck-Variante des VW, die bei den Kunden aber keinen Anklang findet.

Der 1968 vorgestellte VW 411 ist bis auf 4,55 Meter Länge gewachsen und erreicht äußerlich das repräsentative Format eines Opel Commodore oder Rekord.

Für den US-amerikanischen Markt wird der Typ 3 modifiziert und die Front noch einmal um 12 Zentimeter verlängert - auf diese Weise sollen günstigere Crashergebnisse erzielt werden. Unter dem Namen VW 411 (Typ 4) erhält er eine zusätzliche Motorisierung. Der weiterhin bestellbare 68-PS-Motor wird durch eine Bosch-Einspritzanlage auf 80 PS gesteigert (VW 411 E).

Woran es den Modellen 411/412 fehlte? Ausreichende Leistung und formale Faszination. Die lange, seltsame Front mit den traurigen Oval-Scheinwerfern erhielt nach nur einem Jahr die erste Schönheits-OP - doch das machte den liebevoll "Nasenbär" genannten Maxi-VW nicht wirklich schöner.

Im August 1972 hat der VW Typ 4 schließlich ausgedient: Die Produktion des 411 wird eingestellt. Nachfolger wird der 412, der sich optisch vor allem im Frontdesign unterscheidet. Auch der K70 erfährt ein Facelift mit flacherer Motorhaube und Doppelscheinwerfern, die 90-PS-Variante erhält zudem eine längere Getriebeübersetzung für niedrigere Verbrauchswerte.

Im Sommer 1970 wird der Presse erstmals die Limousine VW K 70 vorgestellt, im Herbst desselben Jahres darf auch die Öffentlichkeit einen Blick auf das neue Flaggschiff werfen. Beide feiern den kantigen K 70 als klassische Schönheit mit moderner Technik und schönem Interieur.

Im Juli 1973 endet die Produktion des Typ 3 (VW 1600). Nachfolger wird ab September der Passat. Beim VW 412 wird die Einspritzanlage gestrichen (außer US-Versionen), die Gemischbildung erfolgt wieder über eine Zwei-Vergaser-Anlage.

Der VW 412 (links) und der VW K 70 unterschieden sich vor allem in der Front. Im Juni 1974 kommt es jedoch nach 367.728 Exemplaren für den VW Typ 4 (411/412) zum Produktionsende.

Ein halbes Jahr später, im Januar 1975, folgt nach 211.127 Exemplaren auch das Ende des VW K 70.

Ab Frühjahr 1974 macht der VW Scirocco die Straßen unsicher. Die erste Generation des Sportcoupés wird fast 20 Jahre lang auf der Plattform des VW Golf gebaut. Ab 1992 folgt die zweite Generation des Sciroccos, dessen Name einen heißen Wüstenwind bezeichnet, der von der Sahara aus in Richtung Mittelmeer weht.

Auf neue Wege in höhere Gefilde begibt sich Volkswagen erst wieder im Jahr 1981. Es kommt der vom VW Passat abgeleitete Santana - er wird als "große klassische Reiselimousine, wie es sie von Volkswagen bis heute noch nicht gegeben hat" angekündigt.

Der hochwertigere Anstrich spiegelt sich auch unter der Haube wider: In der Spitzenmotorisierung wird der VW Santana von einem 1,9-Liter-Fünfzylinder-Benzinmotor mit 115 PS befeuert.

Doch für die deutschen Premiumkäufer hat der Santana zu wenig Glamour. In China avancierte das Karosseriekonzept des vokstümlichen Santana Vista hingegen zu einem jahrzehntelang gebauten Multi-Millionenerfolg.

1988 ist Marktstart für die dritte Generation des Passat, den B3. Die Innenraumlänge beträgt nun vom Gaspedal bis zur Rücksitzlehne fast zwei Meter. Der B3 soll so an die Maße deutscher Oberklassemodelle anknüpfen.

Auch bei der Motorisierung des Passat versucht man zur Premiumkonkurrenz aufzuschließen. Aber weder der 2,8-Liter-Sechszylinder im Passat B3 noch das 2,9-VR6-Aggregat im nachfolgenden Passat B4 können wirklich überzeugen.

Im April 1991 wird als Spitzenmotorisierung ein VR6-Benzinmotor mit 174 PS lieferbar, er bringt eine kompakte Konstruktion für den Quereinbau mit. (Auf dem Bild sind ein Passat und Passat Variant Baujahr 1993 zu sehen)

Volkswagen kündigt 1998 kurz vor der Jahrtausendwende eine neue Oberklassen-Offensive an: Mit dem W12-Sportwagen-Concept und Zwölfzylinder-Motoren sollen künftig Sportwagen, SUVs und Limousinen auf den Markt kommen.

1999 wird das Concept D auf der IAA in Frankfurt vorgestellt. Es ist der Vorbote für den Volkswagen Phaeton - allerdings noch im Fastback-Design, das später zugunsten eines klassischen Stufenhecks gestrichen wird. Zusammen mit dem Concept D debütiert ein Zehnzylinder-Diesel.

Erst der Passat B5 (Hintergrund) kann ab 2001 den nächsten Gipfelsturm für die Wolfsburger vorbereiten. (Im Vordergrund ein Passat B1 von 1973)

Der brave Mittelklassebestseller wagt sich jetzt mit einem Achtzylindermotor an die Spitze der Modellpyramide.

Im Mai 2002 wird der Volkswagen Phaeton - eine echte Luxuslimousine - auf dem Markt eingeführt. Die Plattform des Phaeton wird in Zukunft auch für Bentley-Modelle genutzt. Die Kosten hält VW für den Phaeton bewusst niedrig. Eine Preispolitik, die sich für die Zukunft nicht bewährt.

Auch, dass sich der Phaeton bei den Händlern den Schauraum mit den Mini-Modellen Fox und Polo teilen muss ist nichts verkaufsfördernd. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Prunkwagen abstürzt wie der von Phaeton gelenkte Sonnenwagen in der griechischen Mythologie.

Aber Volkswagen gibt noch nicht auf: 2005 soll der Phaeton die Türen nach oben öffnen. Aufwendige Lounge-Konzepte, hochtwertig verarbeitete Luxus-Materialien und viel Platz im Fond sollen dem BMW 7er und der S-Klasse aus Stuttgart Konkurrenz machen. Vor allem der asiatische Markt ist fest im Visier des Phaeton.

Auf der Auto China in Peking präsentiert Volkswagen 2010 die nächste Modellpflege für den Phaeton, optisch erkennbar an einer modifizierten Frontpartie und LED-Rückleuchten. Ein Jahr später ist der W12-Motor für die Luxus-Limousine nur noch auf dem chinesischen Markt bestellbar.

Vor allem Chinas Neureiche begeistern sich für die Luxuskarosse, deren schlichte Passat-ähnliche Linienführung die hohen Anschaffungskosten geschickt verbirgt. 2016 segnet Volkswagen das Produktionsende für den VW Phaeton ab - sein Nachfolger wird der VW Phideon, dessen Produktion ausschließlich auf dem chinesischen Markt erfolgen wird.

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