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Montag, 05. November 2018

Showdown in New York: Drogenboss "El Chapo" steht vor Gericht

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Joaquín "El Chapo" Guzmán auf der Anklagebank - davon haben die US-Sicherheitsbehörden lange geträumt. (Foto: AP)

Joaquín "El Chapo" Guzmán auf der Anklagebank - davon haben die US-Sicherheitsbehörden lange geträumt.

Joaquín "El Chapo" Guzmán auf der Anklagebank - davon haben die US-Sicherheitsbehörden lange geträumt.

Guzmán war jahrelang der Anführer des mexikanischen Sinaloa-Kartells, eines der mächtigsten Drogenverbrechersyndikate weltweit.

2011 nimmt ihn das US-Magazin "Forbes" in seine Liste der reichsten Menschen der Welt auf. In seiner Heimatregion genießt er gleichzeitig den Ruf eines modernen Robin Hood.

Der Bau von Tunneln wird zu seinem Markenzeichen: Durch unterirdische Gänge schmuggelt er Drogen in die USA und entzieht sich immer wieder dem Zugriff der Polizei.

Auch in seinem Anwesen in Culiacán lässt er unter einer beweglichen Badewanne einen Fluchttunnel anlegen.

Sein Spitzname bedeutet übersetzt "der Kleine" und bezieht sich auf seine Körpergröße von 1,68 Metern.

Sein Geltungsdrang ist hingegen riesig. Insofern könnte er es als Auszeichnung betrachtet haben, als ihn die USA 2013 zum Staatsfeind Nummer eins erklären.

Diese "Ehre" war vor ihm lediglich dem Gangsterboss Al Capone zuteil geworden.

Jahrelang setzen die USA alles daran, El Chapo festzusetzen.

Mehrfach wähnen sie sich schon am Ziel, doch immer wieder gelingt dem Drogenboss die Flucht.

2001 öffnet ihm ein Wärter die Zellentür für die Flucht, ...

... in einem Wäschewagen entkommt der Drogenboss dann ...

... und kann erst im Februar 2014 wieder festgenommen werden.

Im Juli 2015 entkommt er erneut in einer spektakulären Flucht aus dem Gefängnis El Altiplano in der Stadt Almoloya de Juárez im zentral gelegenen Bundesstaat Mexico.

Das Gefängnis gilt als absolut sicher.

Guzmán nutzt dennoch einen heimlich gegrabenen Tunnel, ...

... der von der Duschkabine in seiner Zelle ..

... in ein im Bau befindliches Gebäude in einer nahe gelegenen Wohnsiedlung führt.

Die Wächter bemerken die Flucht Guzmáns angeblich erst bei einem Routinecheck im Gefängnis.

Auf Bildern der Überwachungskameras ist zu sehen, wie Guzmán die Dusche betritt.

Zuvor wechselt der Drogenboss noch seine Schuhe.

Nachdem er nicht wieder herauskommt, untersuchen Wärter seine Zelle ...

... und entdecken ein zehn Meter tiefes Loch unter der Dusche, das mit einer Leiter versehen ist.

Der Tunnel verfügte auch über ein Ventilationssystem, elektrisches Licht und Treppenstufen.

Am Ende stieg der Drogenboss aus diesem Loch, wo er wahrscheinlich von Fluchthelfern erwartet wurde.

Die Vorbereitungen und Bauarbeiten müssen mehrere Wochen beansprucht haben.

In dem Tunnel entdecken die Ermittler ein Motorrad auf einem Schienensystem, ...

... mit dem wohl die ausgehobene Erde und das benutzte Werkzeug transportiert worden waren.

Der Tunnel war 1,7 Meter hoch und 80 Zentimeter breit.

Es gilt als sicher, dass Gefängnismitarbeiter Guzmán bei der Flucht geholfen haben müssen.

Erst im Januar 2016 gelingt es mexikanischen Spezialeinheiten, Guzmán wieder zu fassen.

Zum Verhängnis werden dem Drogenboss offenbar Pläne, sein Leben verfilmen zu lassen.

Hierzu hatte er Kontakt zu Schauspielerinnen und Produzenten aufgenommen. Die Behörden können jedoch einige Treffen der Anwälte des Sinaloa-Kartellchefs zu diesem Zweck beobachten.

Als Sicherheitskräfte sein Haus stürmen, flieht Guzmán zunächst durch das Abwassersystem der Stadt Los Mochis im Westen Mexikos.

Doch schließlich werden "El Chapo" und ein Begleiter auf einer Landstraße abgefangen und festgenommen.

Nach der Festnahme wird bekannt, dass Guzmán drei Monate zuvor den US-Schauspieler Sean Penn im Dschungel empfangen und Tequila mit ihm getrunken hatte.

Penn schrieb im "Rolling Stone", er habe sich im Oktober 2015 sieben Stunden lang mit Guzmán getroffen.

"El Chapo" habe mit seinen Verbrechen geprahlt: "Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt", gab ihn Penn wieder. "Ich habe eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen."

Unmittelbar nach seiner letzten Festnahme stellen die USA ein Auslieferungsersuchen an Mexiko.

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die nächste Befreiung bereits vorbereitet wird.

Im Januar 2017 wird der Drogenboss schließlich an der Vereinigten Staaten ausgeliefert, wo er seitdem im Hochsicherheitsgefängnis von New York sitzt.

Guzmán gehe es gut, sagt sein Anwalt Eduardo Balarezo. "Er ist bereit für den Prozess. Er ist guten Mutes und ihm ist klar, womit er konfrontiert wird."

Der Prozess wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.

El Chapo werden unter anderem zahlreiche Morde und Entführungen, Drogenschmuggel und Geldwäsche vorgeworfen.

Zwölf Geschworene sollen über Guzmáns Schicksal entscheiden, komplett abgeschirmt von der Presse und Öffentlichkeit. Ihre Namen und Gesichter sollen geheim bleiben, um sie zu schützen.

Die Staatsanwaltschaft will mindestens 16 hochkarätige Zeugen aufrufen - darunter auch frühere Partner, Freunde und Unterstützer Guzmáns.

An vielen Tage dürfte auch Guzmáns Ehefrau, die frühere Schönheitskönigin Emma Coronel, im Gericht sein.

Bei einer Verurteilung droht Guzmán eine lebenslange Haftstrafe. Die Todesstrafe ist nach einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen. (sba)

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