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Donnerstag, 10. Mai 2018

Von Wölfen zu Lämmern: Häftlinge finden hinter Gittern zu Gott

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Brutale Straßenbanden und extreme Armut haben El Salvador zu einem der gewalttätigsten Länder der Erde gemacht. (Foto: REUTERS)

Brutale Straßenbanden und extreme Armut haben El Salvador zu einem der gewalttätigsten Länder der Erde gemacht.

Brutale Straßenbanden und extreme Armut haben El Salvador zu einem der gewalttätigsten Länder der Erde gemacht.

Im berüchtigten Gefängnis San Francisco Gotera sitzen Mörder, Schläger, Räuber, Diebe und Vergewaltiger.

Doch wenn auf dem überfüllten Hof Gottesdienst ist, senken viele von ihnen demütig den Kopf und erheben die Hände zum Gebet.

Vor zwei Jahren wurde das etwa 160 Kilometer östlich der Hauptstadt San Salvador gelegene Gefängnis noch von rivalisierende Banden beherrscht.

Inzwischen hat sich die Mehrheit der etwa 1500 Insassen dem evangelikalen Christentum zugewandt, sagt Gefängnisdirektor Oscar Benavides.

Sie gehören zur Kirche "Torre Fuerte" (Starker Turm) oder Final Trompeta (Letzte Trompete).

Der Weg in die Religion ist eine der wenigen akzeptierten Möglichkeiten, die Gangs ohne Vergeltungsmaßnahmen zu verlassen.

Aber wer keine echte Hingabe zeigt, bleibt immer in der Gefahr, dass ehemalige "Freunde" doch noch Rache üben.

Der Pastor des Gefängnisses ist selbst ein Ex-Killer der mächtigen Barrio-18-Gang.

"Wir pflegten zu sagen, dass die Bande unsere Familie war, aber Gott hat uns die Augenbinde abgenommen", sagt der 36-jährige Pastor Manuel Rivera.

Der verurteilte Mörder hatte nach seiner Erzählung einen Traum, in dem ihm Gott erschien und eine eigene Herde prophezeite.

Im Gefängnis kann fast jeder eine dieser Erweckungsgeschichten erzählen.

Michael Douglas Hernandez wurde vor zwei Jahren Christ, weil "Gott mein Herz berührte".

Roberto Carlos Valencia Cruz glaubt, Gott habe ihn an den Ort gebracht, wo er ihn brauchte. Er lehrt Häftlinge lesen und schreiben.

Juan Carlos Guerra Romero wurde Mitglied der Evangelikalen, nachdem er aus einem Hochsicherheitsgefängnis nach Gotera verlegt wurde.

Er ist mit einem chronischen Nierenleiden sterbenskrank, "aber ich habe schon zwei Jahre überlebt".

Die Regierung von Präsident Salvador Sanchez Ceren hofft, dass Gotera als Musterbeispiel für religiöse Rehabilitation taugt.

Nur zu gern würde die Regierung die Entwicklung hier auch in andere Gefängnissen reproduzieren.

Die Bekehrungen zeigen, dass es möglich sei, die Bandenmitglieder zu resozialisieren, sagt auch Sicherheitsminister Mauricio Ramirez.

In Gotera, wo einige Insassen 100-jährige Haftstrafen verbüßen, schmücken überall bunte Zeichnungen von Engeln und Propheten die Wände, überall prangen Bibel-Zitate.

Die Häftlinge tragen Hemden, auf denen "Soldat Christi" oder "Jesus rettete mein Leben" steht.

Sie studieren Gebetbücher, flechten Hängematten und pflegen einen Garten.

Die Männer, von denen viele Tattoos an Armen, Hälsen und Gesichtern tragen, empfangen eine Botschaft der Erlösung: Gott hat sie vor der Gewalt gerettet.

So sieht es auch der 34-jährige Rodolfo Cornejo, der eine 12-jährige Haftstrafe verbüßt. Die Religion hilft ihm, die Trennung von seinen Kindern zu ertragen.

"Die Leute von außen trauen uns nicht. Sie denken, wir können uns nicht ändern. Aber wir können es ihnen zeigen." (sba/rts)

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