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Samstag, 16. Dezember 2017

Neuanfang in Retortenstadt: Umgesiedelte Peruaner finden keinen Frieden

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Aus der Ferne sieht Nueva Fuerabamba idyllisch aus. Denn wie es der Name schon sagt, ist die Siedlung ganz neu. (Foto: REUTERS)

Aus der Ferne sieht Nueva Fuerabamba idyllisch aus. Denn wie es der Name schon sagt, ist die Siedlung ganz neu.

Aus der Ferne sieht Nueva Fuerabamba idyllisch aus. Denn wie es der Name schon sagt, ist die Siedlung ganz neu.

Sie wurde für 1600 Menschen gebaut, die für eine riesige Kupfermine ihre bisherige Heimat aufgaben.

Hier gibt es gepflasterte Straßen und saubere Häuser mit Strom, Toiletten und fließendem Wasser.

Für die meisten, die hierherkommen, ist es der pure Luxus. Der Betreiber des Bergwerks, MMG Ltd., zur China Minemetals Corporation gehörend, hat sich die Siedlung einiges kosten lassen.

Es gibt Jobs, außerdem erhielten einige Bewohner so hohe Entschädigungen für die zurückgelassenen Häuser und das Ackerland, dass sie nie wieder arbeiten müssen.

Aber drei Jahre nach dem Einzug der ersten Bewohner kämpfen viele der Umgesiedelten noch immer mit dem Leben in der Retortensiedlung.

Viele vermissen ihr altes Leben, das von Kartoffelanbau und Viehzucht geprägt war.

Einige haben die Abfindungen längst ausgegeben und finden sich nun isoliert und ohne wirkliche Aufgabe wieder.

"Es ist, als wären wir in einem Gefängnis gefangen, einem Käfig, in dem kleine Tiere gehalten werden", sagt Cipriano Lima.

Der 43-Jährige war früher Bauer, wie viele hier.

MMG räumt ein, dass der Übergang für einige Dorfbewohner schwierig gewesen sei.

Die meisten hätten jedoch von der verbesserten Wohnsituation und Gesundheitsversorgung sowie den Bildungsangeboten profitiert.

MMG habe Hunderte von Millionen peruanische Sol ausgegeben, heißt es von dem Unternehmen.

Es hatte das Projekt Nueva Fuerabamba 2014 zusammen mit der Mine Las Bambas für sieben Milliarden US-Dollar gekauft.

In einem Abkommen mit dem Vorbesitzer war 2009 festgelegt worden, dass die Dorfbewohner ihre bestehenden Häuser und Ackerflächen gegen den neuen Ort eintauschen.

Außer Jobs wurden den Kindern der Umziehenden Universitätsstipendien zugesagt.

Zudem wurden Landflächen zur Bewirtschaftung für Ackerbau und Viehzucht angeboten, die allerdings vier Stunden entfernt liegen.

Jeder Haushalt erhielt umgerechnet 120.000 US-Dollar. Das entspricht dem Einkommen eines ganzen Lebens bei Mindestlohn in Peru.

Offiziell bestätigt sind diese Zahlen nicht, da das Abkommen unter dem Siegel der Vertraulichkeit geschlossen wurde.

Experten für Bergbau-Umsiedlungen an der Päpstlichen Katholischen Universität von Peru sehen die Umsiedlungen dennoch kritisch.

Sie seien ein regelrechter Schock für die ländlichen Gemeinschaften.

Mit ihren Traditionen und Alltagsverrichtungen seien viele kaum in der Lage, sich an die sehr organisierten Strukturen der am Reißbrett geplanten Städte anzupassen.

Viele der Bewohner sagen, dass der neue Ort nicht der Glücksfall sei, für den sie ihn zunächst gehalten hätten.

Die neuen zwei- und dreistöckigen Trockenbauhäuser seien im Vergleich zu den alten, strohgedeckten und mit Holzöfen beheizten Häusern dünn und zugig.

Die meisten Jobs, die zu vergeben waren, betreffen die Erhaltung der Stadt. Und wenn die Menschen ihr Essen nicht mehr selbst anbauen, müssen sie es kaufen, ebenso wie Wasser, Brennmaterial und Treibstoff.

In einem Jahr gab es vier Suizide, zudem leidet die Gemeinde unter einer hohen Rate an häuslicher Gewalt, Alkoholismus, Analphabetismus und Armut.

Die Modellsiedlung ist voller Probleme. Doch das nächste Kupferminenprojekt steht vor der Genehmigung. Auch dafür müssten Menschen weichen.

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