Eine unfassbare Welle der Gewalt erschüttert den Irak.Bild 1 von 72 Hunderte Menschen sind in den letzten Wochen Opfer von Anschlägen geworden. Auf den Straßen herrscht Anarchie.Bild 2 von 72 Der Konflikt zwischen den zahlreichen ethnischen und religiösen Gruppierungen erreicht vier Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins einen erneuten Höhepunkt.Bild 3 von 72 Der Irak ist soweit vom Frieden entfernt wie lange nicht.Bild 4 von 72 Fast gewinnt man den Eindruck: es kämpfen alle gegen alle.Bild 5 von 72 Denn auf allen Seiten gibt es Opfer. Vor allem aber unter Schiiten und Sunniten, den...Bild 6 von 72 ...Hauptakteuren des blutigen Konfliktes.Bild 7 von 72 Doch auch die wenigen Christen im Irak sind betroffen.Bild 8 von 72 Radikale Moslems sprechen Morddrohungen gegen sie aus, Frauen werden gezwungen, Kopftücher zu tragen.Bild 9 von 72 Tausende Christen mussten schon nach Syrien fliehen.Bild 10 von 72 Obwohl die irakische Armee gegen Extremisten...Bild 11 von 72 ...hart durchgreift, kommt das Land nicht zur Ruhe.Bild 12 von 72 Und auch die britischen und...Bild 13 von 72 ...amerikanischen Truppen, die dem Irak Demokratie und Sicherheit bringen sollten, stehen mit dem Rücken zur Wand. Noch wollen die USA sich engagieren, aber die Forderungen nach einem kompletten Rückzug sind laut im eigenen Land.Bild 14 von 72 Die irakische Regierung. In ihr spiegeln sich alle Ethnien des Landes wider.Bild 15 von 72 Präsident Talabani ist Kurde, Ministerpräsiden Al Maliki ist ein Schiit und Parlamentspräsident Hasani ist ein Sunnit. Und dennoch bekommt die Regierung die Gewalt ihrer Landsleute nicht in den Griff.Bild 16 von 72 Schlimmer noch: Politik im Irak ist ein gefährliches Geschäft. Zahlreiche Minister sind bereits getötet worden.Bild 17 von 72 Der Irak: Ursprung der frühen Hochkulturen Vorderasiens. Er grenzt an Kuwait, Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien, die Türkei und den Iran.Bild 18 von 72 Bis heute haben die Nachbarländer großen Einfluss auf den Irak. Der Iran war Kriegsgegner, die Türkei operierte militärisch im Norden, aus Saudi-Arabien und Syrien kommen immer wieder Terror-Kämpfer ins Land.Bild 19 von 72 Die Araber sind mit fast 80 Prozent die größte Ethnie im Irak. 15 Prozent der Bevölkerung sind Kurden.Bild 20 von 72 95 Prozent der Iraker sind Muslime. Die Christen sind - neben einem Dutzend weiterer Religionen - in der Minderheit.Bild 21 von 72 Unter den Muslimen wiederum sind etwa 65 Prozent Schiiten, 35 Prozent gehören zu den Sunniten.Bild 22 von 72 Der Konflikt zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen reicht zurück bis ins 7. Jahrhundert.Bild 23 von 72 Die Schiiten betrachten Ali Ibn Abi Talibs, den Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, als einzigen legitimierten Nachfolger des Propheten.Bild 24 von 72 Die Sunniten hingegen sind der Überzeugung, dass der Frömmste und Konsensfähigste Khalif werden soll.Bild 25 von 72 Im blutig ausgetragenen Glaubenskrieg spalten sich die Schiiten ab und entfalten neben neuen Glaubensdogmen auch eine neue Schule der Rechtsprechung.Bild 26 von 72 Dieser Konflikt spielt im Laufe der irakischen Geschichte bis heute die größte Rolle.Bild 27 von 72 Auch unter Diktator Saddam Hussein, einem Sunniten, ist das der Fall. Inzwischen ist Hussein hingerichtet worden für seine Gräueltaten.Bild 28 von 72 Er unterdrückt, unterstützt von seinem Familien-Clan, allerdings nicht nur die Schiiten, sondern...Bild 29 von 72 ...auch die Kurden, die im Norden des Irak angesiedelt sind.Bild 30 von 72 Husseins Schergen, hier der als "Chemie-Ali" bekannt gewordene Ali Hassan Majid, helfen dem Diktator...Bild 31 von 72 ...beim Völkermord im eigenen Land.Bild 32 von 72 Mehrfach geht Hussein brutal gegen die Kurden vor, setzt Giftgas ein - auch gegen seine Landsleute.Bild 33 von 72 Hunderte Massengräber sprechen eine deutliche Sprache.Bild 34 von 72 Die Gräben zwischen den Gruppierungen im Irak sind tief. Misstrauen, Hass und...Bild 35 von 72 ...die schwierige Vergangenheitsbewältigung sind der Nährboden für die Situation im Zweistromland.Bild 36 von 72 Nach dem Sturz Husseins durch den Einmarsch der amerikanischen Truppen...Bild 37 von 72 ...fühlen sich Schiiten und Kurden befreit. Sie drängen an die Macht. Es entsteht ein blutiger Kampf zwischen Schiiten und Sunniten. Sollte er nicht beendet werden, steht der Irak nach Ansicht diverser Experten vor einer Dreiteilung.Bild 38 von 72 Im Norden des Landes haben die Kurden...Bild 39 von 72 ...mit ihrer Autonomen Region Kurdistan schon weitgehend eine Ablösung vom Irak erreicht.Bild 40 von 72 Die Kurden sind jedoch in zwei politische Lager gespalten.Bild 41 von 72 Zum einen gehören sie zur Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) unter Masud Barzani, dem Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan. Er ist traditionalistisch eingestellt.Bild 42 von 72 Zum anderen gibt es die Patriotische Union Kurdistans (PUK) unter Dschalal Talabani.Bild 43 von 72 Beide Parteien verfügen über eigene Milizen, die in der Vergangenheit öfter gegeneinander kämpften.Bild 44 von 72 Zurzeit jedoch gibt es ein Zweckbündnis zwischen den beiden Parteien. Mit dessen Hilfe ist Talabani bei der letzten Wahl im Irak...Bild 45 von 72 ...auch ins Amt des irakischen Staatspräsidenten gekommen.Bild 46 von 72 Der Süden des Irak ist traditionell schiitisches Gebiet.Bild 47 von 72 Zu den wichtigsten Gruppierungen hier gehört die 1950 gegründete und unter Saddam Hussein verbotene Dawa-Partei. Sie stellt mit Nuri Al Maliki den Ministerpräsidenten des Irak.Bild 48 von 72 Der Vater dreier Töchter und eines Sohnes gilt als Kopf der "Entbaathifizierung", der Auflösung der Strukturen von Saddam Husseins Baath-Partei.Bild 49 von 72 Von der Basis der Dawa-Partei gibt es allerdings auch immer wieder heftige Forderungen nach dem Rückzug der Amerikaner aus dem Land.Bild 50 von 72 Ein weiterer wichtiger Schiite im Irak: Aziz Al Hakim, Führer der SCIRI (Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq).Bild 51 von 72 Viele Anhänger der SCIRI-Partei möchten, anders als die Dawa-Partei, einen Gottesstaat auf irakischem Boden. Hakim unterhält gute Kontakte in den Iran.Bild 52 von 72 Außerdem verfügt er mit der "Badr-Organization" über einen etwa 10.000 Mann starken bewaffneten Arm.Bild 53 von 72 Einer der wichtigsten schiitischen Anführer ist der 75-jährige Ali Al Sistani, der den Amerikanern recht positiv gegenübersteht. Sistani befürwortet die Trennung zwischen Staat und Religion und...Bild 54 von 72 ...lehnt den Einsatz von Waffen ab. Nach Aussagen vieler Beobachter nimmt er eine eher abwartende Haltung ein, bis die Amerikaner aus dem Irak abgezogen sind.Bild 55 von 72 Ganz anders agiert Schiiten-Führer Muktada Al Sadr, dessen Vater von der Baath-Partei während der Hussein-Diktatur getötet wurde. Sadr lehnt die traditionellen schiitischen Führer ab und kämpft gegen die "amerikanischen Besatzer".Bild 56 von 72 Er fordert in seinen Ansprachen stets...Bild 57 von 72 ...islamische Gesetze und appelliert an den irakischen Nationalstolz.Bild 58 von 72 Sadr herrscht über etwa 10.000 Milizionäre vor allem im schiitischen Stadtviertel Bagdads, das nach seinem Vater Sadr-City genannt wird.Bild 59 von 72 Er gilt als Drahtzieher vieler Anschläge auf Sunniten und Koalitionstruppen. Und immerhin sitzen im irakischen Kabinett drei seiner Anhänger.Bild 60 von 72 Sofern der Irak in drei Teile zerfällt, kommt für die Sunniten noch am ehesten der Mittel- und Ost-Irak als Rückzugsraum in Betracht.Bild 61 von 72 Unter den Sunniten, die nach dem Sturz Husseins deutlich weniger organisiert sind, hat sich der Theologe Mushin Al Hamid hervorgetan. Er führt die - recht kleine - Irakisch Islamische Partei und vertritt gemäßigte Positionen.Bild 62 von 72 Anders als Harith Dhari. Dem Anführer der "Association of Muslim Scholars" (AMS) wirft die irakische Regierung Anstiftung zur Gewalt gegen Schiiten und Amerikaner vor. Shari bestreitet dies, jedoch gibt es Gerüchte um einen möglichen Haftbefehl. Dhari hält sich allerdings zurzeit in Jordanien auf.Bild 63 von 72 Etwa 20.000 Kämpfer sind Teil dreier Milizen, die für Anschläge auf schiitische Moscheen und Einrichtungen verantwortlich gemacht werden.Bild 64 von 72 Ihre Namen: "Armee Mohammeds", "El Haq Armee" und die "Islamische Armee des Irak".Bild 65 von 72 Sie opponieren vor allem gegen die Koalitionäre um die USA.Bild 66 von 72 Osama bin Laden, Sunnit und Kopf der El Kaida. Auch er mischt mit im Irak. Das Ziel: eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse soll verhindert werden. Dazu hetzt der Terror-Fürst immer wieder Sunniten und Schiiten gegeneinander auf.Bild 67 von 72 Bestes Beispiel: Abu Musab Al Sarkawi. Die Anschläge des El Kaida-Terroristen gehören zu den brutalsten im Irak. Und sie stiften immer wieder Verwirrung zwischen den Akteuren, weil oft unklar bleibt, wer genau verantwortlich ist.Bild 68 von 72 Zwar wird Sarkawi im Juni 2006 getötet, jedoch steht schnell...Bild 69 von 72 ...ein neuer Anführer bereit, so bin Laden in einer Botschaft.Bild 70 von 72 Die Lage im Irak scheint ausweglos. Zuviele politische Akteure, zuviele Milizen, zuviel Hass und zuviele historische Wirrungen. Doch die Zeit drängt.Bild 71 von 72 Denn gemeinsame Gebete von Sunniten und Schiiten, also gemeinsame Gebete von Irakern, werden immer weniger. (Text: Jochen Müter)Bild 72 von 72