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Dienstag, 10. April 2018

Attentat im April 1968: Als Bachmann den "roten Rudi" stoppte

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Er war der Ober-68er, ... (Foto: picture alliance / dpa)

Er war der Ober-68er, ...

Er war der Ober-68er, ...

... der Anführer der Studentenbewegung: ...

... Rudi Dutschke war der Kopf der Rebellion, ...

... der jungen Generation.

Dutschke wird im März 1940 im brandenburgischen Schönefeld geboren.

1961 flüchtet er aus der DDR, bevor er an der Freien Universität Berlin ...

... sein Soziologie-Studium aufnimmt. Nebenher engagiert sich Dutschke (hier mit dem deutsch-britischen Soziologen Ralf Dahrendorf) politisch im Sozialistischen Deutschen Studentenbund, kurz SDS.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern organisiert Dutschke unter anderem Proteste gegen den Vietnamkrieg.

Der SDS beklagt eine mangelnde Aufarbeitung mit dem Nationalsozialismus und sympathisiert mit dem chinesischen Revolutionär Mao Zedong.

Dutschke, "der rote Rudi", ist das Gesicht der Studentenproteste und der sogenannten Außerparlamentarischen Opposition - zumindest bis zum 11. April 1968.

Der 23-jährige Hilfsarbeiter Josef Bachmann lauert Dutschke, der an diesem Tag mit dem Fahrrad unterwegs ist, am Gründonnerstag in der Nähe des SDS-Hauses am Kurfürstendamm auf.

Bachmann geht auf ihn zu und fragt: "Sind Sie Rudi Dutschke?"

Als der bejaht, soll Bachmann gerufen haben "Du dreckiges Kommunistenschwein!". Dann zieht er einen Revolver Kaliber 38 und schießt drei Mal.

Zwei Kugeln treffen Dutschke im Kopf. Die Ikone der 68er sackt auf dem Bürgersteig in sich zusammen. Bachmann flieht und schießt dabei um sich. Er wird durch eine Polizeikugel verletzt.

Die Ermittler finden bei Bachmann den Ausschnitt aus einer rechten Zeitung. In der Überschrift heißt es "Stoppt den roten Rudi". In Bachmanns Wohnung wird auch ein selbst gemaltes Porträt von Adolf Hitler gefunden.

In der Stadt kursiert das Gerücht, dass Dutschke getötet wurde. Die Außerparlamentarische Opposition ist entsetzt. Die Studenten machen den Springer-Verlag dafür verantwortlich.

Wütende Demonstranten ziehen zum Verlagsgebäude in der Kochstraße.

Unter ihnen sind auch die Journalistin und spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof und der Anwalt Horst Mahler, der später von der links- in die rechtsextreme Szene wechseln wird.

Die Demonstranten verwüsten Redaktionsräume, ...

... sie werfen nicht nur Steine, es fliegen auch Molotow-Cocktails.

Mehrere Springer-Lieferwagen werden angezündet und brennen aus. Die Polizei ruft die höchste Alarmstufe aus. Auch in den folgenden Tagen kommt es zu Demonstrationen, nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Großstädten.

Und Dutschke? Der 28-Jährige überlebt das Attentat knapp. Er erleidet lebensfährliche Verletzungen, aber in einer mehrstündigen Operation können die Ärzte die Kugeln aus seinem Kopf entfernen und sein Leben retten.

Sein Attentäter Josef Bachmann (r.) wird zu sieben Jahren Haft verurteilt. Im Februar 1970 nimmt er sich in der Haft das Leben.

Dutschke (hier 1970 mit Frau Gretchen) leidet unter den Folgen des Attentats. Er sieht nicht gut, das Lesen fällt ihm schwer. Er macht eine Sprachtherapie, vieles muss er neu lernen.

Außerdem hat Dutschke Angst vor einem erneuten Übergriff auf ihn. In Großbritannien will er sein Studium 1970 fortsetzen, wegen einer angeblichen Gefährdung der nationalen Sicherheit wird er jedoch ausgewiesen. Deshalb ziehen die Dutschkes 1971 nach Dänemark.

Erst Ende 1974 schließt Dutschke (hier auf der Beerdigung von RAF-Terrorist Holger Meins) seine Dissertation ab. Anschließend tritt er wieder häufiger öffentlich bei Veranstaltungen auf.

Immer wieder gibt es Gerüchte, dass Dutschke (hier 1975 mit Daniel Cohn-Bendit) eine neue linke Partei gründen wolle.

Der mittlerweile 36-Jährige engagiert sich ab 1976 verstärkt in der Anti-Atomkraft-Bewegung.

Es sind die Vorläufer der Grünen. 1979 macht Dutschke in Bremen Wahlkampf für die Grüne Liste.

Er wird auch Delegierter für den Gründungskongress der Grünen, der 1980 stattfinden soll.

Aber Dutschke nimmt nicht daran teil. Er stirbt Heiligabend 1979 im dänischen Aarhus an den Spätfolgen des Attentats elf Jahre vorher.

Dutschke erleidet einen epileptischen Anfall und ertrinkt in der Badewanne.

Tausende kommen zu seiner Beerdigung im Januar 1980.

Der Anführer der 68er wird auf dem Friedhof Sankt Annen im Berliner Stadtteil Dahlem beerdigt.

Bis heute gilt Dutschke als Protagonist einer besonders bewegten Epoche der jüngeren deutschen Geschichte. Im Heimatmuseum der brandenburgischen Kleinstadt Luckenwalde, in der Nähe seines Geburtsorts Schönefeld, erinnert Dutschkes Lieblingspullover an ihn.

Im April 2008 wird die Berliner Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt.

Am Kurfürstendamm erinnert eine Gedenkplatte ...

... und eine Gedenktafel an das Attentat auf Dutschke - damals im April 1968.

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