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Samstag, 20. Januar 2018

Geheimagenten und Wasserhähne: Die neue BND-Zentrale in Berlin

Von Markus Lippold

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Neues Haus, neues Image? (Foto: dpa)

Neues Haus, neues Image?

Neues Haus, neues Image?

Darauf hofft vermutlich der Bundesnachrichtendienst.

In Berlin ist die neue Zentrale des BND fertiggestellt, die ersten Mitarbeiter arbeiten bereits hier.

Bis Ende 2018 soll das Haus - das größte Bauprojekt des Bundes seit dem Zweiten Weltkrieg - vollständig bezogen sein.

Für die Geheimdienstler ist es eine Umstellung: Von Pullach bei München zieht man in die Bundeshauptstadt.

Von der bisherigen Zentrale in Bayern kennt man wenig mehr als die Einfahrt.

Das Gelände liegt abgeschieden und versteckt - hier war in den 1930er-Jahren die "Reichssiedlung Rudolf Heß" entstanden.

Nur selten gibt es etwas mehr Einblick - wie hier bei einer Ausstellung im Jahr 2016 über die Geschichte des Geheimdienstes, …

… bei der der damalige BND-Chef Gerhard Schindler vor einem Foto der Kommunikationszentrale posiert.

Pullach - das verbinden viele mit dem Kalten Krieg, mit der Operation Gehlen, aus der der BND unter dem langjährigen Präsidenten Reinhard Gehlen (Foto) entstand.

Zum Image gehören aber auch die erst sehr spät aufgearbeitete Durchsetzung des Dienstes mit ehemaligen NSDAP- und SS-Mitgliedern, Geheimdienst-Pannen bis hin zu neueren Abhör-Skandalen und der Ruf der wenig rühmlichen Schlapphüte.

Das soll sich in Berlin ändern, denn die Zentrale liegt mitten in der Stadt, ist also für die Öffentlichkeit sichtbar - und damit auch für Kritiker.

Die Beobachtung basiert natürlich auf Gegenseitigkeit.

Überwachungskameras an allen Ecken zeigen dann doch, dass hier keine x-beliebige Behörde arbeitet.

Man kann das aber durchaus mit Humor nehmen, wie dieser Parkplatz mit Verweis auf James Bond zeigt.

Auch die beiden Palmen an der Rückseite des Gebäudes erwecken Aufmerksamkeit - …

… Sendemasten verstecken sich darin aber nach Aussage von Architekt Jan Kleihues bislang nicht.

Zwischen den beiden Torhäusern, die als Eingang dienen, steht schließlich noch eine Skulptur von Stefan Sous - ein monolithischer, ungleichmäßig geformter Körper aus Stahl.

Zusammen mit den Kiefern vor dem Hauptgebäude konterkariert das Kunstwerk die gleichförmig-strenge Architektur des Baus.

Die 14.000 Fenster prägen das Ensemble.

Bei unterschiedlicher Lichteinstrahlung …

… ergeben sich so ganz unterschiedliche Farben.

Doch während die Torhäuser eine Fassade aus Naturstein haben, ist das Hauptgebäude mit Aluminium ummantelt.

Aber natürlich dürfte es auch technische Gründe für das Material haben, etwa der Schutz vor Ausspähungen.

Erstmals arbeiten an der Chausseestraße auch fast alle Mitarbeiter unter einem Dach: …

… Auf neun Geschossen stehen etwa 4000 Büros für sie bereit.

Hinzu kommen Technikräume und Rechenzentren, ein Ausbildungsort und in einem Seitengebäude ein Besucherzentrum (Bild), das demnächst für Passanten geöffnet hat.

Sollte sich die Mitarbeiterzahl des BND weiter erhöhen, kann man sogar noch anbauen: Auf der hier vorn zu sehenden Seite …

… können weitere Flügel errichtet werden, spiegelgleich zur Gegenseite, um das Ensemble zu vervollständigen.

Doch vorerst dürfte man froh sein, dass das Projekt nach mehr als zehn Jahren einen Abschluss gefunden hat.

Der erste Spatenstich für den Neubau erfolgt im Oktober 2006, damals noch unter BND-Präsident Ernst Uhrlau.

Auf dem Gelände stand zu DDR-Zeiten das Walter-Ulbricht-Stadion, das später Stadion der Weltjugend hieß und 1992 abgerissen wurde. Danach konnten hier etwa Golfspieler ihren Abschlag trainieren.

Durch den Bau der BND-Zentrale ist es mit der Offenheit natürlich vorbei.

Die Funktion des Baus bringt eine strenge Abschirmung und Überwachung mit sich, das Betreten des Baugeländes ist streng verboten.

Umso mehr Aufsehen erregen Vorfälle am Bau: So werden Baupläne gestohlen, die sich laut BND aber nicht auf den Kernbereich des Gebäudes bezogen und nur eine niedrige Geheimhaltungsstufe haben.

2015 demontieren Unbekannte fünf Wasserhähne im Neubau, woraufhin es zu Überschwemmungen und Wasserschäden in Millionenhöhe kommt.

Mittlerweile geht man von einer gezielten Sabotage aus.

Bauabschluss und Umzug verzögern sich insgesamt um mehrere Jahre, auch die Kosten steigen: von angepeilten 720 Millionen Euro auf etwa 1,1 Milliarden.

Im März 2014 kann allerdings ein erstes Nebengebäude vom BND bezogen werden, …

… im November 2016 wird die Zentrale dann komplett an den Geheimdienst übergeben, …

… der inzwischen von Bruno Kahl geleitet wird.

Allerdings fehlt noch die Ausrüstung, die zusammen mit dem Umzug noch einmal 400 Millionen Euro kostet.

Bekannt ist, dass die Mitarbeiter in den Büros über jeweils zwei Computer verfügen: Einer ist mit dem normalen Internet verbunden, der andere nur mit dem internen Netzwerk.

Von James Bond spürt man allerdings wenig - es mutet eher wie eine normale, wenn auch moderne und besonders gesicherte Amtsstube an.

Schließlich arbeiten hier auch keine Agenten im Außeneinsatz, sondern Behördenmitarbeiter.

Aber der Mythos Geheimdienst ist ungebrochen: Zum Tag der offenen Tür im Jahr 2016 bilden sich lange Schlangen vor dem Haus.

Ins Gebäude selbst kommen die Bürger nicht, immerhin können sie aber das Gelände besichtigen.

Die Aktion, die sich nun, da das Gebäude geheimdienstlich genutzt wird, nicht wiederholen wird, …

… ist Teil der neuen Strategie, sich offener und transparenter zu präsentieren - wozu auch eine Serie von Souvenirs gehört.

Ob das gelingt? Neuere Skandale um den BND lassen in Sachen Transparenz und Kontrollierbarkeit noch viel Luft nach oben.

Eine offen sichtbare Zentrale sollte dafür eine Verpflichtung sein.

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