"Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte", ...Bild 1 von 43 ... sagt der Maler Max Liebermann, als er den nationalsozialistischen Fackelzug am Abend des 30. Januar 1933 in Berlin sieht. (Titel des NSDAP-Blattes "Völkischer Beobachter" vom 31. Januar 1933.)Bild 2 von 43 Mitglieder der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) und der militaristischen Organisation "Stahlhelm" feiern damit die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am Vormittag desselben Tages. (Hitler (m.) mit Vizekanzler von Papen (r. sitzend) und dem Rest des Kabinetts.)Bild 3 von 43 Der nationalsozialistische Mythos einer "Machtergreifung" Hitlers, der noch heute oft kolportiert wird, ist jedoch falsch.Bild 4 von 43 Denn Hitler hat die Macht nicht "ergriffen" - dieser Versuch war am 9. November 1923 beim Putschversuch in München gescheitert. (SA-Truppen 1923 vor dem Münchener Bürgerbräukeller.)Bild 5 von 43 Viel eher übernimmt er die Macht - als sie ihm im Januar 1933 vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (r.) übertragen wird.Bild 6 von 43 Doch wie kann es dazu kommen? Noch im Jahr zuvor hatte sich der Präsident und ehemalige Generalfeldmarschall geweigert, dem von ihm gering geschätzten "böhmischen Gefreiten" zum Kanzler zu ernennen.Bild 7 von 43 Dabei ist Hitler seit Juli 1932 Führer der stärksten Fraktion im Reichstag. Infolge der Weltwirtschaftskrise hat es die NSDAP von einer Splitter- zur Massenpartei geschafft. Die Regierung wird ihr trotzdem nicht übertragen. (Wahlplakat der NSDAP von 1928.)Bild 8 von 43 Zum Ende des Jahres ändert sich die Lage jedoch: Der Höhepunkt der Krise ist überwunden, die wirtschaftliche Lage bessert sich. (Szene in Berlin 1931.)Bild 9 von 43 Die NSDAP erleidet bei der Wahl im November 1932 erstmals Einbußen. Parteimitglieder und Wähler sind enttäuscht, dass Hitler eine "alles oder nichts"-Strategie verfolgt. Ministerposten lehnt er ab. Er will um jeden Preis Kanzler werden und erregt damit Kritik in der Partei.Bild 10 von 43 Aber der Partei droht nicht nur eine Spaltung. Die aufwendigen Wahlkämpfe 1932 haben sie zudem in eine finanzielle Krise geführt. Die NSDAP ist geschwächt. Nationalistische Kreise wollen diese Situation ausnutzen. Sie versuchen, Hitler zu instrumentalisieren.Bild 11 von 43 Der als Kanzler gescheiterte Konservative Franz von Papen ?Bild 12 von 43 ... schmiedet deshalb hinter dem Rücken seines Nachfolgers Kurt von Schleicher, einem ehemaligen General, ...Bild 13 von 43 ... ein Bündnis mit Hitler.Bild 14 von 43 Hitler soll Kanzler werden, doch soll die Mehrheit des Kabinetts aus Mitgliedern der reaktionären Deutschnationalen Volkspartei und anderen Konservativen bestehen. Die Marionette Hitler werde "so in die Ecke gedrückt, dass er quietscht", ist sich Papen sicher.Bild 15 von 43 Er soll das Gesicht einer deutschnationalen Regierung werden und dem Kabinett eine Mehrheit im Parlament verschaffen - auch wenn das schon seit 1930 nicht mehr ausschlaggebend für Regierungsbildungen ist.Bild 16 von 43 Hindenburg stimmt diesem Plan zu. Überredet hat ihn auch der "in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn des Reichspräsidenten" (wie der Volksmund spottet): Oskar von Hindenburg (m.) ist einer der wichtigsten Berater seines Vaters.Bild 17 von 43 Der noch im Amt befindliche Schleicher (l.) verliert inzwischen durch sein politisches Programm das Vertrauen Hindenburgs. Zudem konspiriert Papen (r.) gegen ihn.Bild 18 von 43 Und so geht alles sehr schnell: Am 28. Januar tritt Schleicher als Kanzler zurück. Zwei Tage später wird Hitler vereidigt. Papen hatte angebliche Putschpläne Schleichers verbreitet und Hindenburg zur Eile gedrängt. (Der "Völkische Beobachter" vom 29./30. Januar 1933.)Bild 19 von 43 Am Abend der Vereidigung ziehen 20.000 Mitglieder der SA durch Berlin. Die Nationalsozialisten feiern den Weg zur Macht. Doch viele Beobachter und Journalisten halten das Kabinett nur für eine weitere kurzfristige Regierung der Weimarer Republik.Bild 20 von 43 Sie unterschätzen Hitlers Machtwillen und die Zielstrebigkeit, mit der er auch noch die Reste der Verfassung beseitigen will.Bild 21 von 43 Denn die NSDAP lässt sich nicht zähmen. Stattdessen löst Hitler zwei Tage später, mit einer Vollmacht Hindenburgs ausgestattet, das Parlament auf.Bild 22 von 43 Am 27. Februar brennt der Reichstag. Bis heute sind die Umstände nicht völlig geklärt.Bild 23 von 43 Die Nationalsozialisten beschuldigen den niederländischen Kommunisten Marinus van der Lubbe und verurteilen ihn in einem Schauprozess zum Tode. Das Urteil wird erst 2008 aufgehoben. Die Theorie vom Einzeltäter ist mehr als zweifelhaft.Bild 24 von 43 Denn der Brand nutzt Hitler: Nur einen Tag später setzt er durch die so genannte Reichstagsbrandverordnung wesentliche Grundrechte außer Kraft und verhängt den permanenten Ausnahmezustand, der bis 1945 gilt.Bild 25 von 43 Die Polizei im Reich und in Preußen, die nationalsozialistischen Innenministern untersteht, erlangt dadurch weitreichende Befugnisse. (Hermann Göring, der kommissarische preußische Innenminister, ist ab April 1933 preußischer Ministerpräsident.)Bild 26 von 43 Göring ernennt 40.000 Mitglieder von SA und SS zu Hilfspolizisten und fordert sie auf, "fleißig" von der Schießwaffe Gebrauch zu machen. (Göring (l.) und SS-Chef Himmler.)Bild 27 von 43 Staatlich gedeckt, terrorisiert die NSDAP politische Gegner, behindert die Pressefreiheit und greift in den Beamtenapparat ein. Die ersten "wilden" Konzentrationslager werden eingerichtet, die aber eher Gefängnissen gleichen als den späteren Vernichtungslagern.Bild 28 von 43 Juden und andere Minderheiten werden verfolgt und terrorisiert, ...Bild 29 von 43 ... jüdische Geschäfte am 1. April boykottiert.Bild 30 von 43 Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 erreicht die NSDAP keine absolute Mehrheit, obwohl KPD und SPD im Wahlkampf massiv behindert werden. Hitler geht deshalb erneut eine Koalition mit den Deutschnationalen ein. (Hindenburg beim Wahlgang.)Bild 31 von 43 Am 21. März wird der neue Reichstag in der Potsdamer Garnisonskirche eröffnet.Bild 32 von 43 Hitler inszeniert den Tag als Schulterschluss zwischen dem Nationalsozialismus und der preußischen Tradition, repräsentiert durch Hindenburg. Der neue Reichskanzler gibt sich bewusst demütig, um das Vertrauen der Konservativen zu erlangen.Bild 33 von 43 Mit dem so genannten Ermächtigungsgesetz vom 23. März vereint Hitler Exekutive und Legislative in seinem Amt als Reichskanzler.Bild 34 von 43 Nur die SPD stimmt im Reichstag gegen das Gesetz. Alle anderen, auch bürgerliche Parteien, stimmen für Hitler.Bild 35 von 43 Die 81 kommunistischen Abgeordneten konnten allerdings nicht abstimmen. Ihre Mandate waren auf der Grundlage der so genannten Reichstagsbrandverordnung annuliert worden, Parteimitglieder wurden verfolgt und umgebracht.Bild 36 von 43 In den folgenden Wochen werden die Länder und die Verwaltung gleichgeschaltet. Parteien und Gewerkschaften werden verboten. Das öffentliche Leben wird auf den Nationalsozialismus ausgerichtet. Am 10. Mai werden in Berlin Bücher missliebiger Autoren verbrannt.Bild 37 von 43 Nach einem Jahr sitzt Hitler fest im Sattel. Die Nationalsozialisten haben alle wichtigen Positionen im Reich erobert. Nur noch wenig trennt Hitler von der absoluten Macht. Der Reichstag, der nur noch pro forma zusammentritt, jubelt Hitler am 30. Januar 1934 zu.Bild 38 von 43 Im Juni 1934 werden die SA-Führung, Parteikonkurrenten und andere Gegner Hitlers, darunter Ex-Kanzler Schleicher, in einer konzentrierten Aktion ermordet. Die Nationalsozialisten begründen das mit einem angeblichen Putsch von SA-Chef Röhm.Bild 39 von 43 Anders als Schleicher ergeht es Papen, der Hitler ins Amt verholfen hat: Er arbeitet nach 1933 für die Nationalsozialisten, unter anderem als Botschafter. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wird er freigesprochen. Er stirbt 1969.Bild 40 von 43 Als Reichspräsident Hindenburg am 2. August 1934 stirbt, wird Hitler zum "Führer und Reichskanzler". Er ist Alleinherrscher und hat den Oberbefehl über die Reichswehr.Bild 41 von 43 Zudem kommt die Konjunktur in Schwung, u.a. da die Maßnahmen der letzten Regierungen der Weimarer Republik greifen. Hitler gilt seitdem, fälschlicherweise, als Bezwinger der Wirtschaftskrise - die Bevölkerung ist begeistert.Bild 42 von 43 Nun kann er ungestört seine lange geplante und in dem Buch "Mein Kampf" dargelegte Rassen- und Vernichtungspolitik durchsetzen. Ihr fallen Millionen Menschen zum Opfer. (Alle Bilder: AP, dpa)Bild 43 von 43