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Sonntag, 29. Oktober 2017

Der Weg auf den Formel-1-Thron: Hamiltons späte Wucht knockt Vettel und Ferrari aus

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Mit einem "Viva Mexico"-Ruf feiert der 32-jährige Engländer seinen Titel-Triumph im Ziel und schnappt sich schnell ein Glas Champagner. (Foto: REUTERS)

Mit einem "Viva Mexico"-Ruf feiert der 32-jährige Engländer seinen Titel-Triumph im Ziel und schnappt sich schnell ein Glas Champagner.

Formel-1-Weltmeister. Zum vierten Mal: Mit seinem neunten Platz beim Großen Preis von Mexiko macht der Brite bereits zwei Rennen vor Saisonende alles klar.

Mit einem "Viva Mexico"-Ruf feiert der 32-jährige Engländer seinen Titel-Triumph im Ziel und schnappt sich schnell ein Glas Champagner.

Vorher hat er noch einige Donuts in den Asphalt gebrannt. Danach richtet er rührende Worte an Team und Familie: "Es war eine unglaubliche Reise mit dem Team in den letzten fünf Jahren. Ich bin sehr dankbar. Vier Titel fühlen sich surreal an. Ich habe bis zum Ende alles gegeben und widme das meiner Familie und dem Team."

Lange sah es nach einem packenden Zweikampf mit spektakulärem Final-Showdown in Brasilien zwischen eben Hamilton und dem wiedererstarkten Ferrari-Star Sebastian Vettel aus.

Doch ein fataler Einbruch der "Scuderia" nach der Sommerpause und eine beeindruckende Dominanz von Hamilton und Mercedes entscheiden den Titelkampf deutlich früher als erhofft.

Vor Hamiltons vorzeitiger Krönung gab es aber zunächst noch ein Formel-1-Drama. "Es war nicht das Rennen, das ich mir erhofft hatte, aber ich habe nicht aufgegeben", kommentiert Hamilton den Start-Crash mit Vettel in Kurve 3, nach dem beide früh an die Box müssen und ans Ende des Feldes zurückfallen.

Vettel kämpfte sich noch bravourös auf Rang vier vor. Das reichte aber nicht, da sich Hamilton beim Sieg von Max Verstappen auf Rang neun ins Ziel rettet - und damit bei 56 Punkten Vorsprung in den verbleibenden beiden Saisonläufen von Vettel nicht mehr einzuholen ist.

Es ist der dramaturgisch angemessene Schlusspunkt unter einen Formel-1-Titelkampf, der den Fans mehr Spannung als erhofft geliefert hat. Ein Rückblick.

Die Saison beginnt am 26. März mit dem Großen Preis von Australien.

Völlig überraschend gewinnt Vettel in Melbourne mit fast zehn Sekunden Vorsprung vor Hamilton.

Der deutsche Ex-Weltmeister beschenkt sich und die darbende Scuderia mit dem ersten Grand-Prix-Sieg nach unglaublichen 553 Tagen.

"Forza Ferrari, grande macchina", ruft Vettel nach der Zieleinfahrt in den Boxenfunk und lobt sein "großartiges" neues Auto.

Der Konter des Briten folgt beim Großen Preis von China. In Shanghai dreht Hamilton das Ergebnis um, siegt vor Vettel.

Die "Gazzetta dello Sport" urteilte im April: "Ein Rennen wie ein Löwe. Hamilton siegt in China, doch Vettel ist ihm auf den Fersen. Wer nach dem verfehlten Start in Melbourne von einer Krise Hamiltons gesprochen hat, muss jetzt seine Meinung ändern."

Oder auch nicht? Denn nur sieben Tage nach Shangai kontert Vettel mit seinem zweiten Saisonsieg.

Und der ist extrem beeindruckend, wie BBC findet: Das beste Rennen der Saison ... unterstreicht einen wesentlichen Fakt - Ferrari ist absolut wettbewerbsfähig und befindet sich mit Mercedes in einem gigantischen Kampf um die Meisterschaft."

Der indes betrübt den sieghungrigen Hamilton: "Ich fühle Schmerz in meinem Herzen, wenn ich Zweiter werde", sagte er.

Beim vierten Saisonrennen im russischen Sotschi steht plötzlich jemand ganz Neues auf dem Stockerl ganz oben: Hamiltons Stallrivale Valtteri Bottas.

Sebastian Vettel verpasst trotz seiner ersten Pole seit 588 Tagen und einer Alles-oder-Nichts-Reifentaktik seinen ersten Sieg beim Großen Preis von Russland.

Als Zweiter baut er seine WM-Fühung gegenüber Hamilton, der nur Vierter wird, aber dennoch aus.

Rennen fünf, Großer Preis von Spanien: Hamilton feiert wieder. In Barcelona fährt er seinen zweiten Saisonsieg ein, vor - natürlich, Vettel.

Die englische Presse feiert das Duell. Die "Daily Mail" schreibt: "Vermutlich hätte sogar der große Ernest Hemingway vor dieser Macho-Show zweier Alphatiere seinen Hut gezogen."

Die "Sun" feiert: "Hot Ham! Lewis schnappt sich den Sieg und verkürzt den Rückstand auf WM-Leader Vettel auf nur noch sechs Punkte. Hamilton erholt sich von einem missratenen Start und kassiert Vettel in Runde 44 ein - die 44, die als Startnummer auf seinem Auto steht, scheint wirklich Lews Glückszahl zu sein."

Ende Mai geht's nach Monaco, Stadtkurs-Spektakel im Fürstentum. Und im sechsten Saisonrennen darf Vettel bereits zum dritten Mal feiern - allerdings mit einem kleinen Geschmäckle.

Denn die spannendste Frage in diesem von Ferrari dominierten Rennen ist: Lässt sich die Scuderia zu einer Stallorder zugunsten Vettels würde hinreißen?

Nun, die Taktik ist zumindest verdächtig. Denn der Führende Räikkönen wurde zuerst zum Reifenwechsel gerufen, Vettel durfte anschließend noch ungewöhnlich viele schnelle Runden drehen, bevor er an die Box musste - und mit diesem Vorteil kam er knapp vor dem Finnen wieder auf die Strecke.

Und Hamilton? Der hatte es im Qualifying nicht mal in die letzte Runde, also in Q3 geschafft. Er musste von Platz 13 starten und lamentierte bereits vor dem Rennen: "Ich bin froh, wenn das heute vorbei ist."

Immerhin: Durch eine gute Boxenstrategie rutschte er noch auf Platz sieben vor. Im Kampf um den Titel liegt er nun "ein Rennen" zurück, hat 104 Punkte, Vettel schon 129.

Auf die Katastrophe folgt das Comeback: In Kanada steuert Hamilton seinen Boliden zum dritten Saisonsieg und zieht so mit Vettel gleich. Der Ferrari-Mann wird verpasst erstmals im Rennjahr 2017 das Podium.

"Das sind sehr wertvolle Punkte für mich, ich bin dem Team sehr dankbar und freue mich riesig", sagt Hamilton nach dem Rennen.

Der "Daily Mirror" urteilt: " Lewis Hamilton schlendert zum Sieg in Kanada. Der Engländer glaubt, Vettel damit einen heftigen Schlag im Titelkampf versetzt zu haben."

Ende Juni geht's für die Formel 1 nach Aserbaidschan - und hier eskaliert das Duell der WM-Alphatiere. Von "Krieg" ist in den Medien die Rede.

Nach einer vermeintlichen Bremsattacke von Hamilton rammt Vettel gezielt dessen Silberpfeil. Der Kuschelkurs der Titelrivalen ist vorbei.

"Er ist auf die Bremse gestiegen, ich konnte nirgendwo hin und bin ihm in die Kiste gefahren. Wenn ich bestraft werde dafür, sollte er auch bestraft werden", sagte Vettel: "Ich glaube, es war klar, dass ich mit der Art und Weise, wie er gefahren ist, nicht zufrieden war. Ich bin dann neben ihn gefahren und hab ihm das gezeigt."

Trotz seiner für den Rammstoß verhängten Zehn-Sekunden-Strafe fuhr Vettel den vierten Platz ein und baute dadurch seinen Vorsprung in der WM auf den in Baku fünftplatzierten Hamilton auf 14 Punkte aus.

Und auch beim neunten Rennen im österreichischen Spielberg läuft's nicht für Hamilton. Beim Sieg von Teamkollege Bottas vor Vettel wird er hinter Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo Vierter.

Immerhin: Anderthalb Wochen nach dem Rammstoß von Baku haben die beiden WM-Rivalen ihr Kriegsbeil öffentlich begraben. "Ich habe seine Entschuldigung angenommen. Ich spüre überhaupt keine Spannung zwischen uns, auch wenn andere das vielleicht tun", sagte Hamilton.

"Ich bin froh zu hören, dass es keinen großen Einfluss auf unser Verhältnis hat. Ich habe einen Fehler gemacht, also könnte ich verstehen, wenn er sauer ist", sagte Vettel: "Unser Respekt füreinander hilft uns in dieser Situation."

Grand Prix Nummer zehn führt den Formel-1-Tross nach England, nach Silverstone, in die Heimat von Hamilton und seinem Team.

Und das Heimspiel wird zur großen Dominanz-Vorstellung von Hamilton.

Und Vettel? Erlebt ein Reifendebakel, dass auf Platz sieben endet. Einen Platz hinter seinem Landsmann Nico Hülkenberg im Renault: "Am Ende hatten wir Glück, dass wir noch die Zielflagge gesehen haben."

Letztes Rennen vor der Sommerpause - und wieder kontert Vettel einen Hamilton-Sieg.

Mit defekter Lenkung hatte er sich in der Hitze von Ungarn gerade so ins Ziel geschleppt, seinen WM-Rivalen Lewis Hamilton weiter distanziert - und er wusste genau, dass er sich dafür bei seinem "Bodyguard" bedanken musste. "Ich schulde meinem Teamkollegen einen großen Gefallen", sagte Vettel.

Denn Kimi Räikkönen hatte dem langsameren Vettel im zweiten Ferrari als Prellbock gedient. Der Finne "beschützte" ihn vor den heranrasenden Mercedes-Piloten.

Räikkönen wurde am Ende Zweiter, Bottas landete noch vor Mercedes-Kollege Hamilton auf Rang drei. Vor der Sommerpause liegt der Brite mit 188 Punkten 14 Zähler hinter Vettel.

Diese Formel-1-Saison kennt auch direkt nach der Sommerpause nur eine Konstante: Seriensieger gibt es nicht. Mit dem Erfolg von Verfolger Lewis Hamilton beim Grand Prix von Belgien schmilzt der WM-Vorsprung von Vettel (wird Zweiter) auf sieben Zähler.

Die englischen Medien feiern ihren Landsmann. "The Telegraph" schreibt: "Wenige von Hamiltons 58 Grand-Prix-Siegen, wenn überhaupt einer, waren so abgebrüht wie dieser. Nach dem Motto 'Du kannst nicht vorbei' hielt er sich den drängelnden Sebastian Vettel mustergültig vom Leib."

"La Gazzetta dello Sport" urteilt: "Hamilton baut eine Mauer vor Vettel. Im unendlichen Duell hat der Engländer dank der Stärke des Mercedes-Motors, aber vor allem wegen dieses Extras, das nur die großen Champions besitzen, gewonnen."

Die endgültige Wende: Hamilton gibt den Partycrasher und schiebt sich nach einer irre schmerzhaften Demütigung für Ferrari in deren Heimat Monza an die Spitze der WM-Wertung.

"Ich denke, der Plan für die nächsten Rennen besteht darin zu versuchen, sie auszubauen", sagte Hamilton über seine Spitzenposition. Erstmals konnte in dieser Saison ein Fahrer zwei Grand Prix nacheinander gewinnen.

Bei Ferrari kippt indes die Stimmung: Während sich Vettel vor Zehntausenden Tifosi nach Platz drei wie "der König der Welt" fühlte, ließ Ferrari-Boss Sergio Marchionne seiner Verärgerung freien Lauf. "Wenn ich mir den Unterschied zu Mercedes anschaue, dann ist das peinlich. Wir haben einfach völlig versagt."

"Vom Abstand will ich heute nichts wissen, der Spirit ist da", betonte Vettel, der 36 Sekunden Rückstand auf den Sieger hatte.

"Corriere della Sera" pöbelt dennoch Richtung Ferrari: "Mercedes-Monolog in Monza. Ein Rennen ohne Hoffnungen für Ferrari, das eine bittere Pille schlucken muss. Eine riesige Blamage auf der Heimstrecke."

Auf die Blamage daheim folgt das Desaster in Singapur: Beim Start kegeln sich die Teamkollegen Vettel (von der Pole) und Räikkönen gegenseitig aus dem Rennen. Eine peinliche Panne, die Hamilton den Weg zum dritten Sieg in Serie ebnet.

"Das ist natürlich doof, aber was sollen wir machen", sagte Vettel, um Erklärungen für den Unfall ringend, den er selbst mitverursacht hatte.

Der Start-Unfall mit Red-Bull-Teenager Max Verstappen und Räikkönen beraubte Polesetter Vettel der Chance, wieder die WM-Führung zu erobern, und warf ihn im Titelrennen zurück. 28 Punkte liegt er nun hinter Hamilton zurück.

Der "Guardian" schreibt: Das ist ein großer Schlag für Hamilton ...

... und ein absoluter Körpertreffer für den Deutschen und Ferrari, die sich fragen müssen, wieso ein Rennen, das sie eigentlich gewinnen wollten, so desaströs enden konnte."

Nächster Halt Malaysia, nächster Punktsieg für Hamilton.

Zwar wird der WM-Leader hinter dem entfesselt fahrenden Max Verstappen im Red Bull nur Zweiter, weil Vettel aber trotz irrer Aufholdjagd nur Vierter wird, baut der Brite seinen Vorsprung auf nun schon 34 Punkte aus.

"Es war Schadensbegrenzung, ich hatte gehofft, dass hier und da noch was passiert. Es kam aber nichts mehr", sagte Vettel. Nach missratener Qualifikation war er von ganz hinten noch fast aufs Stockerl gerast.

Die "BBC" analysiert treffend: "Das Schicksal der Meisterschaft begünstigt Lewis Hamilton in dieser entscheidenden Phase der Formel-1-Saison."

Die Fahrt zum Matchball: In Suzuka gewinnt Hamilton zum achten Mal in dieser Saison und erarbeitet sich mit 59 Punkten Vorsprung auf Vettel die WM-Chance in Austin.

Hamilton profitiert bei seinem knappen Sieg vor Verstappen aber auch von einer defekten Zündkerze in Vettels Ferrari.

Völlig bedient kann der Deutsche das Rennen bereits in der vierten Runde nicht mehr fortsetzen.

Hamilton kann's egal sein, doch will er nicht zu schnell in Euphorie verfallen. "Es sind immer noch 100 Punkte zu holen, deshalb werde ich weiter das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücken", betont er.

Verständnis für seinen von Pannen geplagten WM-Verfolger bringt Hamilton durchaus auf. "Seb hatte natürlich sehr viel Pech, woran er keine Schuld hat", sagte er mit Blick auf die Zuverlässigkeitsprobleme bei den Italienern.

Die "La Repubblica" tobt indes: "Ferrari ist Italien. Ferrari ist (oder war) das beste von Italien, ein Konzentrat aus Wissen, Expertise, Tradition und Innovation, technischer Handwerkskunst und Futurismus. Was für den freien Fall der italienischen Fußball-Nationalmannschaft gilt, gilt für Ferrari von Marchionne: ein verlorenes Team. ...

... Wo ist nur diese einst gelobte Kraft der Gruppe? (...) Wir dürfen nicht da unten bleiben, in Angst vor der Zukunft. Wir dürfen nicht ausgehen wie (Zünd)-Kerzen beim ersten Mal Pusten."

Erster Matchball in Austin: Beim Großen Preis der USA könnte sich Hamilton vorzeitig zum krönen, falls Ferrari-Rivale mitspielt. Tut er aber nicht, was Hamilton vorher schon prophezeit: "Sebastian ist voll dabei, und wenn er keinen dummen Fehler macht - den er nicht machen wird, weil er ein viermaliger Weltmeister ist - wird der Kampf weitergehen."

Kurz nach dem Start entreißt Vettel von Platz zwei Pole-Mann Hamilton sogar die Führung und weckt zarte Hoffnungen auf ein Formel-1-Comeback-Wunder.

Doch Hamilton kontert weltmeisterlich ...

... und siegt am Ende ungefährdet. "Lewis Hamilton hat bestätigt, dass er in blendender Form ist. Er hat sich den Titelgewinn, der höchstwahrscheinlich beim nächsten Rennen in Mexiko besiegelt werden wird, redlich verdient", jubiliert die spanische Zeitung "Sport". Sein Vorsprung wächst auf 66 Punkte.

Die "L'Equipe" feiert den Mercedes-Star, würdigt aber auch den zweitplatzierten Vettel: "Lewis Hamilton, so entspannt wie bei einer Pariser Modeschau, hat seinen Teil des Vertrags erfüllt und dieses Rennen (...) mit eiserner Hand beherrscht. (...) aber er wird - noch ein bisschen? - warten müssen. Denn Sebastian Vettel, dieser Kämpfer, hat die Frist erneut hinausgezögert. Und das auf die brillantest mögliche Art. Der Ferrari-Pilot wird nie den Mut verlieren."

Vettel und aufgeben? Niemals. Das beweist der Ferrari-Star auch beim drittletzten Saisonlauf, dem Großen Preis von Mexiko.

Der Ferrari-Star holt sich die Pole Position vor Red-Bull-Jungstar Max Verstappen und Hamilton.

Verteidigen kann er den Startvorteil aber nicht lange.

Kurz nach dem Start überholt ihn Verstappen. Dabei touchiert Vettel den Red Bull zweimal und verliert dabei Teile seines Frontflügels. Kurz darauf kollidiert Vettel dann mit Hamilton, der prompt Absicht

Schon in Runde zwei müssen Vettel und Hamilton an die Box und fallen ans Ende des Feldes zurück. Vettel kämpft sich noch bis auf Platz vier, Hamilton wird Neunter.

Und ist damit der große Triumphator der Formel 1. Zum vierten Mal.

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