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Dienstag, 08. November 2011

Als Willy Brandt für den Jahrhundertkampf aufstand: Joe Frazier, Boxlegende und Alis Hassrivale

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Am Ende siegte doch die Hochachtung. (Foto: dapd)

Am Ende siegte doch die Hochachtung.

Am Ende siegte doch die Hochachtung.

"Die Welt hat einen großen Champion verloren. Ich werde mich immer mit Respekt und Bewunderung an Joe erinnern. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Lieben."

Das sagte Muhammad Ali über seinen ehemaligen Hassrivalen Joe Frazier.

Der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister starb im Alter von 67 Jahren einen Monat nach der Diagnose Leberkrebs in einem Hospiz in Philadelphia, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1971.

Frazier hatte der Box-Legende Muhammad Ali am 8. März 1971 im New Yorker Madison Square Garden …

… die erste Niederlage in einem WM-Kampf zugefügt.

Es war der Kampf des Jahrhunderts.

Millionen Menschen saßen vor den Fernsehern - ein weltumspannendes Ereignis.

Sogar Bundeskanzler Willy Brandt soll sich gegen 4.30 Uhr in der Nacht wecken haben lassen, um dabei zu sein.

Es waren 15 unvergessene Runden, mehr Schlacht als Kampf.

Frazier hatte sich zuvor den WM-Titel 1970 durch einen K.o. -Sieg gegen Champion Jimmy Ellis geholt ...

… und verlor ihn 1973 an George Foreman.

Im zweiten Kampf zwischen Frazier und Ali am 28. Januar 1974 erneut in New York …

… ging es nicht um die WM, Ali gewann den Fight nach Punkten. Hier trifft Ali seinen Landsmann mit einer kraftvollen Linken.

Anschließend holte sich Ali den Titel, den man ihm wegen seiner Kriegsdienstverweigerung im Jahr 1967 aberkannt hatte, …

… durch einen Sieg gegen Foreman in Zaire beim legendären "Rumble in the Jungle" am 30. Oktober 1974 zurück …

… und verteidigte ihn am 1. Oktober 1975 erneut gegen Frazier.

Beim legendären "Thrilla in Manila" warf Eddie Futch, der Trainer von Smokin' Joe, nach 14 brutalen Runden das Handtuch.

Frazier sah nichts mehr, aber er hätte niemals aufgegeben. Nicht gegen Ali.

Es war ein Kampf, bei dem sich beide der Schwelle zum Tod genähert hatten.

Vor einem Publikum, das "wild nach Blut schrie, wie ich es in keinem Stadion der Welt erlebt habe", sagte Ali später.

Sie ahnen es: Ali und Frazier mochten sich nicht.

Für Ali, das Idol der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, den Black Muslim, …

… war Frazier nur ein "Onkel Tom", ein Schwarzer, der für das weiße Establishment kämpft, nicht weit entfernt von der großen, weiße Hoffnung, der White Hope, nach der der US-Boxsport immer gesucht hat.

Frazier verachtete Ali, so viel ist sicher, …

… überliefert sind schlimme Sprüche über Parkinson, die Krankheit, die den größten Boxer aller Zeiten mehr und mehr in Besitz nahm.

1996, als Muhammad Ali in Atlanta das olympische Feuer entzündete, …

… soll Frazier gesagt haben, er würde den Rivalen am liebsten "in die Flammen werfen".

Und Frazier weigerte sich, Ali bei dessen neuem Namen zu nennen, und sprach weiter von Cassius Clay.

Diesen Namen hatte Ali bei seinem Eintritt in die Nation of Islam abgelegt. Hier treffen sich beide im Jahr 2002 in Hollywood.

Frazier war ein Boxer, der wie eine Dampfwalze auf seine Gegner losgehen konnte, sie mürbe schlug.

So hart, dass Ali auf Seite 447 seiner Autobiografie "Der Größte" schrieb: "Jeder Schlag, den ich von ihm einstecken muss, …

… ist ein Schritt auf dem Weg zu meinem Grab. Ich höre die Engel im Himmel singen."

Zwei Sätze nur, aber wohl das größte Lob, das ein Boxer bekommen kann.

1975 war das, nach dem "Thrilla in Manila".

Joe Frazier wurde am 12. Januar 1944 als jüngstes von zwölf Kindern in Beaufort/South Carolina geboren. Als er 15 Jahre alt war, zog die Familie nach Philadelphia, wo er seine Boxkarriere begann.

Als Arbeiter in einem Schlachthof schlug Frazier damals stundenlang im Kühlhaus auf Rinderhälften ein.

Hollywood-Star Sylvester Stallone baute diese Sequenz Jahre später in sein preisgekröntes Boxer-Epos 'Rocky' ein, in dem Frazier einen Gastauftritt hatte.

1964 in Tokio wurde Joe Frazier durch einen Punktsieg gegen Hans Huber aus Regensburg Olympiasieger und wechselte danach zu den Profis.

Von seinen ersten 19 Kämpfen gewann er 17 durch K.o., ...

... berühmt-berüchtigt war vor allem sein linker Haken.

Nach der zweiten Niederlage gegen George Foreman beendete Frazier 1976 seine Karriere, …

… um 1981 für einen letzten Kampf gegen Floyd Cummings noch einmal zurückzukehren.

Der Fight endete mit einem Unentschieden, danach hängte Frazier endgültig seine Handschuhe an den Nagel.

Die einzigen Niederlagen seiner grandiosen Karriere hatte er gegen Ali und Foreman kassiert.

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