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Dienstag, 02. Januar 2018

Der beste Darts-Spieler tritt ab: Phil Taylor wird zum Abschied gefeiert

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16 WM-Titel hat Taylor im Laufe seiner Karriere gewonnen (hier 1998 beim sechsten Titel), in London gibt er nun den Staffelstab weiter.

16 WM-Titel hat Taylor im Laufe seiner Karriere gewonnen (hier 1998 beim sechsten Titel), in London gibt er nun den Staffelstab weiter.

Als Phil Taylor im tosenden "Ally Pally" mit einer Niederlage Abschied von der großen Bühne nimmt, geht im Darts-Sport eine Ära zu Ende.

Sichtlich gerührt lässt sich der Rekordweltmeister nach dem 2:7 im WM-Finale gegen Rob Cross feiern, gemeinsam mit dem neuen Weltmeister reckt er den 3500 Fans die Trophäe entgegen. Und dann küsst er den Pokal ein letztes Mal.

16 WM-Titel hat Taylor im Laufe seiner Karriere gewonnen (hier 1998 beim sechsten Titel), in London gibt er nun den Staffelstab weiter.

"Phil hat 1990 das erste Mal gewonnen, da bin ich geboren", sagt Cross bei Sport1. "Er hat so viel für diesen Sport getan, ich hoffe, er tritt zufrieden zurück."

Und Taylor räumt ohne Bitterkeit ein, er habe einfach "nicht mehr die Energie, einen Mann wie Rob Cross zu schlagen. 30 Jahre lang war das hier mein Leben, …

… und nun startet seine Karriere. Ich sehe bei ihm viele Parallelen zu mir, er opfert sich für diesen Sport. Die Konkurrenz wird mit ihm ein großes Problem haben. Ich mag ihn sehr gerne."

Im ersten Aufeinandertreffen mit Taylor zeigt Cross die konstantere Leistung. Mit 107,41 Punkten pro Aufnahme kommt er zwar nicht an den WM-Rekord von Michael van Gerwen (114,05 Punkte) heran, ...

... erzielt aber einen deutlich höheren Schnitt als der 30 Jahre ältere Taylor (102,26).

Während des Endspiels nimmt Taylor immer wieder Kontakt zu den Fans und seinem Manager Robert Glenn auf. Phasenweise wirkt er nicht konzentriert und akzeptiert, dass ihm sein Kontrahent spielerisch weitestgehend überlegen ist.

Taylor, der in seiner fast 30-jährigen Karriere umgerechnet 8,1 Millionen Euro Preisgeld verdient hat, tritt mit 83 Major-Siegen ab.

Für Cross ist es der erste große Titel bei einem Turnier der höchsten Kategorie der Professional Darts Corporation (PDC).

Bevor der 57-Jährige die Bühne verlässt, wird ihm noch ein letzter Wunsch erfüllt: Zu "Viva La Vida" von Coldplay tanzt Taylor vor den Zuschauern im altehrwürdigen Alexandra Palace. Er hatte sich den Song der britischen Band zum Abschied gewünscht.

Taylor will sich nach seinem Karriere-Ende eine zweiwöchige Auszeit in Australien nehmen und in diesem Jahr 180 Showmatches bestreiten. Zeit für seine vier Töchter, für seine Enkelkinder - das ist es, worauf sich Taylor freut (hier 2002).

Denn sein Privatleben musste leiden unter einer Bilderbuch-Karriere, die nicht nur zu unzähligen Titeln führte (hier 2002), sondern auch einen Sport revolutionierte, der zu Taylors Anfängen ein Kneipenwettkampf war.

Der jahrelang beste Darts-Spieler der Welt stammt aus einer Arbeiterfamilie in Stoke-on-Trent. In seinen jungen Jahren montierte er Griffe für Toiletten-Spülkästen und reparierte Autos. Pfeile auf eine Scheibe zu werfen und damit Geld zu verdienen war Taylors Chance, aus diesem Leben zu entfliehen.

Ehrgeiz, Leidenschaft und Skrupellosigkeit prägten dann Taylors Karriere. In seinem ersten WM-Finale im Jahr 1990 schlug "The Power" seinen Mentor, den fünfmaligen Weltmeister Eric Bristow, glatt mit 6:1. Es war der Beginn eines einmaligen Siegeszuges - hier bei der WM 1992.

"Ich habe Darts mein Leben gewidmet", betont Taylor. Früh um 9 Uhr kam er in Bristows Kneipe, um zu trainieren. Eine Kombination aus außergewöhnlichem Talent und nicht enden wollendem Ehrgeiz machten Taylor zu einer Ausnahmeerscheinung.

Vor seinem letzten Turnier sagte Taylor: "Ich freue mich darauf, ins Bett zu gehen und mir keine Gedanken mehr um Turniersiege machen zu müssen."

Nach der Niederlage im Finale bekräftigt er noch einmal, dass er zurücktritt: "Es war eine fantastische Karriere. (Sportfunktionär) Barry Hearn hat mich gefragt, ob ich noch weitermache, aber es reicht."

Zum Abschied schreibt er seinen Fans im Alexandra Palace noch "Thank you" auf einen Zettel und bedankt sich für die jahrelange Unterstützung. (mli/AFP/dpa)

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