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Mittwoch, 14. März 2007

Vorreiter Deutschland: Browserspiele erobern das Web

Immer mehr Onliner erleben Abenteuer im Browserfenster. Einige schicken ihre Flotten durchs Weltall, andere verkaufen Waren in mittelalterlichen Städten und wieder andere plündern mit ihren Piratenschiffen Händlerflotten. Eins haben alle gemeinsam, sie sind Teil der Browserspiele-Welt. Dieses Teilsegment des Online-Games-Marktes ist einer der spannendsten Boommärkte in
der Cyberwelt. Im Gegensatz zu klassischen Online-Kassenschlagern wie "World of Worldcraft" kommen Browsergames ohne gekaufte oder heruntergeladene Software aus. Sie sind rein webbasierte Spiele, die ausschließlich über den Internet-Browser gespielt werden.

Die Marktforscher von Forrester gehen davon aus, dass Browsergames in den kommenden fünf Jahren deutlich stärker wachsen als der klassische Spiele-Konsolenmarkt. Pricewaterhouse-
Coopers bestätigt diese Prognose und rechnet allein in Deutschland mit jährlichen Wachstumsraten von über 60 %. Bis 2009 erwarten die Marktforscher in Deutschland ein Marktvolumen von über 900 Mio. Euro. Die glorreiche Zukunft gründet sich auf die immer stärkere Verbreitung von DSL, leistungsfähigere Rechner und den Erfolg der bisherigen Firmen.

Bigpoint ist in aller Munde

Das bekannteste Unternehmen in diesem noch jungen Spiele-Segment hört auf den Namen Bigpoint (ehemals e-sport). Seit sich Online-Dickschiff United Internet und der European
Founder Fund der Samwer-Brüder (alando, Jamba) an der Firma beteiligt haben, sind die Hanseaten in aller Munde. Die Spieleschmiede verfügt über ein äußerst reichhaltiges Daddel-Angebot. Unter www.bigpoint.de, der zentralen Anlaufstelle für alle Spielchen des Unternehmens, sind fast 20 Browserspiele versammelt. Neben Räubergeschichten wie "The Mafia", Weltraumepen la "Dark Orbit" und klassischen Spielen wie "Fußballmanager" trumpft Bigpoint auch mit TV-Adaptionen zu "Popstars" und "Germanys next Topmodel" auf. Das erfolgreichste Browserspiel heißt "Seafight" – ein Strategieaufbauspiel, in dem es darum geht, zum Herrscher der Meere aufzusteigen. Fast 900.000 registrierte Piraten sind auf der Website verzeichnet.

Insgesamt sind nach eigenen Angaben bei allen Bigpoint-Spielchen rund 3,8 Mio. Nutzer registriert. Die Anzahl der tatsächlich aktiven Spieler wird deutlich kleiner sein, dennoch zeigt die Zahl, dass sich viele Onliner gerne mit Games die Zeit vertreiben wollen. Die Finanzierung ist bei allen Titeln gleich. "Wir generieren unsere Umsätze primär über den Verkauf von Spiele-Items sowie Online-Werbung und Product Placement", sagt Heiko Hubertz, Geschäftsführer von Bigpoint. Für die registrierten Piraten, Mafiosi oder Weltraumhelden sind alle Spiele kostenlos. Ungeduldige Nutzer können sich aber mit Geld einen kleinen Vorteil erkaufen und so schneller vorankommen. Die preisliche Bandbreite dieser Premium-Elemente reicht von wenigen Cent bis hin zu 10 Euro für hochwertige Waren. Der Branchenschnitt der zahlungsbereiten Spieler liegt bei rund 10 %, bei einigen Spielchen greifen aber auch deutlich mehr Nutzer in ihre Geldbörse.

Deutschland ist Weltmarktführer

Über den erzielten Umsatz will Firmenchef Hubertz keine Angaben machen. Die Millionengrenze hat er vermutlich aber schon längst geknackt. Mit immer aufwändigeren Spielen will er weiteren Onlinern das Thema Browserspiele schmackhaft machen. Die neuen Spielchen aus seinem Hause ähneln immer mehr klassischen Computerspielen. Anfangs kamen fast alle erfolgreichen Browsergames aus dem Strategiegenre, es ging darum, Waren zu produzieren, diese zu verkaufen und Schlachten zu schlagen. Gleichzeitig arbeitet Hubertz an der Internationalisierung. Allein der Klassiker "Seafight" ist bereits in neun Sprachen verfügbar – weitere sollen folgen. Bei der Auslandsexpansion soll besonders Neu-Gesellschafter United Internet mit seinen in- und ausländischen Kontakten helfen. Die Chancen für einen großen Erfolg im Ausland stehen gut. Im Segment der Browserspiele hat Deutschland einen großen Vorsprung – ist Weltmarktführer. In keinem anderen Land ist die Szene so weit entwickelt. Im Gegenzug konnten ausländische Firmen in Deutschland kaum Fuß fassen. Einzige Ausnahme ist der schwedische Fußball- Manager "Hattrick".

Der größte Konkurrent von Bigpoint ist Gameforge. Hinter dem Browserspiel-Pionier stecken die leidenschaftlichen Zocker Klaas Kersting und Alexander Rösner. Das Portfolio der Karlsruher ist ähnlich breit wie das von Bigpoint. Gameforge-Vorstand Kersting sieht sich als der "größte Player im Markt der Browserspiele". Sowohl nach Anzahl der Spieler, als auch bei Umsatz und Gewinn habe Gameforge die Nase vorn. In die Karten gucken lässt er sich freilich nicht. Lediglich die Anzahl der aktiven Spieler gibt Kersting bekannt – es sind 4,8 Mio. Die Anzahl der registrierten Daddler liegt demnach bei 10 Mio. Die Gründer haben das Thema Internationalisierung bereits stark vorangetrieben. So ist ihr Blockbuster "Ogame" in 22 Sprachversionen verfügbar und begeistert demnach "auf fünf Kontinenten mehr als drei Mio. Spieler". Für Kersting ist das Weltraum-Simulationsspiel deswegen auch das "weltweit erfolgreichste und meistgespielte Browsergame". Die Finanzierung der Gameforge AG läuft ebenfalls über Premium-Accounts und Online- Werbung.

Werbung spielt bisher keine große Rolle

Obwohl das Thema Online-Werbung als Einnahme bisher nur eine geringe Rolle spielt, haben es viele Vermarkter schon auf der Agenda. Bereits aktiv ist orangemedia. Spannend sind für Geschäftsführer Rasmus Giese Browserspiele vor allem wegen der "Zielgruppe, Reichweite und Traffic sowie den Werbemöglichkeiten in der Zukunft". Ein großer Teil der Daddler seien "Heavy-User mit ausgeprägtem Interesse an Technik und Entertainment". Werbung für Mobilfunk, Kinofilme und DVDs komme demnach gut an. Derzeit flimmern bei Browserspielen meist Banner. Giese sieht künftig viel Platz für "In-Game-Advertising", sprich Werbung in Spielen. Sein Engagement im Segment Browserspiele will er deswegen ausbauen. Derzeit vermarkten die Hamburger etwa "Seafight", "The Mafia" und "Teamchef.com".

Ein weiterer Player im Browserspiele-Markt ist RedMoon Studios. Die Augsburger haben acht Spiele im Angebot. Das Unternehmen ist laut Geschäftsführer Michael Lehmann bereits "in 12
Ländern aktiv und verfügt über 3 Mio. registrierte Nutzer sowie 750.000 aktive Spieler". Neben Premium-Accounts sorgen bei RedMoon Google-Ad-Sense und Vermarkter Euros4Click
für Einnahmen. Finanziell steht die Firma bereits auf festem Boden. Weiteres Wachstumspotenzial sieht Lehmann im Ausland und in mobilen Varianten seiner Spiele. Noch sei dieses Segment aber im "Dornröschenschlaf. Zu guter Letzt setzt auch die Freenet-Tochter 4Players auf Browserspiele. Zu den Highlights gehören "Meistercoach", "Oil Imperium" und "Patrizier Online".

Neben diesen Großfirmen tummeln sich auch etliche Kleine im Browserspielgeschäft – beispielsweise Feenix und Traviangames. Erstgenannte betreiben das grafisch exzellente Spiel "Age of Pirates" und letztgenannte das Strategiespiel "Travian". Mehr als 1 Mio Nutzer sind nach eigenen Angaben schon in die "Travian"-Welt eingetaucht. Das Spiel ist in 20 Sprachen übersetzt, ein Ende ist nicht in Sicht. Derzeit basteln Geschäftsführer Siegfried Müller und sein Team an einer Weiterentwicklung ihrer Spielidee. "Travianer" heißt die interaktive Version ihres Spielehits und verbindet Elemente des bekannten Browserspiels mit dem Spieleklassiker "The Sims". Ein echter Meilenstein.

Alexander Hüsing

Quelle: n-tv.de