Technik

Zweifelhafte Sicherheit PayPal verärgert Kunden

Die letzten Sekunden einer Versteigerung sind entscheidend. Der Puls rast. Der Adrenalinspiegel steigt. Die bange Frage: Reicht das Höchstgebot aus, um den Zuschlag zu erhalten? 3 - 2 - 1 - meins! Fast so, wie es in der Ebay-Werbung angepriesen wird. Die Freude ist zunächst groß. Noch größer natürlich, wenn das Objekt der Begierde zu einem unschlagbaren Preis ersteigert wurde.

Doch dann kommen die Zweifel. Bekomme ich tatsächlich das, was in der Artikelbeschreibung steht? Wird mir vielleicht eine Fälschung untergejubelt? Bekomme ich überhaupt etwas zugeschickt oder gehe ich einem Betrüger auf dem Leim, der mich nur abkassiert? Erst in diesen Tagen muss sich ein Ebay-Ganove vor Gericht verantworten, der hunderttausende Euro eingestrichen hat, ohne tatsächlich die versteigerte Ware zu liefern.

Doch auch die Verkäufer haben es nicht leicht. Auf Rechnung möchten nur die wenigsten Händler liefern. Das bringt zu viel Ärger mit sich. Die Vorkasse-Zahlung wird von Verbraucherschützern als nicht empfehlenswert eingestuft. Unwägbarkeiten also auf beiden Seiten der Versteigerung. Bei diesen Zweifeln und Ängsten setzt das Bezahlsystem PayPal an. Die Ebay-Tochter schaltet sich zwischen Verkäufer und Käufer. Der Verkäufer erhält keine Kreditkarten- oder Bankdaten vom Käufer. PayPal wickelt den Bezahlvorgang ab.

Sicherheit ohne Garantie

Darüber hinaus wirbt PayPal mit Sicherheit: "PayPal Käuferschutz: Extra-Schutz für Ihre Käufe bis 1000 Euro", heißt es auf der Webseite. Der Verkäufer wird vor Zahlungsausfällen bis zu 4000 Euro pro Kalenderjahr geschützt. Käufer- und Verkäuferschutz sind ein "kostenloser" Service von PayPal. Was viele in den Detailbedingungen gerne überlesen: Der Käufer- und Verkäuferschutz ist eine Kulanzleistung. Ein Anspruch hat man also nicht. Gänzlich kostenlos ist PayPal ohnehin nicht. Als Faustregel gilt hier das Gleiche wie bei Ebay: Wer Geld ausgibt, braucht nichts zu zahlen. Die Kosten trägt der Verkäufer.

Bei Artikeln, die innerhalb von Deutschland bezahlt werden, fällt bei einem Preis unterhalb von 1000 Euro eine Gebühr von 1,9 Prozent des Artikelwertes zuzüglich 0,35 Euro an. Darüber hinaus greift eine Staffel ähnlich wie bei Ebay: der Provisionsprozentsatz sinkt, je höher der Verkaufspreis ausfällt. Teurer wird es, wenn mit PayPal außerhalb von Deutschland bezahlt wird. Die Provision beträgt dann bis zu 3,9 Prozent zuzüglich 0,35 Euro. Zusätzliche Gebühren fallen an, wenn der Betrag nicht in Euro sondern einer anderen Währung beglichen werden muss.

Kunden kommen nicht an ihr Geld

So weit so gut ? wenn denn PayPal für einen reibungslosen Ablauf sorgen würde. Dass nicht nur in Einzelfällen etwas schiefgeht, kann man in hunderten Foren-Beiträgen nachlesen. Sowohl Käufer als auch Verkäufer schlagen Alarm. PayPal friert Konten ein und zahlt Geld nicht aus. Monatelanger Stress folgt und am Ende kann es passieren, dass Geld auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Ärger gibt es meist, wenn im Ausland Ware ersteigert wurde. Den meisten ist nicht bewusst, dass der Käuferschutz nur für Artikel denkbar ist, die auf ebay.de, ebay.at oder ebay.ch ersteigert wurden. Wer also zum Beispiel etwas aus England ersteigert hat, braucht auf PayPal nicht zu zählen.

Von ganz anderen Problemen können Verkäufer ein Lied singen. Da berichten Firmen, denen unerwartet das PayPal-Konto gesperrt wurde. Angeblich benötigt PayPal in solchen Fällen weitere Dokumente wie Personalausweise, Melderegisterauszüge, Kreditkartenauszüge oder Handelsregisterauszüge. Selbst wenn alle Unterlagen geschickt wurden, blieben Gelder monatelang eingefroren, weil eingereichte Papiere angeblich nicht lesbar waren. In einem Fall wurden über 30.000 Euro über sechs Monate einbehalten, weil es nach PayPal-Angaben ja noch zu Käufer-Beschwerden kommen könne.

Selbst bereits ausgezahlte Gelder fordert PayPal zurück. So berichtet das ARD-Magazin Plusminus von einem Verkäufer aus Deutschland, der sein Notebook in die USA verkaufte. Nach fünf Monaten forderte PayPal das Geld unter Androhung von Anwalt und Mahnverfahren zurück, weil der Inhaber von Kreditkarte und PayPal-Konto eine nicht autorisierte Zahlung gemeldet hatte. Eine dritte Person hätte sich mit seinen Daten eingeloggt und das Notebook bezahlt. Wie der vermeintliche Notebook-Käufer bewiesen hat, dass seine Daten missbraucht wurden, bleibt schleierhaft, da die Ware laut PayPal-Bedingungen an die Adresse geschickt werden muss, mit der sich der Käufer mit seinen Kreditkartendaten bei PayPal registriert hat. Der Verkäufer kann sogar beweisen, dass er das Paket an diese Adresse gesendet hat. Da die Ware in die USA gesendet wurde, greift der PayPal-Verkäuferschutz hier nicht. PayPal hat allerdings angekündigt, zum 1. September Auslandsgeschäfte in den Schutz mit aufzunehmen.

Sammelklage in den USA

Bleibt die Frage, ob solche Geschäftsgebaren nicht ohne Folge bleiben. Die gute Nachricht: Bereits vor vier Jahren endete eine Sammelklage gegen das Unternehmen in den USA mit einem außergerichtlichen Vergleich. PayPal zahlte ? natürlich ohne Schuldeingeständnis ? 9,25 Millionen US-Dollar in einen Fonds ein, der zur Begleichung von Anwalts- und Gerichtskosten der Kläger eingesetzt wurde. Gegenstand der Klage war der Vorwurf, dass PayPal nicht ausreichend über bestimmte Transaktionen und über Begrenzungen, die auf die Konten der Kunden verhängt wurden, aufklärte. Bereits 2002 zahlte PayPal 150.000 US-Dollar Strafe wegen des Verstoßes gegen Handelsgesetze an den Staat New York.

Eine Sammelklage kann in Deutschland nicht eingereicht werden. Wer sich hierzulande von PayPal nicht rechtens behandelt fühlt, hat die Möglichkeit Strafanzeige zu erstatten. Da Käufer- und Verkäufer laut den Bedingungen keinen Rechtsanspruch im Schadensfall haben und nur aus Kulanz gezahlt werden kann, wird falsche Sicherheit suggeriert.

Sonderklausel für Ebay-Geschäftsführer

Wenig Vertrauen in das eigene System hat offenbar auch der jetzige Ebay- und langjährige PayPal-Geschäfsführer Frerk-Malte Feller. Er versteigerte zuletzt im Juni Eintrittskarten für die Fußball-EM in Deutschland. Im Auktionstext gab er an, dass eine Bezahlung mit PayPal nur möglich sei, wenn man ihm vorab eine Kopie des Personalausweises sowie der Kreditkarte oder des Kontoauszuges schicken soll. Eine absurde Forderung. Das hat schon mehr als einen bitteren Beigeschmack. Zumal Angebote anderer Ebay-Nutzer, die den Passus aufnahmen, laut Plusminus von Ebay gelöscht wurden, da dies nicht zulässig sei.

Im eigenen PayPal-Forum wurden hunderte Einträge "archiviert", um für mehr "Übersichtlichkeit" zu sorgen. Inzwischen gibt es eigene PayPal-Foren, die damit werben, dass Einträge nicht zensiert werden. Die Botschaft der geschädigten PayPal-Nutzern dort ist jedenfalls eindeutig: Meiden Sie PayPal, zahlen Sie nicht damit, kündigen Sie Ihr PayPal-Konto.

Quelle: n-tv.de