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Freitag, 27. November 2015

Ausstellung in der Tate Modern: Als Pop-Art noch mehr als Marilyn war

Von Samira Lazarovic

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Whaaam! Pop! Kapow! (Foto: REUTERS)

Whaaam! Pop! Kapow!

Whaaam! Pop! Kapow!

Dafür steht Pop-Art. ("Crying Girl" von Roy Lichtenstein)

Die Bilder des wohl berühmtesten Vertreters dieser Kunstrichtung, Andy Warhol, sind weltbekannt.

Sie stehen gleichermaßen für die Kritik ...

... wie für die Glorifizierung der westlichen Konsum- und Unterhaltungskultur.

Doch Pop-Art war viel mehr: Politik, Revolution, Feminismus und Folklore. (Jerzy Ryszard "Jurry" Zielinski, "Without Rebellion", 1970)

Die Londoner Tate Modern zeigt derzeit in einer außergewöhnlichen Ausstellung die vielen Formen, die Pop-Art in den 1960er- und 1970er-Jahren rund um den Globus angenommen hat. (Ushio Shinohara, "Doll Festival", 1966)

Eine subversive internationale Protestsprache - die alles andere als gestrig wirkt. (Equipo Crónica, "Concentracion or Quantity becomes Quality", 1966)

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft ist ein wiederkehrendes Thema. So findet die 1946 geborene katalanische Künstlerin Eulalia Grau bis heute in den Medien unangenehme Parallelen zu ihren einstigen Themen. Ihr Protest galt der von ihr als zensiert, ungerecht und männlich dominiert wahrgenommenen Gesellschaft. (Eulalia Grau, "Aspiradora", 1973)

Die 1941 in der Tschechoslowakei geborene Jana Zelibska beschäftigte sich mit dem Blick auf den weiblichen Körper. "Kandarya" spielt auf indische Tempeltänzerinnen an und symbolisiert hinduistische und erotische Rituale. (Jana Zelibska, "Kandarya - Mahadeva", 1969)

An den Silhouetten der Tänzerinnen sind im Schambereich Spiegel angebracht, sie reflektieren den Blick des Voyeurs. (Jana Zelibska, "Kandarya - Mahadeva", 1969)

Die belgische Künstlerin Evelyne Axell war bekannt für ihre provokante Inszenierung von weiblicher Erotik. In "Valentine", einer Hommage an Valentina Tereschkowa, der ersten Frau im Weltraum, verband sie die Befreiung des weiblichen Körpers mit dem Wettlauf ins Weltall. (Evelyne Axell, "Valentine", 1966)

Axell teilte das Schicksal mit vielen anderen Künstlerinnen dieser Zeit: Ihre Version der Pop-Art wurde in der männlich dominierten Kunstszene lange verkannt. Axell kam 1972 mit nur 37 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. (Evelyne Axell 1967 mit ihrer Arbeit "Valentine")

Der 1933 in Mississippi geborene New Yorker Joe Overstreet wandte sich während der Bürgerrechtsbewegung 1964 der Protestmalerei zu. Arbeiten wie "Strange Fruit", basierend auf den Billie-Holiday-Song über das Lynchen, oder "The New Jemima" spießten Stereotypen von Schwarzen auf. (Joe Overstreet, "New Jemima", 1964)

Die Kolumbianerin Beatriz Gonzalez war eine der ersten Künstlerinnen ihres Landes, die ihre Inspiration aus den Massenmedien zogen. Sie sieht sich selbst als "zeitgenössische Hofmalerin". (Beatriz Gonzalez, "The Last Table", 1970)

In "The Last Table" fügte sie eine Interpretation von Da Vincis "Letztes Abendmahl" mit einem massengefertigten Holzimitat-Tisch zusammen, eine Reflexion über Konsum und Materialismus. (Beatriz Gonzalez, "The Last Table", 1970)

Der Italiener Sergio Lombardo brachte in zwei Bildern mit überlebensgroßen Silhouetten den Kalten Krieg der beiden Supermächte auf den Punkt. US-Präsident John F. Kennedy und ... (Sergio Lombardo, "John F. Kennedy", 1962)

... der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow zeigen mit Fingern aufeinander - und provozieren so fast einen Dritten Weltkrieg. Eine Angst-Vision, die bis heute nicht verschwunden ist. (Sergio Lombardo, "Nikita Krusciov", 1962)

Der gebürtige Berliner Thomas Bayrle gehört zu den ersten Künstlern, die computergenerierte und animierte Kunst produzierten. Er war fasziniert von seriellen Mustern. "The Laughing Cow" (franz. "La vache qui rit") reproduziert das Logo der französischen Milchprodukte-Firma, um den Schmelzkäse als das zu kennzeichnen, was er ist: ein Massenprodukt. (Thomas Bayrle, "The Laughing Cow", 1967/2015)

Wer Lust bekommen hat, seinen eventuell anstehenden London-Trip mit ein wenig Pop-Art aufzupeppen: Die Ausstellung "The World Goes Pop" läuft noch bis zum 24. Januar 2016. (Boris Bucan, "Bucan Art according to JAT Airways", 1972)

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