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Samstag, 30. Juni 2018

Fotorealismus mit gewissem Etwas: Anders Gjennestad - von der Straße in die Galerien der Welt

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Ein höflicher Gigant sei ihr da begegnet, schreibt Yasha Young, Kuratorin des "Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art" in Berlin, im Vorwort zum Katalog der Ausstellung "Canvas" von Anders Gjennestad. (Foto: Gjennestad_Honolulu_88x66cm_wood)

Ein höflicher Gigant sei ihr da begegnet, schreibt Yasha Young, Kuratorin des "Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art" in Berlin, im Vorwort zum Katalog der Ausstellung "Canvas" von Anders Gjennestad.

Ein höflicher Gigant sei ihr da begegnet, schreibt Yasha Young, Kuratorin des "Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art" in Berlin, im Vorwort zum Katalog der Ausstellung "Canvas" von Anders Gjennestad.

An einer Wand in einer kleinen Stadt in Norwegen hätte sie ihn entdeckt. Nicht ihn natürlich, sondern ein kleines Kunstwerk.

Es war die winzige Figur eines die Wand hinauf- und hinabtanzenden Jungen, eine schwarzweiße Schablonen-Arbeit von äußerst detaillierter Qualität.

Die Figur schien der Schwerkraft zu trotzen - um Young war es geschehen. Den Schöpfer dieses Kunstwerks wollte sie unbedingt kennenlernen.

Das gelingt ihr dann auch, allerdings erst in Berlin, denn dorthin war der norwegische Künstler inzwischen gezogen. In Berlin arbeitet Gjennestad mit handgeschnittenen Schablonen und mehrfach übereinander gelagerten Schichten von Aerosol auf Fundstücken aus Stahl, Eisen und Holz, die er an verlassenen Orten sammelt.

Young beschreibt seine Arbeitsweise in einem dachbodenähnlichen Atelier folgendermaßen: "Alte Türen, Schränke, Metallplatten, ausgemustertes Spielzeug. An der Wand im Entstehen begriffenene Arbeiten auf verschiedene Oberflächen. Überall Papierstücke und Schneidemesser, in der Luft der Geruch des frischen Aerosols." Während sie reden, arbeitet er weiter und Young sieht dabei zu, wie "diese mächtigen Hände die fragilsten Schablonen mit makelloser Perfektion schneiden".

Das klingt sinnlich. Und während seine Stencils nun also in einer Parallelwelt zu agieren und existieren scheinen, ist der Betrachter eingeladen, sich selbst innerhalb der übereinandergelegten Schichten von Bedeutung, Gedanken, Geschichte und Ausführung des Kunstwerkes zu verorten.

Er wird ermutigt, die Art und Weise des Zusammenwirkens von Oberfläche und Objekt zu untersuchen und infrage zu stellen.

Dazu kann man inzwischen nur sagen: Mission erfüllt. Anders Gjennestads Galerist, Alexander Friedmann-Hahn, ist mehr als glücklich über den Erfolg der noch laufenden Ausstellung: "Es geht stramm ...

... in Richtung Ausverkauf und die Begeisterung bei den Sammlern und Besuchern ist überwältigend."Bis zum 8. Juli 2018 kann man Anders Gjennestad noch in der Galerie sehen. Danach sollte man die Augen vielleicht einfach ein bisschen aufhalten, ...

... denn er kombiniert seine Urban Art ja noch immer auf Hauswänden und an verborgenen Orten mit den Objekten, die er in Galerien und Museen zeigt.

Die Arbeiten von Gjennestad, Künstlername STRØK, wurden bereits in vielen internationalen Ausstellungen gezeigt. Doch was fasziniert die Menschen an der Kunst des 1980 in Arendal geborenen Künstlers so sehr, ...

... dass an fast jedem Ausstellungsobjekt in Berlin ein roter Punkt klebt?

Es sind wohl die Augenblicke, die ihre eigene Geschichte transportieren.

Fundstücke, die eine Geschichte haben. So gelingt es ihm, ...

... vergessenen Materialien eine neue Identität und Bedeutung zu geben.

Der Charakter des Materials und der Zerfall wird in seinen Arbeiten widergespiegelt.

Das wirkt "echt", authentisch, und das ist es, was die Menschen momentan sehen wollen.

Eine weitere Besonderheit sind die Schlagschatten, die sich unter seinen Figuren entlangziehen.

Man merkt Gjennestad an, dass er "von der Straße kommt". Und auch, wenn er inzwischen in den Räumen renommierter Galerien gelandet ist - seinen Bezug zur urbanen Kunst, die "draußen" stattfindet, wird er wohl nie verleugnen - weder können noch wollen. (soe)

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