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Montag, 29. Januar 2018

Politisch wie nie in New York: Frauen kommen von der Venus, Grammys vom Mars

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Lasst uns die Vielfältigkeit preisen. (Foto: imago/UPI Photo)

Lasst uns die Vielfältigkeit preisen.

Lasst uns die Vielfältigkeit preisen.

Die Vielfältigkeit, die allein schon unter Frauen herrscht.

Sehen wir uns doch einfach mal unseren besten Export-Artikel ...

... Heidi Klum an: Sie erscheint auf jedem roten Teppich, der diesseits des Atlantischen Ozeans ausgerollt wird, ...

... meist in fragwürdigen Kostümierungen.

Bei den Grammys geht Heidi, die ja eine rheinische Frohnatur ist und den Karneval liebt, ...

... dann auch als eine Mischung aus heißer Flamenco-Tänzerin und dem, was an Doris Day in den Endfünfzigern wahrscheinlich als "hot" bezeichnet worden wäre.

Heute ringen wir uns ein müdes Lächeln ab und sagen mal, dass Heidi kein Foto erhält, denn Thema verfehlt.

Bei den 60. Grammys ging es dieses Jahr nämlich um Inhalt. Und den musste man nicht unbedingt sofort sehen, sondern der kam von innen.

Heidi ist ja bei Weitem nicht die Einzige, die sich im eher dunklen New York vielleicht im Kleiderschrank einfach nur vergriffen hat, aber es ist schon auffällig, wie manche Mädels immer wieder den Trend verpennen.

Zu den Golden Globes gehen alle in Schwarz?

Mir doch egal, dachte sich da neulich Model Barbara Meier und kam halt blumig daher zwischen all den politisch Interessierten und denen, die ein Statement abliefern wollten in Sachen Frauen, Sexismus, #MeToo und so weiter. Egal.

Aber wenn selbst eine Pink, ...

... die sonst ja gern im Eva-Kostüm ...

... oder mit halsbrecherischen Kunststücken an der Saaldecke ...

... auffällt, ...

... in Jeans und T-Shirt auftritt, um "Wild Hearts Can’t Be Broken" zu singen - ihrer Ballade, die von ihrem hochpolitischen letzten Album "Beautiful Trauma" stammt und eine feministische Auseinandersetzung ...

... mit dem sogenannten Trump-Amerika ist, also wenn selbst Pink den Schuss gehört hat, ...

... wo in der Whatsapp-Gruppe der Grammy-Frauen ist denn da die Mitteilung: "Hallo Girls, dieses Mal nicht alle in Schwarz, und Oprah ist auch nicht da, aber dafür alle nicht so sexy, sondern eher schlicht" nicht angekommen?

Und das sagt Pink selbst: Mal abgesehen davon, dass sie sich "den f***ing Ar*** abgesungen hat, freut sie sich sehr, dass ihre kleine Willow ihr Idol RiRi (Rihanna) getroffen hat und dass ihre Mama und ihr Mann supi aussahen.

Außerdem erfahren wir, dass ihr federleichter Dress von Armani ist und sie sich ihre Drinks anscheinend selbst kauft. Selbst bei den Grammy Awards.

So weit so Gaga - apropos: die Lady unterbrach kurz ihre Europa-Tour ...

... und erschien pudrig zart in New York, wo die Grammys erstmals seit 15 Jahren wieder über die Bühne gingen (davor in L.A.) - um ...

... ihren gefühlvollen Hit "Joanne" zu performen.

Kommen wir zu den Männern.

Warum erst jetzt?

Wo sie doch die Abräumer des Abends waren.

Ja, warum? Ganz klar: ...

Weil sie, also die Männer, die Sieger des Abends sind.

Und eigentlich wollen wir ja keine Rechnung aufmachen - hier die Frauen, da die Männer - aber selbst in dieser ultra-coolen Musikindustrie, wo alle darüber singen dürfen, was in ihnen vorgeht, ...

... wie sie sich fühlen und so weiter, da schaffen es die Männer doch irgendwie, die meisten Preise abzuräumen.

Was ist los, Mädels?

Es reicht anscheinend noch nicht, ...

... die Girls müssen noch eine Schippe drauflegen.

Sonst wird das nix.

Es gibt noch mehr Gewinner als Bruno Mars, ...

... aber den wollen wir natürlich würdigen, ...

... denn er bekam sechs der Trophäen ...

... und stach damit alles aus, was sich ihm gern in den Weg gestellt hätte.

Er war der König des Abends, seine Preise bekam der 32-Jährige für ...

... Album des Jahres: "24K Magic", ...

... Aufnahme des Jahres: "24K Magic", ...

... Bester R&B-Song: "That's What I Like", ...

... Song des Jahres (Songwriter-Preis): "That's What I Like"), ...

... Beste R&B-Darbietung, ...

... und Bestes R&B-Album: "24K Magic".

So, stopp, die anderen wollen auch noch!

Immerhin fünf Preise gehen an Kendrick Lamar: ...

... Beste Rap-Darbietung, ...

... Bestes Rap-Album: "Damn.", ...

... Bester Rap-Song: "Humble.", ...

... Beste Rap/Gesangsdarbietung: Kendrick Lamar feat. Rihanna, "Loyalty" ...

... und Bestes Musikvideo: "Humble".

Da konnten auch die Gratulanten Tony Bennett und John Legend nur noch singen: "If I can make it there, I'll make it anywhere, it's up to you, New York New York."

Hach ... überhaupt Tony Bennett: der wurde ausgezeichnet für sein Album "Tony Bennett Celebrates 90".

Er erhielt den Grammy für das "Beste traditionelle Pop-Gesangsalbum".

Ist das denn zu glauben? Der Mann ist 90. Neunzig.

Da können die jungen Dinger sich eine große Scheibe abschneiden von diesem Durchhaltevermögen.

Kendrick Lamar ist auf dem besten Weg. Der 30-Jährige eröffnete die von ...

... Late-Night-Talker James Corden moderierte Show: "Amerikas ethnisch vielfältigste Preisverleihung mit Amerikas ethnisch einseitigstem Moderator." (Zitat) Corden-typisch eben ...

Lamar, der wie kaum ein Zweiter die Zustände in den USA an den Pranger stellt, ...

... der sich gegen den amtierenden Präsidenten ausspricht und mit seiner Verachtung für Medien wie "Fox" nicht hinter dem Berg hält, ...

... braucht nicht einmal mehr Unterstützung von Bono und seinen U2-Mannen, um seine Message klar und deutlich rüberzubringen.

Auf seinem aktuellen Album "Damn." gibt es diverse Anspielungen, und auch in der zuvor veröffentlichten Single "The Heart Part 4" wendet er sich direkt an den Präsidenten, nennt ihn gar einen "Trottel".

Der Preisträger war nicht vor Ort, so dass Gary Clark jr. und Jon Batiste den Preis für die Beste Pop-Solodarbietung: ("Shape of You") und Bestes Pop-Gesangsalbum ("Divide") ins Leere vergeben mussten.

Ed Sheeran wird es trotzdem gefreut haben.

Ebenfalls ausgezeichnet: Kraftwerk, und zwar für Bestes Dance/Elektro-Album: "3-D The Catalogue" ("3D Der Katalog"), ...

... Portugal. The Man für Beste Pop-Darbietung eines Duos/einer Gruppe ("Feel It Still").

Der Preis für das beste Urban-Contemporary-Album geht an "Starboy" The Weeknd.

Bestes Alternative-Album: "Sleep Well Beast", The National.

Drei Grammys, darunter Bestes Country-Album "From a Room: Vol. 1." für Chris Stapleton.

Noch mehr Männer, aber draußen: U2, immerhin angekündigt ...

... von Camilla Cabello, die mit ihrem Hit "Havanna" die Charts stürmte, aber keinen Grammy mit nach Hause nehmen durfte. Dafür hielt sie eine bewegende Rede: "Heute erinnern wir uns in diesem Raum, der voll mit den Träumern der Musik ist, daran, dass dieses Land von Träumern, für Träumer aufgebaut wurde, die an den amerikanischen ...

... Traum glaubten. Ich stehe heute Abend hier auf dieser Bühne, da mich meine Eltern genau wie die anderen Träumer mit nichts als Hoffnung in ihren Taschen in dieses Land brachten. Sie zeigten mir, was es bedeutet, doppelt so hart zu arbeiten und niemals aufzugeben", so Cabello.

"Kein Teil meiner Reise unterscheidet sich von dem der anderen Träumer. Ich bin eine stolze kubanisch-mexikanische Einwanderin, die im Osten Havannas geboren wurde und heute Abend auf der Grammy Bühne in New York City vor euch steht".

Wer sich jetzt wundert: "Die "Grammys - war da nicht immer was mit Palmen?" - der hat recht. Anlässlich des 60. Jubiläums kehrte die Auszeichnung der US-amerikanischen Plattenindustrie nach 15 Jahren in Los Angeles wieder ...

... an New Yorks Madison Square Garden zurück.

U2 wurden übrigens - mit der immer wieder imposanten Freiheitsstatue im Hintergrund - vom Hafen dazugeschaltet. Sie boten auf einer Bühne auf dem Hudson River ihren neuen Song "Get Out of Your Own Way" dar.

Puh, das war jetzt viel Testosteron, auch wenn das ja nicht immer schlecht ist. Aber die Aussage von Sting, der mit einer starken Frau (Trudie Styler) gesegnet ist und starken Töchtern, dass er sich einfach eine bessere Welt für Frauen wünscht, sagt doch alles.

Äh Moment, Sting und Shaggy? Yo, die singen jetzt zusammen "Jamaican in New York" nach Stings altem Hit "Englishman in New York" und bringen ein gemeinsames Album im April heraus. Da sind wir gespannt.

Und ja, es ist total okay, wenn Ed Sheeran statt Kesha gewinnt (sie war nominiert für ihr Pop-Album "Rainbow"), denn dafür legte sie einen der besten Auftritte des Abends hin: ...

... ganz in Weiß und mit einem rein weiblichen Backgroundchor, bestehend aus niemand Geringerem als Cyndi Lauper, Camila Cabello, Julia Michaels und Andra Day, sang sie ihren Hit "Praying".

Eine Ballade, in der sie ihre Erfahrungen mit sexueller und psychischer Gewalt verarbeitet. Ein bewegender Moment, nicht nur auf der Bühne.

Der Grammy für die beste Newcomerin ging an Alessia Cara, eine junge Kanadierin, die ihre Songs mit viel feministischem Empowerment spickt.

Und dass Männer und Frauen übrigens am besten funktionieren, ...

... wenn sie zusammen und gleichberechtigt sind, ...

... zeigt der Auftritt von Rihanna, DJ Khaled und Bryson Tiller, die "Wild Thoughts" ...

... ganz in Rot als sexy Tanznummer präsentierten.

Dass es im Musikbusiness nicht viel anders zugeht als in Hollywood, darauf machte Sängerin Janelle Monae aufmerksam.

Was bleibt? Hoffnung! Die stirbt bekanntlich zuletzt. Die weiße Rose (hier in Miley Cyrus' Händen) war ein auffälliger Begleiter vieler Künstler, die damit ihre Solidarität zu #MeToo ausdrücken wollten. (soe)

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