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Mittwoch, 19. September 2018

Psychopath, Papst und Patriarch: Jeremy Irons, Sex-Gott a. D.

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"Schauspielen ist seltsam, weil zur Hälfte du es bist, und zur Hälfte die Rolle, die du spielst", sagte Jeremy Irons dem "Telegraph" einmal. (Foto: dpa)

"Schauspielen ist seltsam, weil zur Hälfte du es bist, und zur Hälfte die Rolle, die du spielst", sagte Jeremy Irons dem "Telegraph" einmal.

"Schauspielen ist seltsam, weil zur Hälfte du es bist, und zur Hälfte die Rolle, die du spielst", sagte Jeremy Irons dem "Telegraph" einmal.

Dafür macht er das aber echt schon recht lange. Und gut.

Völlig loszulassen, das sei schwer, findet er auch. Dabei hat der Schauspieler durchaus den Ruf eines Lebemanns und Herzensbrechers.

Auch ein paar Laster genießt er: ...

... "Ich mag Regeln nicht und breche so viele wie möglich", sagte er der "New York Times".

Heute lebt Irons an drei verschiedenen Orten. Er hat ein Haus in London, eines in Oxfordshire und eine irische Festung aus dem 15. Jahrhundert.

Die Heimeligkeit ist Irons offenbar ein Bedürfnis. Auf Tour verleiht er seinen Hotelzimmern nach eigener Auskunft mit selbst mitgebrachten Stoffen eine eigene Note.

Seine Markenzeichen sind - noch immer - seine ruhige, klangvolle Stimme und seine feingliedrige, kantige Erscheinung, ...

... die von vielen als "aristokratisch" bezeichnet wird.

Der britische Schauspieler wird am 19. September 2018 tatsächlich 70 Jahre alt.

Grund genug, um mal wieder einen Blick auf sein Leben zu werfen.

Überzeugt hat Irons schon in vielen Rollen: ...

Als Antiheld, ...

... Psychopath, ...

... Patriarch.

Er war als skrupelloser Papst Alexander VI. zu sehen, ...

... in der dritten und letzten Staffel der Historienserie "Die Borgias".

Dem "Telegraph" sagte Irons einmal über die Rolle: "Ich habe noch nie einen Charakter, den ich gespielt habe, gehasst. ...

... Ich versuche immer, Menschlichkeit zu finden und den Grund für sein Verhalten."

Geboren wurde Irons 1948 in Cowes, einem kleinen Ort auf der Isle of Wight. Er besuchte ein Internat in Dorset, ...

... wo er - wie er später einmal sagte - eine "kunstfeindliche" Erziehung bekam.

Zum Ausgleich spielte er Theater und in der Schulband. Danach wollte er eigentlich Tiermedizin studieren, doch seine Noten in Physik und Chemie waren zu schlecht.

Deshalb jobbte er als Bühnenarbeiter und entdeckte seine Leidenschaft.

"Das Theater, die Menschen, die Arbeitszeiten. Von der Schauspielerei war ich da zwar noch weit entfernt, aber ich habe gemerkt, dass ich es liebe", so Irons.

Kurz darauf ergriff er die Chance zu einer zweijährigen Schauspielausbildung in Bristol.

"Ich liebte es, dass wir um zehn Uhr aufstehen konnten und um zwei Uhr ins Bett gingen, also mit den anderen nicht synchron waren. Ich liebte die Gerüche, ich liebte die Einstellung."

Seine Ausbildung finanzierte er mit Antiquitätenhandel. Als Ziel setzte er sich damals, bis spätestens zum 30. Geburtstag den Durchbruch zu schaffen.

Nach mehreren Jahren auf der Bühne gab er 1980 schließlich sein Debüt im Spielfilm "Nijinsky" von Herbert Ross.

Mit 33 dann der Durchbruch, als er im Oktober 1981 nicht nur die Hauptrolle in der britischen Fernsehserie "Wiedersehen mit Brideshead" sondern auch im Kinofilm "Die Geliebte des französischen Leutnants" an der Seite von Meryl Streep spielte.

Auf der Leinwand mimte er oft Charaktere, die - wie er selbst - wohlerzogen waren, doch auch gefühlskalt und raffiniert. Die Rolle des ewigen Gentleman holte ihn in seiner Karriere immer wieder ein.

So verkörperte er unter anderem den des Mordes angeklagten, dekadenten Bankier Claus von Bülow ...

... in "Die Affäre der Sunny von B." und kassierte einen Oscar für seine Darstellung.

Fortan rissen die Medien und die Menschen sich um den charismatischen Briten.

Es folgte die Rolle eines Jesuitenpaters mit seelischen Abgründen in "Mission" ... (Foto: mit Regisseur Roland Joffe)

... und psychotische Gynäkologen-Zwillinge in "Die Unzertrennlichen".

Irons, der für viele Fans mit der ruhigen Stimme, ...

... dem gescheitelten Haar ...

... Haar und der schlaksigen Haltung ...

... den typischen Briten verkörpert, ...

... hatte schon immer ein Faible für Charakterrollen.

"Ich denke immer wieder, dass ich genug Verrückte gespielt habe", sagte er dem "Telegraph".

"Aber ich kann mir nicht helfen. ...

... Dunkle, mysteriöse Charaktere mit Geheimnissen ziehen mich magisch an."

So war er denn auch unvergesslich als Antiheld Humbert Humbert ...

... in der Neuverfilmung des Literaturklassikers "Lolita".

Der Film über die leidenschaftliche Affäre eines alternden Literaturprofessors mit einem 12-jährigen Mädchen sorgte in vielen Ländern zwar für Aufregung und kam bei Kritikern nicht gut an.

Irons allerdings wurde eine gute Leistung bescheinigt.

In den 90er Jahren wandte er sich auch anderen Rollen zu.

So verkörperte er im Action-Streifen "Stirb langsam: Jetzt erst recht" den Gegenspieler von Hauptdarsteller Bruce Willis.

Auch in den vergangenen Jahren blieben seine Rollen vielseitig.

Im Thriller "Der große Crash" etwa spielte Irons einen Bankchef ...

.... und in "Nachtzug nach Lissabon" einen Altphilologen, der die Zeit zurückdrehen möchte.

Unvergessen bleiben seine Auftritte in ...

... "Die Geliebte des französischen Leutnants", ...

.... "Eine Liebe von Swann", (mit Ornella Muti)...

... "Verhängnis", ...

... oder dem TV-Film "Georgie O'Keefe" über die US-amerikanische Künstlerin (dargestellt von Joan Allen).

So vielen Frauen er im Kino auch schon ...

... den Kopf verdreht hat: ...

... Im wahren Leben ist er nur einer treu.

Irons ist in zweiter Ehe seit 1978 mit der Schauspielerin Sinead Cusack verheiratet, ...

... die beiden haben zwei Söhne.

40 Jahre später ...

... gehören sie zu den glücklichen "Hollywood"-Paaren, die es ohne Skandale schaffen.

Ans Aufhören denkt der Schauspieler nicht.

Zuletzt stand er in diesem Frühjahr mit "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill im Londoner Westend und in Kalifornien auf der Bühne.

Gerade ist sein Film "An Actor Prepares" über eine abenteuerliche Vater-Sohn-Reise herausgekommen. Und im kommenden Jahr wird er in der HBO-Superhelden-Serie "Watchmen" zu sehen sein - außerdem möglicherweise in Ben Afflecks "The Batman" als Butler Alfred.

Dem "Belfast Telegraph" erzählte er, wie er die freie Zeit nutzt: Er entspanne in seinem Garten, beim Motorradfahren und Segeln. "In meinem Alter fängst Du an, daran zu denken, dass es nicht mehr so viele Sommer geben wird, also mache ich besser das Beste daraus."

Er habe ein bisschen weniger Appetit, sagte er zu seinem 65. Geburtstag "Aber ich könnte noch 20, 30 Jahre leben, also kann ich nicht aufhören. ...

... Und ich würde auch nicht wollen. Denn wenn die Arbeit gut ist und Spaß macht, gibt es nichts Besseres." (soe/dpa)

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