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Montag, 12. Januar 2009

"The Sound of Young America": Motown wird 50

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"All over the world, all through the races, all through everything, Motown bridged a gap ... and I'm so proud of that!", huldigt William "Smokey" Robinson dem legendären Plattenlabel, das am 12. Januar seinen 50. Geburtstag begeht.

"All over the world, all through the races, all through everything, Motown bridged a gap ... and I'm so proud of that!", huldigt William "Smokey" Robinson dem legendären Plattenlabel, das am 12. Januar seinen 50. Geburtstag begeht.

"All over the world, all through the races, all through everything, Motown bridged a gap ... and I'm so proud of that!", huldigt William "Smokey" Robinson dem legendären Plattenlabel, das am 12. Januar seinen 50. Geburtstag begeht.

Robinson, später auch Vize-Präsident des Labels, wird mit der Band The Miracles 1959 als erstes bei Motown unter Vertrag genommen.

Die Brücke, von der er spricht, ist die zwischen schwarzer Soul-Musik und einem weißen Publikum. Motown macht schwarze Musik salonfähig.

Talentierte und namhafte Künstler machen bei der Plattenfirma Karriere und beherrschen in den 60er und 70er Jahren die Spitzen der Charts: Marvin Gaye, ...

... Stevie Wonder, ...

... The Temptations oder Diana Ross & The Supremes.

Die Erfolgsgeschichte beginnt 1959, als Berry Gordy Jr. (rechts, mit Smokey Robinson) das große Geld in der Musikproduktion und im Künstlervertrieb wittert, nachdem er seine Brötchen zunächst als Profiboxer und Songschreiber in Detroit verdient hat.

Mit 800 Dollar Startkapital, von der Familie zusammengeliehen, gründet er das Plattenlabel Tamla Records. Ein Haus auf dem West Grand Boulevard in Detroit wird selbstbewusst mit der Aufschrift "Hitsville U.S.A." versehen, darin findet das Aufnahmestudio "Studio A" Platz.

1960 gründet Gordy Jr. das Schwesterlabel Motown Records, das der Mutterfirma schließlich den Namen gibt und der Autostadt Detroit huldigt - der "Motor Town". Bald gibt es viele weitere Sub-Labels.

Motowns erster Hit, Barrett Strongs "Money (That's What I Want)", steht fast schon programmatisch für den kommenden Erfolg und die kommerzielle Ausrichtung des Labels.

1961 unterschreiben der elfjährige Stevie Wonder und The Temptations (im Bild) bei Motown.

Den ersten Nummer-Eins-Hit in den Billboard-Charts bringen The Marvelettes mit "Mr. Postman". (Screenshot youtube)

Im selben Jahr nimmt Motown The Supremes unter Vertrag, ein Frauen-Trio, bei dem sich bald Diana Ross als Star der Gruppe herauskristallisiert und zum Liebling und zur Lebensgefährtin Gordys wird.

Die Firma expandiert, Motown wird zur Hitfabrik und seine Künstler stürmen die Hitlisten. (Martha Reeves & The Vandellas)

In den 60er Jahren produziert Motown über 100 Top-Ten-Hits. The Four Tops ...

... oder Gladys Knight & the Pips sind weitere erfolgreiche Acts des Labels.

Doch der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Hinter Motown steckt ein gewaltiger Apparat an professionellen Musikern und Produzenten, der die jungen Künstler wie Marvin Gaye aufbaut und ihnen das typische Motown-Image verpasst: ...

... das des adretten, eleganten Künstlers, der trotz seiner oft einfachen Herkunft wohlerzogen auftritt. Die Sänger sollen vor den weißen Medien und einem weißen Publikums bestehen und so Vorurteile gegen schwarze Musiker abbauen. (Stevie Wonder)

Produziert wird wie am Fließband. Professionelle Songwriter wie das 1967 wegen Tantiemen-Streitigkeiten aussteigende Erfolgstrio Holland-Dozier-Holland ...

... oder Norman Whitfield sorgen beständig für Nachschub.

Die Studiomusiker The Funk Brothers liefern den typischen Motown-Sound für hunderte von Songs und bleiben trotz stets brillanter Arbeit weitestgehend unbekannt. Erst der Film "Standing in the Shadow of Motown" aus dem Jahr 2002 würdigt ihre Leistung.

Der Sound verbindet Soul mit Pop-Elementen, die Melodien sind harmonisch und eingängig, ...

... die Choreographien schillernd und elegant: Ein glatter, mehrheitsfähiger Stil, der zum "Sound of Young America" wird - wie sich das Label Ende der 60er selbst bewirbt.

Und allmächtig hat Patriarch Gordy Jr. stets das Sagen: Regelmäßig macht er Qualitätskontrollen, nur absolut hitverdächtige Stücke bekommen eine Chance, der Rest landet in der Versenkung. Wer keine Hits bringt, muss gehen.

Die Aufnahmestudios, darunter das legendäre "Studio A", auch "Schlangengrube" genannt, sind 24 Stunden am Tag geöffnet. Es wird getourt, aufgenommen und wieder getourt. (Martha Reeves vor dem ersten Motown-Gebäude, heute ein Museum)

Reich wird vor allem der Chef, viele Künstler bekommen nur wenig Gage für ihre Songs. Sind sie zu unbequem, werden sie ausgetauscht. (Gordy erhält 1968 den NACCP-Arward für seine Verdienste um die Rechte der Afro-Amerikaner)

So wird Florence Ballard, ursprünglich Leadsängerin bei den Supremes, 1967 ersetzt. Vermutlich war sie verärgert über die herausgehobene Stellung von Diana Ross.

Zum größten Erfolg Motowns werden die 1969 unter Vertrag genommenen Jackson Five.

Die fünf Brüder um den späteren "King of Pop" Michael Jackson werden national und international eine Sensation.

Michael Jackson schafft es 1970 im Alter von elf Jahren zum jüngsten Nummer-Eins-Sänger der Musikgeschichte.

Ab 1972 verliert Motown allmählich an Bedeutung, das Unternehmen zieht nach Los Angeles um, um auch im Filmgeschäft erfolgreich zu sein.

In "Lady Sings the Blues" spielt Diana Ross die Hauptrolle, Motown ist an dem für mehrere Oscars nominierten Film beteiligt.

Doch die klassische Motown-Zeit ist beendet. Nach und nach trennen sich die Stars von der Firma, vor allem der Weggang von Diana Ross 1981 kennzeichnet das Ende der bedeutungsvollen Zeit des Labels. (Diana Ross mit Michael Jackson, 1981).

Zwar bietet Motown auch in den 70ern und 80ern erfolgreiche Musiker auf, darunter Lionel Ritchie oder The Commodores. Doch an alte Glanzzeiten kann es nicht mehr anknüpfen.

Die Firma verliert Kapital und 1988 verkauft Gordy das Label für 61 Millionen Dollar an den Plattenriesen MCA.

Es folgen Fusionen mit anderen Labels, häufig wechselnde Geschäftsführer und verschieden Großkonzerne als Besitzer. In den 90ern werden Acts wie Boyz II Men oder Erykah Badu (im Bild) erfolgreich.

Heute gehört das Label zur Universal Music Group und hat Künstler wie die Schauspielerin und Pop-Sängerin Lindsay Lohan oder R'n'B-Sängerin Ashanti unter Vertrag. Der letzte verbliebene Künstler aus der klassischen Motown-Zeit ist Stevie Wonder.

Trotz viel Kritik am Label und seinem Übervater Gordy, wie am extremen Kommerzstreben, an seiner Allmacht oder der Fließbandproduktion und starken Ausrichtung auf den Markt: Motown setzte Maßstäbe und war wegweisend.

Seine Stars und Hits prägten nicht nur die zeitgenössische Musik nachhaltig und seine Produktionsmaschinerie beeinflusste die Musikindustrie. Das Label gab einem ganzen Genre seinen Namen: Motown-Sound. (Screenshot classic.motown.com)

Wie kein anderes Label trug Motown zum Erfolg farbiger Künstler bei, machte ihre Musik salonfähig, erschloss ihnen ein weißes Publikum und revolutionierte damit die Popmusik.

Hits wie "My Girl" von den Temptations, "What's Going On" von Marvin Gaye oder "I Want You Back" von den Jackson Five bleiben im Ohr und sind Teil der Musikgeschichte. (Stevie Wonder und Lionel Ritchie, Text: Nadin Härtwig)

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