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Mittwoch, 11. Oktober 2017

Sex and the City - in Böse : Und keiner wusste was über Harvey Weinstein? Really?

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Aber so stark sind Frauen überwiegend leider nicht - und der Druck, unter dem Frauen in der Traumfabrik Hollywoods stehen und schon immer standen, ist nicht zu unterschätzen. (Foto: imago/Independent Photo Agency)

Aber so stark sind Frauen überwiegend leider nicht - und der Druck, unter dem Frauen in der Traumfabrik Hollywoods stehen und schon immer standen, ist nicht zu unterschätzen.

Das hier ist die einzige Reaktion, die man einem Mann entgegenbringen sollte, der etwas von einer Frau will, die nicht das Gleiche von ihm will.

Aber so stark sind Frauen überwiegend leider nicht - und der Druck, unter dem Frauen in der Traumfabrik Hollywoods stehen und schon immer standen, ist nicht zu unterschätzen.

Asia Argento kann ein trauriges Lied davon singen. Die Schauspielerin, die bereits in Italien erfolgreich war und als 20-Jährige einen Anruf aus Hollywood erhielt, wurde von Harvey Weinstein zu oralem Sex in einem Hotelzimmer gezwungen.

"Er versetzte mich in Panik. Und er war so groß. Es hörte nicht auf, es war ein Alptraum," erzählt die mittlerweile 42-Jährige.

Doch warum erst jetzt? Weil sie Angst hatte, dass er sie vernichten würde. "Ich weiß, dass er schon viele Menschen vernichtet hat", so Argento gegenüber dem Magazin "New Yorker".

Auch Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow gehören zu den Weinstein-Opfern. Allerdings sind beide höchst unterschiedlich damit umgegangen.

Paltrow hatte ihrem damaligen Freund Brad Pitt von den sexuellen Annäherungen Weinsteins erzählt. Sie war damals 22.

Pitt habe daraufhin Weinstein bei nächster Gelegenheit zur Seite genommen und ihm nahegelegt, sich seiner Freundin nie wieder zu nähern.

Weinstein jedoch, der sich schon immer nahm, was er wollte ("Ich bin ein berühmter Mann, ich bin daran gewöhnt", hört man auf einem Mitschnitt in einem Hotel, als er versucht, eine junge Frau in sein Zimmer zu bekommen) drohte zurück, dass er ihre Karriere vernichten würde.

Daher ließ sich Paltrow auch nur zwei Jahre später wieder auf Weinstein ein: "Shakespeare in Love" brachte ihr 1999 einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Die heute 45-Jährige hat geschwiegen für ihre Karriere - wie vermutlich einige andere auch. Und ihre Heul-Attacke erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Eine weitere Freundin Brad Pitts war ebenfalls Opfer der Avancen des Film-Moguls: Angelina Jolie.

Sie habe sich jedoch entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten und auch anderen Frauen davon abgeraten. Eine Verhaltensweise, die Männern nicht so leichtgefallen zu sein scheint.

Bevor George Clooney hauptberuflich Ehemann wurde und noch mehr Zeit vor als hinter der Kamera verbrachte, hatte auch er viel mit Harvey Weinstein zu tun. Ihm gelingt es jetzt jedoch, seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen, auch wenn er etwas gewusst haben könnte.

Clooney hat Weinstein viel zu verdanken, so viel steht fest. Und man beißt nicht die Hand, die einen füttert, alles klar.

Im Jahr 1996 hatte George Clooney in Quentin Tarantinos "From Dusk Till Dawn" seinen Durchbruch, von da an ging es nur noch bergauf. "Wir hatten gemeinsame Abendessen, wir waren zusammen am Set, wir hatten Streit. Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich niemals solch ein Verhalten gesehen habe - nie," beteuert der Zwillingsvater.

Aber Clooney sagt auch, dass er seit den 1990er-Jahren "Gerüchte" über Weinstein gehört hatte. Allerdings sei ihm immer nur zu Ohren gekommen, dass "bestimmte Schauspielerinnen mit Harvey geschlafen hätten, um eine Rolle zu bekommen". Darauf habe er aber nichts gegeben, weil er es schlicht für dummes Gerede hielt.

Häh? Soll man jetzt Mitleid bekommen mit Harvey Weinstein, weil der dicke arme Junge aus Flushing, New York von den bösen Frauen immer nur ausgenutzt wurde?

Das soll wohl ein Witz sein! Vielmehr fragen wir uns jetzt, warum Typen wie Brad Pitt und George Clooney, die mit den relevanten Frauen entweder zusammen oder befreundet waren, nicht ein einziges Mal nachgebohrt haben!

Pitt mag seine damalige Freundin beschützt haben, ja, aber hat es nachhaltig gewirkt? Nein. Hat es andere Frauen gerettet? Nein! Pitt hat sein "Eigentum" verteidigt gegen einen Wildpinkler, danach aber seelenruhig weitere Filme mit Harvey Weinstein abgedreht: "Confessions of a Dangerous Mind" (2002) und ...

... "Inglourious Basterds" (2009). Immer deutlicher wird, dass in Hollywood die Uhren komplett anders gehen für Männer und Frauen, für Produzenten und Schauspieler.

Weitere Belästigungen gingen gegen Rosanna Arquette, die besonders drastische Worte findet, ihre "Begegnung" mit dem Film-Millionär zu beschreiben: ...

... "Ich sollte seinen erigierten Penis berühren. Er packte meine Hand. Mein Herz raste." Weinstein habe ihr gesagt, andere würden sowas nicht ablehnen und ihren Karrieren hätte das auch nicht geschadet. Arquette jedoch konnte sich seinem Übergriff entziehen.

Wenn wir es aber mal ganz kritisch betrachten: Den ganz großen Durchbruch hat die 58-Jährige nie gehabt. Ob das damit zu tun hat, dass sie sich einem wie Harvey Weinstein widersetzt hat, wird man wohl jedoch nie herausfinden können.

Mira Sorvino ist weggerannt.

Weinstein wollte, dass sie sich gegenseitig massieren.

Schauspielerin Rose McGowan schweigt. Noch.

Sie hat bei einer außergerichtlichen Einigung 100.000 Dollar von Weinstein erhalten, nachdem es in einem Hotelzimmer zu einem nicht näher beschriebenen "Vorfall" gekommen sein soll.

Was genau dieser "Vorfall" beinhaltet, ist noch unbekannt. Auch Ashley Judd (r.) gehört zu Weinsteins Opfern.

"Wie komme ich hier raus, ohne ihn zu verärgern", dachte Judd sich damals vor 20 Jahren, als Weinstein sie aufforderte, ihm beim Duschen zuzusehen.

Donna Karan war erst noch für ihn eingesprungen, indem sie den Frauen quasi eine Mitschuld daran gab, wenn ein Mann sich ihnen unsittlich näherte. Sie sagte einem Reporter am Rande einer Veranstaltung, dass Frauen sich mit der Art, wie sie sich geben und kleiden, ja quasi nicht wundern müssten, wenn dann "so etwas" passiere.

Später ruderte sie zurück ("Ich lehne jede Art von sexueller Belästigung ab"), nachdem Frauen wie Mia Farrow schrieben: "Keine Donna Karan-Klamotten mehr für mich, bitte", oder ...

... Helen Mirren, ...

... Judi Dench, ...

... Meryl Streep ...

... und Michelle Obama ...

... sowie Hillary Clinton sich gegen Weinstein aussprachen. Pikant: Weinstein hat Zigtausende Dollars für die Demokraten gespendet. Man überlege nun, heißt es aus dem demokratischen Lager, dieses Geld wohltätigen Zwecken zu spenden.

Besonders dramatisch: Weinstein schadete nicht nur vielen Frauen, seiner Firma, ...

... seinem Bruder und seiner Familie, ...

... er schadet auch seiner Frau. Abgesehen von der emotionalen Belastung hat Georgina Chapman ein florierendes Modelabel, Marchesa, das sehr gern von Promis auf dem Roten Teppich getragen wird.

Um den größten geschäftlichen Schaden abzuwenden, hat sie sich nun von ihrem Mann getrennt, nachdem der vor einigen Tagen noch behauptet hatte, sein Frau stünde hundertprozentig hinter ihm.

Nur zur Veranschaulichung: Cate Blanchett, ...

... Blake Lively ...

... und Halle Berry sind nur einige, die sich gern in den glamourösen Roben zeigten.

Chapman entschuldigt sich sogar noch bei allen Frauen, denen ihr Mann zu nahe gekommen ist.

Was jedoch noch viel schwerer ins Gewicht fällt: Die 41-jährige Chapman und Weinstein haben zwei Kinder. Sie sind sieben und vier Jahre alt. Denen zu erklären, was Daddy für einer ist ... wir wollen nicht in Georgina Chapmans Haut stecken.

Die Ex-Schauspielerin und erfolgreiche Designerin, schön und selbstbewusst, muss nun nicht nur mit einer persönlichen Krise klarkommen, sondern sich bestimmt auch fragen lassen, wie sie denn nie etwas bemerken konnte. Aber da ist sie ja nicht die Einzige.

Diese Frage geht auch und vor allem an die Herren, die jahrelang von einem wie Harvey Weinstein profitiert haben, von "Gerüchten" wussten und nun, sagen wir es mal so: schlicht und einfach zu bequem waren aus Angst um ihre eigenen Karrieren, so tun, als hätten sie rein gar nichts gewusst.

Und warum kommt das alles erst jetzt raus? Weil die ehemalige Schauspielerin und Drehbuchautorin Louise Geiss ihr Schweigen gebrochen hat. Daraufhin und durch die Arbeit des Sohnes von Mia Farrow, ...

... Ronan Farrow, der über einen Zeitraum von zehn Monaten recherchierte und mit 13 Frauen sprach, auch Angestellten, kam diese Welle in Gang. Ein Tsunami.

Armes Hollywood.

Wie bereits gesagt ... (Text: Sabine Oelmann)

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