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Mittwoch, 01. Juni 2011

Scheichs, Oligarchen und Unternehmer: Investoren im europäischen Fußball

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Der TSV 1860 München stand vor einigen Wochen kurz vor der Insolvenz - bis sich ein Geschäftmann aus dem arabischen Raum meldete. Bei den Löwen ... (Foto: picture alliance / dpa)

Der TSV 1860 München stand vor einigen Wochen kurz vor der Insolvenz - bis sich ein Geschäftmann aus dem arabischen Raum meldete. Bei den Löwen ...

Der TSV 1860 München stand vor einigen Wochen kurz vor der Insolvenz - bis sich ein Geschäftmann aus dem arabischen Raum meldete. Bei den Löwen ...

... erwarb der Jordanier Hasan Ismaik, der mit seiner Firmengruppe H.A.M in der Öl- und Immobilienbranche tätig ist, für rund 33 Millionen Euro 49 Prozent der Anteile des Zweitligisten. Die Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL) untersagen Privatpersonen, die Mehrheitsanteile an einem Verein zu erwerben, um den Einstieg rein gewinnorientierter Investoren zu verhindern.

Ismaik, hier mit 1860-Präsident Schneider, ist der erste arabische Investor im deutschen Fußball. Der Jordanier rettete die Löwen in höchster Not vor dem finanziellen Kollaps. Im Gegensatz zu Ismaik gibt es auch Geldgeber, die Vereine ohne jede finanzielle Not unterstützen, ...

... wie etwa Martin Kind. Der Hörgeräte-Hersteller und Präsident von Hannover 96 würde sein Engagement bei den Niedersachsen gerne ausweiten, darf aber ebenfalls nicht mehr als 49 Prozent der Klubanteile besitzen. Der 67-Jährige ist seit Jahren ein großer Gegner der 50+1-Regelung.

Seine Kritik richtet sich besonders in Richtung der Bundesligavereine, hinter denen große Unternehmen stehen. Eine Konstellation wie beim VfL Wolfsburg fällt beispielsweise nicht unter die 50+1-Regel. Die Volkswagen AG hält 100 Prozent der Anteile ...

... an der VfL Wolfsburg Fußball GmbH. Der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn durfte ...

... 2008 mit Trainer Felix Magath den Gewinn der deutschen Meisterschaft feiern.

Der Mäzen der TSG Hoffenheim, SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, hält keine Anteile am Verein. Aus seiner Stiftung fließt aber reichlich Geld an den Bundesligisten. Ohne seine großzügige Unterstützung ...

... würden Vedad Ibisevic und Co. wohl keine Bundesliga-Tore für die TSG bejubeln. Hopp spielte in der Jugend selbst für die Kraichgauer, und investierte in den vergangenen Jahren ...

... rund 250 Millionen Euro in den Verein. Auch den Bau der Rhein-Neckar-Arena für 60 Milionen Euro finanzierte Hopp. Neben dem Fußball unterstützt Hopp auch ...

... die Handballer von den Rhein-Neckar Löwen ...

... und das Eishockey-Team Adler Mannheim. Dietmar Hopp ...

... verfügt über ein geschätztes Privatvermögen von 4 Milliarden Euro.

Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz herrscht über ein regelrechtes Sportimperium und hat sich inzwischen auch im deutschen Fußball angesiedelt.

Der Verein RB Leipzig ging 2009 aus der Fußballabteilung des SSV Markkranstädt hervor. Red Bull ...

... erwarb die Lizenz des SSV Markkranstädt und gründete auf dieser Grundlage den neuen Verein, der in der Saison 2009/10 erstmals in der Oberliga an den Start ging.

Das DFB-Lizenzierungsverfahren genehmigt es auch nicht, die Namen von Unternehmen in Vereinstitel zu integrieren. Die Abkürzung "RB" steht deshalb offiziell für "RasenBallsport Leipzig", soll aber die Initialen von Red Bull symbolisieren.

Mateschitz, dessen Vermögen auf 3,7 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, ...

... kaufte 2006 die US-amerikanische Fußball-Franchise New York MetroStars für 30 Millionen US-Dollar von der Anschütz Entertainment Group. Durch sein Engagement konnten die New York Red Bulls den Welt- und Europameister Thierry Henry in den Big Apple locken.

Auch in der Formel 1 ist Red Bull aktiv. Im Jahr 2005 kaufte Mateschitz den Rennstall Jaguar Racing und gründete das Team Red Bull Racing. Das Jahresbudget von Sebastian Vettel und Co. wird auf rund 250 Millionen Euro geschätzt. Daneben ist Red Bull auch noch Inhaber des Partnerrennstalls Scuderia Toro Rosso.

Bereits 2005 übernahm der Getränkehersteller die Anteile des österreichischen Bundesligisten Austria Salzburg zu 100 Prozent und benannte den Club in Red Bull Salzburg um - in Österreich kein Problem.

Dort ist es seit Jahren gängige Praxis, dass Vereine ihren Namen an den Hauptsponsor verkaufen. Deshalb spielen in der österreichischen Bundesliga Vereine mit den Namen SV Josko Ried, benannt nach dem Fensterfabrikanten Josko, ...

... oder Sportklub Puntigamer Sturm Graz. Hauptsponsor des aktuellen österreichischen Meisters aus der Steiermark ist, wenig überraschend, der Bierbrauer mit dem Namen Puntigamer.

Sehr großzügig geht es in Investorenfragen auch im Mutterland des Fußballs zu.

In England hat sich der US-amerikanische Immobilien-Mogul Stan Kroenke beispielsweise den FC Arsenal London gegönnt. Sein Vermögen wird auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt. Verheiratet ist er mit der Tochter des Wal-Mart- Gründers Bud Walton.

Der 63-Jährige genießt ohnehin sehr viel Macht im Sport, und das weltweit: In der nordamerikanischen Basketballliga NBA gehören ihm die Denver Nuggets, ...

... daneben ist er Besitzer des Eishockeyteams Colorado Avalanche, das in der NHL spielt. Auch das Fußball-Team Colorado Rapids, die Football-Franchise St. Louis Rams und die Lacrosse-Mannschaft Colorado Mammoth zählen zu Kroenkes Besitz.

Im US-amerikanischen Profisport wird jedes Team von einem Besitzer geführt, der 100 Prozent der Anteile hält. Auch im englischen Fußball ist dieses Modell möglich, und so ...

... erwarb Kroenke das gesamte Aktienpaket des FC Arsenal London im Wert von 826 Millionen Dollar. Damit ist er alleiniger Besitzer der Gunners.

Das Vermögen von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird auf 16 Milliarden Euro geschätzt. 2008 erwarb er für 210 Millionen Pfund 90 Prozent der Anteile an Manchester City. Seitdem investierte der 40-Jährige ...

... mehr als 700 Millionen Euro in neue Spieler. Im dritten Jahr seines Engagements holte der Verein den FA-Cup und qualifizierte sich für die Champions League.

Tom Hicks (l.) und George Gillett, zwei US-amerikanische Großunternehmer, kauften 2007 ...

... den FC Liverpool. Der Preis für den 18-maligen englischen Meister lag bei 470 Millionen Euro. Unter ihre Ägide sammelten sich beim Traditionsklub rund 280 Millionen Euro Schulden an, der Verein stand kurz vor dem Aus. In letzter Sekunde ...

... fand Liverpools Präsident Martin Broughton dann doch noch einen Käufer: Die US-amerikanische Investorengruppe Fenway Sports Group kaufte den Verein für 345 Millionen Euro und konnte ausstehende Kredite noch rechtzeitig abbezahlen.

Malcolm Glazer, Präsident und Vorstandsvorsitzender der First Allied Corporation, verfügt über ein Privatvermögen von 2,6 Millarden US-Dollar. Zwischen 2003 und 2005 ...

... erwarb er nach und nach Anteile am englischen Rekordmeister Manchester United. Seit 2005 ist der Club zu 100 Prozent im Privateigentum der Familie Glazer. Malcolms Söhne Joel, Avram und Bryan sitzen im Vorstand.

Die Übernahme löste bei den Fans von Manchester United große Proteste aus. In Scharen wehrten sie sich gegen einen Verkauf des Traditionsvereins.

Neben seinem Engagement im englischen Fußball ist Glazer auch Besitzer des NFL-Teams Tampa Bay Buccaneers.

Der wohl bekannteste Investor im europäischen Fußball ist der Russe Roman Abramowitsch, der 2003 den FC Chelsea für 210 Millionen Euro kaufte.

Seit seiner Übernahme investierte er rund 800 Millionen Euro in neue Spieler. Abramowitschs Privatvermögen beläuft sich nach Angaben des Wirtschaftsmagazins "Forbes" auf 23,5 Milliarden Dollar.

Für großes Aufsehen sorgte in Spanien ...

... Erstligist FC Getafe. Der Klub aus einem Vorort von Madrid ...

... wurde zu 100 Prozent an die Royal Emirates Group of Companies aus Dubai verkauft. Das Unternehmen von Scheich Butti bin Suhail al-Maktoum (rechts im Bild) soll eine Summe zwischen 70 und 90 Millionen Euro gezahlt haben. Besonders kurios: Ab der nächsten Saison laufen die Spieler ...

... für den "Getafe Club de Fútbol S.A.D. Team Dubai" auf.

Der bekannteste Gönner im spanischen Fußball ist Bauunternehmer Florentino Perez. Der 64-Jährige ...

... ist Präsident von Real Madrid und stemmte unter anderem den Transfer von Cristiano Ronaldo. 2009 wechselte der Portugiese für die Rekordablöse von 93 Millionen Euro von Manchester United zu den Königlichen.

Beim hochverschuldeten Erstligisten RCD Mallorca besitzen prominente Persönlichkeiten wie Tennisspieler Rafael Nadal Anteile. Kürzlich stieg mit ...

... Utz Claassen auch ein Deutscher bei den Kickern von der Baleareninsel ein. Wie viel der ehemalige EnBW-Vorstandschef investiert, ist allerdings nicht bekannt.

Die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga will verhindern, dass Investoren und Kapitalgeber zu großen Einfluss nehmen und das eigenständige Handeln der Vereine einschränken. Der Verein von Ligapräsident Reinhard Rauball, ...

... ist die börsennotierte Borussia aus Dortmund. Wer also über das nötige Kleingeld verfügt, könnte sich theoretisch mehr als 50 Prozent der Aktien des Deutschen Meisters sichern. Allerdings müsste sich ein Interessent mit vielen Aktionären herumschlagen - im Jahr 2010 waren über 80 Prozent der Anteile in Besitz von Kleinanlegern.

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