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Montag, 11. April 2011

Milliarden für das Militär: Planet der Waffen

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Ihre militärische Stärke lassen sich die meisten Staaten einiges kosten: Geld für Soldaten, Panzer und Raketen gibt es rund um den Globus in Hülle und Fülle. Für die Wünsche der Generäle stehen gewaltige Summen zur Verfügung. (Foto: REUTERS)

Ihre militärische Stärke lassen sich die meisten Staaten einiges kosten: Geld für Soldaten, Panzer und Raketen gibt es rund um den Globus in Hülle und Fülle. Für die Wünsche der Generäle stehen gewaltige Summen zur Verfügung.

Die Welt ist ein gewalttätiger Ort: Wo nicht gekämpft wird, trainieren Soldaten für den Fall der Fälle.

Ihre militärische Stärke lassen sich die meisten Staaten einiges kosten: Geld für Soldaten, Panzer und Raketen gibt es rund um den Globus in Hülle und Fülle. Für die Wünsche der Generäle stehen gewaltige Summen zur Verfügung.

Wie viel genau, versucht eine schwedische Nichtregierungsorganisation im Blick zu halten. Einmal im Jahr legt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri die neuesten Schätzungen zu den weltweiten Militärausgaben vor.

Dabei gibt es einen klaren Trend: Seit Jahren schwillt das Militärbudget stetig an: 2010 erreichen die Ausgaben insgesamt - bei leicht gebremstem Wachstum - ein Volumen von etwa 1630 Mrd. US-Dollar. Umgerechnet entspricht das einer Summe von 1,128 Billionen Euro.

Die Ausgaben umfassen nicht nur die Mittel für Waffen, Munition und Rüstung.

Die Träume von militärischer Größe sind generell extrem kostspielig.

Bei manchem Großgerät verbrennt eine Betriebsstunde im Einsatz inklusive Sprit und Wartung leicht mehr als das jährliche Steueraufkommen eines durchschnittlichen Steuerzahlers.

Zwischen 50 und 70 Prozent der Verteidgungsausgaben eines Landes gehen den Berechnungen der Sipri-Forscher zufolge jedoch für Personalkosten, Renten und Pensionslasten drauf.

Das Militär schaut ungern auf die Kosten: Das Kriegshandwerk ist aber immer auch ein finanzielles Kräfteringen.

Die Budgets der zehn stärksten Mächte stellen zusammen rund 75 Prozent der weltweiten Militärausgaben.

In der Rangliste der ausgabefreudigsten Staaten tauchen neben den erwartbaren Größen auch ein paar Überraschungen auf.

Auf Platz 10 der Sipri-Liste zum Beispiel steht mit ITALIEN ein Land, das sich als Teil des mächtigsten Verteidigungsbündnisses in der Geschichte der Menschheit (die Nato) eigentlich nicht akut bedroht fühlen müsste.

Für seine militärische Größe bezahlt Rom im Jahr 2010 dennoch geschätzt 37,0 Mrd. Dollar.

Das reicht immerhin für zwei eigene Flugzeugträger, die Cavour und die Garibaldi (Bild).

Mehr Geld als Rom gibt Neu-Delhi für seine Streitkräfte aus: Zwar geht der indische Verteidigungsetat im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück.

Im Vergleich zum Jahr 2001 aber - dem Jahr, in dem Sipri erstmals vergleichbare Daten erhoben hatte - legen die Militärausgaben Indiens um 54,3 Prozent zu.

Mit Militärausgaben in Höhe von 41,3 Mrd. Dollar liegt INDIEN damit auf Platz 9.

Auf Platz 8 exerzieren vertraute Gestalten: Das Budget für Verteidigung entwickelt sich in DEUTSCHLAND im Mehrjahresvergleich leicht rückläufig.

Heer, Luftwaffe, Marine und Verwaltung beziehen im Jahr 2010 nach Sipri-Berechnungen geschätzte 45,2 Mrd. Dollar aus dem Bundeshaushalt.

Besonders die Auslandseinsätze schlagen zunehmend ins Kontor.

Die Anforderungen an Menschen und Material sind im vergangenen Jahrzehnt enorm gestiegen.

Auch die neue Technik - wie zum Beispiel diese Aufklärungsdrohne - fällt zunehmend ins Gewicht.

Während Nato-Mitglied Deutschland eine weitere Verkleinerung des Wehretats diskutiert, spielen Sparzwänge andernorts gar keine Rolle.

Die Golfregion zählt Sipri zu den Regionen mit zum Teil außergewöhnlich hohen Rüstungsausgaben.

Einsamer Spitzenreiter ist König Abdallah bin Abdulaziz Al Saud: ...

... Unter seiner Regentschaft gibt der ölreiche Wüstenstaat von Jahr zu Jahr mehr Milliarden zur Verteidigung seiner ausgedehnten Territorien aus. Im Jahr 2010 sind es 45,2 Mrd. Dollar. Damit belegt SAUDI-ARABIEN Platz 7.

Im Vergleich zum Vorjahr entsprechen die saudischen Militärausgaben einem Plus von 4 Prozent - im Vergleich zum Jahr 2001 aber einem kräftigen Zuwachs von 63 Prozent.

Kein Wunder, dass sich die Waffenhändler in der saudischen Hauptstadt Riad die Klinke in die Hand geben.

Auf Platz 6 listet Sipri eine Industrienation auf, die seit dem Zweiten Weltkrieg eigentlich nur Selbstverteidigung betreibt: JAPAN.

Ähnlich wie die Bundeswehr sind die japanischen Streitkräfte Japans prinzipiell nur auf die Landesverteidgung ausgelegt.

Der Etat, den Tokio für U-Boote, Lenkwaffenzerstörer, Flugzeuge, Panzer und Soldaten einplant, erreicht im vergangenen Jahr dennoch 54,5 Mrd. Dollar - und damit deutlich mehr als etwa Türkei (17,5 Mrd. Dollar) und Brasilien (33,5 Mrd. Dollar) zusammen.

Nach dem großen Erdbeben vom 11. März 2011 erweisen sich die Kapazitäten der Armee als sehr hilfreich. Ob auch im kommenden Jahr so viel Geld zur Verfügung steht, wird sich zeigen. Das japanische Verteidigungsbudget ist laut Sipri seit Jahren unverändert hoch.

Starkes Wachstum dagegen verzeichnen die Friedensforscher im Rüstungshaushalt der Russen:

RUSSLAND führt Sipri mit geschätzten 58,7 Mrd. Dollar auf Rang 5.

In den Jahren seit 2001 ist der Moskauer Militärhaushalt um über 82 Prozent angewachsen. Die Anschaffung neuer Waffen dürfte dabei eine eher geringere Rolle spielen.

Der größte Flächenstaat der Erde hat vielmehr damit zu tun, Sold und Pensionen für die Armeeangehörigen zwischen St. Petersburg und Wladiwostok sicherzustellen.

Verblüffend wirkt, das FRANKREICH Jahr für mehr in seine Armee investiert als Russland.

Die "Grande Nation" unter Staatspräsident Nicolas Sarkozy rangiert bei Sipri auf Platz 4. Schuld daran sind nicht nur die verstreuten Überseegebiete, teure Nuklearwaffen oder die interessengesteuerten Interventionen in früheren Kolonien.

Frankreich bläht seine Ausgaben zuletzt auch durch symbolgeladene Prestigeprojekte wie das atomar angetriebene Unterseebot "Le Terrible" mächtig auf.

Was die Franzosen sich leisten, kann für die Royal Navy nur recht und billig sein: Die "HMS Astute" der Briten fährt unter Wasser ebenfalls mit Atomstrom.

Daneben engagiert sich GROSSBRITANNIEN an der Seite der Amerikaner auch intensiv im Ausland. Bei Sipri reichen die 59,6 Mrd. Dollar aus London für Platz 3.

Die Militärausgaben ihrer Majestät bewegen sich dabei langfristig kräftig nach oben. Die Forscher errechnen für die Jahre ab 2001 eine Zuwachsrate von 21,9 Prozent.

Die Chinesen lässt das kalt.

Sie geben derzeit pro Jahr ziemlich genau doppelt so viel für ihre Verteidigung aus wie die Briten.

Im Friedensforschungsinstitut in Stockholm liegt CHINA mit seinem Militäretat von geschätzt 119 Mrd. Dollar auf Platz 2 der weltweiten Rüstungsriesen.

Beunruhigend finden Chinas Nachbarn dabei weniger das Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Weitaus bedrohlicher wirkt der Zuwachs seit 2001: ...

Peking hat seine Militärausgaben in den vergangenen Jahren um 189 Prozent nach oben gefahren.

Die Volksbefreiungsarmee verfügt nicht nur über eigene Kampfpanzer, Schiffe und Sturmgewehre aus chinesischer Produktion.

Ein eigener Tarnkappenbomber ergänzt das Arsenal der chinesischen Militärstrategen.

Der technologische Fortschritt der Vereinigten Staaten von Amerika schmilzt zusehends dahin.

Der Einsatz in Afganistan bindet Kapazitäten und zehrt an den Kräften.

Dennoch beansprucht die "letzte verbleibende Supermacht" weiterhin eine weltweite Führungsrolle.

Unangefochten verteidigen kann das Pentagon diese Position auf jeden Fall und in jeder Hinsicht bei den Ausgaben.

Denn die Militärplaner in Washington geben so viel Geld für ihre Streitkräfte aus wie sonst kein anderes Land auf der Welt.

Mit 698 Mrd. Dollar halten sich die USA mit großem Abstand auf Platz 1 der Sipri-Rangliste.

Der Abstand ist sogar gewaltig: Die Amerikaner geben für ihre Militärs fast sechs Mal mehr Mittel frei als die Chinesen.

Für die Dauerbereitschaft mehrerer Flugzeugträger-Flotten, Atom-U-Booten, Bomber, Interkontinentalraketen sowie Regionalkommandos für alle Weltmeere und Kontinente zahlen die USA mehr als die neun kleineren Großmächte zusammen - von China über Russland bis runter nach Italien.

Der Verteidigungsetat der USA steht alleine für knapp 43 Prozent aller weltweiten Militärausgaben.

Im vergangenen Jahr steigt der Militärhaushalt Washingtons um 2,8 Prozent. Seit 2001 beträgt der Zuwachs 81,3 Prozent. Eine größere Steigerungsrate kann in der Gruppe der zehn Großmächte nur China und Russland aufweisen.

Wer Waffen kauft, fühlt sich bedroht - wie sonst ließen sich die Ausgaben in kaum noch vorstellbarer Höhe vor der eigenen Bevölkerung überhaupt rechtfertigen?

Am Ende sind es jedoch nicht die großzügig ausgegebenen Millionen und Milliarden, die den Friedensforschern des Stockholmer Instituts keine Ruhe lassen.

Es ist ein ganz anderer Preis, der viel tiefer schmerzt und der für immer bleibt: Die Tod und Verderben säende Macht der Militärausgaben.

(Quelle: Stockholm International Peace Research Institute Sipri / Alle Angaben, soweit nicht anders angegeben, in US-Dollar zu aktuellen Umrechnungskursen / Text: Martin Morcinek / Stand: April 2011)

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