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Freitag, 10. November 2017

Diese Reichen verstecken Geld: Was die "Paradise Papers" enthüllen

Von Hannes Vogel

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Bis vor kurzem kannten nur Experten die Spezialkanzlei Appleby. Nun ist sie in aller Munde: Millionen Dokumente des Briefkasten-Dienstleisters auf den Bermudas sind durch ein Datenleck an die Öffentlichkeit gelangt. (Foto: REUTERS)

Bis vor kurzem kannten nur Experten die Spezialkanzlei Appleby. Nun ist sie in aller Munde: Millionen Dokumente des Briefkasten-Dienstleisters auf den Bermudas sind durch ein Datenleck an die Öffentlichkeit gelangt.

Bis vor kurzem kannten nur Experten die Spezialkanzlei Appleby. Nun ist sie in aller Munde: Millionen Dokumente des Briefkasten-Dienstleisters auf den Bermudas sind durch ein Datenleck an die Öffentlichkeit gelangt.

Nach den "Panama Papers" (2016), "LuxLeaks" (2014) und den "Offshore Leaks" (2013) zeigen die "Paradise Papers", wie Superreiche und Konzerne ihr Geld vor dem Fiskus verstecken.

Prominentester deutscher Fall ist die Familie des verstorbenen Milliardärs Curt Engelhorn. Ihm gehörte der Pharma-Konzern Boehringer Mannheim. Schon in den 80er Jahren verlegte Engelhorn den Firmensitz auf die Bermudas.

Über ausländische Trusts verschenkte Engelhorn ein Riesenvermögen heimlich an seine Töchter. Sie einigten sich mit dem deutschen Fiskus auf eine Nachzahlung von 145 Millionen Euro Steuern.

Durch die "Paradise Papers" wird eines der größten deutschen Steuerverfahren nun womöglich neu aufgerollt: Es gibt weitere Briefkastenfirmen, von denen die Ermittler nichts wussten.

Die Königin von England ist in Großbritannien eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Doch auch ihr Name taucht in den geleakten Dokumenten auf.

Millionen des Privatvermögens der Queen flossen in einen Investmentfonds auf den Kaiman-Inseln - und damit auch in die Haushaltswarenkette BrightHouse, die wegen Abzocke ihrer Kunden eine Millionenstrafe zahlen musste.

Auch Prinz Charles steckte Millionen in den Investmentfonds seines Freundes Hugh van Cutsem, auf Bermuda. Steuerlich ergab sich daraus zwar kein Vorteil ...

... Das Investment rückt aber das Klima-Engagement des Prinzen in schlechtes Licht: Sein Fonds investierte in die nachhaltige Nutzung von Regenwäldern - und profitierte damit finanziell von der grünen Agenda von Prinz Charles.

Von der Affäre überrascht wurde auch U2-Sänger Bono. Er setzt sich eigentlich für soziale Gerechtigkeit, Entwicklungsländer und den Kampf gegen Aids ein.

Nun kommt heraus: Über Briefkastenfirmen auf Malta und Guernsey hat der Philanthrop in ein Einkaufszentrum in Litauen investiert. Bono zeigte sich "erschüttert" und will von Steuertricks seines Unternehmens nichts gewusst haben.

Auch andere Prominente haben ihr Vermögen in Steuerparadiesen geparkt. Der wegen Sex-Attacken in Ungnade gefallene Hollywood-Produzent Harvey Weinstein investierte in einen Medienfonds in Bermuda.

Auch US-TV-Köchin Martha Stewart, die wegen Insiderhandel zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, investierte in denselben Bermuda-Fonds wie Weinstein.

Selbst Madonna hatte laut den Dokumenten in eine Medizin-Firma investiert, die aus steuerlichen Gründen auf Bermuda registriert ist.

Justin Timberlake hat ebenfalls eine Offshore-Firma auf den Bahamas. Was der Sänger damit will, sagt er nicht. Vermutlich dient sie dem Kauf von Immobilien.

Schauspielerin Nicole Kidman und Country-Musiker Keith Urban haben ihre US-Firma auf den Bahamas registriert. Das diene nicht der Steuerflucht, sondern dem Kauf von Immobilien und dem Schutz ihrer Privatsphäre, erklärte Kidman.

Anders sieht es bei Shakira aus. Sie lebt zwar in Barcelona, ist aber steuerlich auf den Bahamas gemeldet - dort gibt es keine Einkommenssteuer.

Ihre Musik- und Markenrechte hat Shakira in eine Briefkastenfirma auf Malta verlegt. Informationen zu der Firma namens Tournesol Ltd. seien öffentlich, erklärte ihr Anwalt.

Ins Zwielicht geriet auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Denn sein wichtigster Berater und Spendenbeschaffer Stephen Bronfman hat über Briefkastenfirmen Millionen Dollar in Steueroasen verschoben.

Noch brisanter sind die Enthüllungen über Wilbur Ross. Der US-Handelsminister verheimlichte dem US-Kongress bei seiner Ernennung, dass er Anteile an einer Reederei hält, deren größter Kunde die russische Gasfirma Sibur ist, die auf der US-Sanktionsliste steht.

Sibur gehört Wladimir Putins Schwiegersohn Kirill Schamalow...

... und Putins Judo-Partner Gennady Timtschenko. Als US-Regierungsmitglied profitiert Ross damit direkt von Zahlungen aus dem engsten Umfeld des russischen Präsidenten.

Auch ein anderer Putin-Vertrauter machte durch die "Paradise Papers" Schlagzeilen: Leonid Michelson. Der reichste russische Oligarch tarnte sich über Briefkastenfirmen auf den Kaimaninseln, den britischen Jungferninseln und in Panama.

So schaffte es Michelson, seinen Privatjet in den USA zu registrieren, obwohl sein Gaskonzern längst auf Washingtons Sanktionsliste stand.

Geld aus Steueroasen spielte auch eine Rolle im US-Wahlkampf.

Der ultrakonservative Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer, der Donald Trumps Wahlkampf und die rechte Webseite "Breitbart" finanzierte, schuf laut den Dokumenten eine Kriegskasse von 60 Millionen Dollar auf Bermuda.

Trumps Wahlkampfchef Steve Bannon finanzierte mit Mercers Offshore-Geld seine Angriffe auf Hillary Clinton in dem Buch "Clinton Cash". Es behauptete, Clinton habe sich als US-Außenministerin bei Spendern ihrer Clinton-Stiftung mit Aufträgen revanchiert.

Zudem verstecken viele republikanische Top-Spender ihr Geld in Steueroasen. Kasino-Magnat Sheldon Adelson, der für Donald Trumps Amtseinführung fünf Millionen Dollar gespendet hat, hat drei seiner Privatjets in Bermuda registriert.

Auch der Großindustrielle David Koch (im Bild) und sein Bruder Charles, die seit Jahren Millionen an die Republikaner spenden, haben Teile ihres Firmenimperiums nach Luxemburg und Bermuda verlegt.

Hedgefonds-Chef Paul Singer, ein weiterer zuverlässiger republikanischer Großspender, macht sein Geld ebenfalls in Steueroasen.

Mit seinem "Geierfonds" zwingt Singer hochverschuldete Staaten wie Argentinien zur Rückzahlung ihrer Anleihen. Um den Gewinn zu maximieren, sitzen Tochterfirmen seines Imperiums auf den Kaimaninseln.

Auch einer der Top-Spender der Demokraten, Hedgefonds-Manager James Simons, parkt schon seit Jahrzehnten Milliarden auf Bermuda. Die US-Steuerbehörde sei darüber im Bilde, sagt Simons.

Glencore, der größte Minenkonzern der Welt, heuerte die Offshore-Kanzlei Appleby für eine besonders heikle Mission an.

Über eine Briefkastenfirma gab Glencore laut den Dokumenten heimlich 45 Millionen Dollar Kredit an den israelischen Milliardär Dan Gertler, um sich Rechte an der Katanga-Kupfermine in der Demokratischen Republik Kongo zu sichern.

Unangenehme Neuigkeiten gab es auch für Facebook und Twitter. Die geleakten Dokumente zeigen, dass der russische Staat sich zwischenzeitlich bei den Internetkonzernen über Umwege mit hunderten Millionen Dollar eingekauft hat.

Investiert hatte zwar der russische Milliardär Yuri Milner (r.). Das Geld dafür kam aber von der russischen Staatsbank VTB. Zeitweise gehörten Milner 8 Prozent von Facebook und 5 Prozent von Twitter. Inzwischen hat er seine Anteile verkauft.

Ein anderer Internetkonzern war schon vor den jüngsten Enthüllungen für seine Steuertricks bekannt. Wegen umstrittener Briefkastenfirmen in Irland geriet Apple 2013 in die Schlagzeilen.

Die "Paradise Papers" zeigen nun, dass der Konzern nicht etwa aufgab, als seine Steuerflucht öffentlich wurde und EU-Kommissarin Margrethe Vestager dagegen vorging.

Mithilfe von Appleby fand Apple einfach eine neue Steueroase: die Kanalinsel Jersey. "Bestätigen Sie, dass eine irische Firma Managementaktivitäten ausführen kann, ohne in ihren Niederlassungen steuerpflichtig zu werden", lautete Apples Auftrag an die Kanzlei.

Eine winzige Insel half auch Formel-Eins-Weltmeister Lewis Hamilton, Steuern zu sparen. Über die Isle of Man in der irischen See importierte Hamilton seinen Privatjet in die EU - und sparte sich dabei die Umsatzsteuer komplett.

Hamilton machte einen Zwischenstopp von gerade mal einer Stunde und flog dann nach Stuttgart weiter, um sein neues Mercedes-Team zu treffen. So sparte er rund vier Millionen Euro.

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