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Tötung von Löwenfamilie 100.000 Menschen unterschreiben Petition

Erst Giraffe Marius, jetzt eine ganze Löwenfamilie: Die Tötung der Kopenhagener Zootiere stößt auf großen Zorn. Bereits nach dem ersten Vorfall gab es Protest im Internet - jetzt tobt erneut ein Shitstorm.

Der Tod von vier Löwen im Kopenhagener Zoo hat nach der Aufregung um die geschlachtete Giraffe Marius einen zweiten Wutsturm im Internet ausgelöst. Knapp 100.000 Menschen haben bisher eine Online-Petition mit dem Titel "Sagt dem Kopenhagener Zoo, dass er aufhören soll, gesunde Tiere zu töten.

Eine Liste mit den ersten 66.000 Unterstützern der Petition sei bereits von der Initiatorin nach Dänemark geschickt worden, hieß es. Dort warnte der Zoo erneut vor einer "Disneyfizierung" der Natur und warb für eine sachliche Debatte über die Löwen, die am Montag starben. Sechs Wochen zuvor hatte die Schlachtung von Giraffe Marius einen weltweiten Aufschrei verursacht.

"Wir erwarten nicht, dass es annähernd so heftig wird wie beim letzten Mal", sagte Zoo-Verwaltungsdirektor Steffen Stræde der Zeitung "Politiken" mit Blick auf die Kritik. "Aber wir nehmen den Sturm mit und denken, dass es eine wichtige Diskussion ist, die es sich zu führen lohnt."

"Wie versuchen immer unser Bestes"

Die Löwen starben, um Platz für eine neue Generation zu machen, argumentiert der Zoo. "Der Generationswechsel war schon lange geplant, weil die beiden Zuchtlöwen des Zoos sehr alt waren", hieß es. Bei dem alten Chef im Löwenkäfig habe die Gefahr bestanden, dass er sich mit seinen bald geschlechtsreifen Töchtern paare, sagte der Zoo-Verwaltungsdirektor, Steffen Stræde.

Das 16-jährige Löwenmännchen und seine 14 Jahre alte Partnerin wurden zuerst betäubt und dann mit einer Spritze getötet. Auf die gleiche Weise wurden auch zwei zehn Monate alte Löwenjungen getötet, da diese dem Zoo zufolge noch nicht allein hätten überleben können. "Wir versuchen immer unser Bestes, ein neues Zuhause für unsere Tiere zu finden", so Straede weiter. "Leider gab es niemanden, der sie nehmen konnte."

Die Tötung der Giraffe Marius hatte den Zoo der dänischen Hauptstadt im Februar ungewollt in den Fokus der Öffentlichkeit gesetzt. Heftige Proteste gab es, nachdem die Giraffe vor Kinderaugen obduziert worden war und das Fleisch teilweise an Raubtiere verfüttert wurde. Eine Online-Petition hatte die Schließung des Zoos gefordert, der Zoodirektor erhielt Morddrohungen.

Dänische Medien verstehen Aufregung nicht

Zunächst war der Verwaltungsdirektor des Zoos noch positiv gestimmt, dass kein ähnlicher Shitstorm folgen würde: "Es ist eine unserer Hauptaufgaben als Zoo, offen und ehrlich darüber Auskunft zu geben, was wir tun". Auch im Fall Marius habe der Zoo alles gründlich erklärt. "Was wir machen, ist wissenschaftlich begründbar." Auch diesmal scheuen die Verantwortlichen die Konfrontation mit ihren Kritikern nicht. "Wir mussten das tun", sagte Stræde. "Und wir freuen uns darauf, mit Menschen darüber zu sprechen, wieso."

Öffentlich obduziert, wie die Giraffe Marius, wurden die Löwen nicht. Auch ihr Fleisch wurde nicht verfüttert. Ein Teil soll zu Forschungszwecken genutzt werden, der Rest werde nach Angaben des Zoos entsorgt.

Die dänischen Medien gehen im Übrigen ganz anders mit der Thematik um. Einen eigenen Facebook-Link zum Artikel über die zehntausendfach unterschriebene Löwen-Petition kommentiert die Zeitung 'Politiken' mit: "Und 103 haben auf derselben Seite unterzeichnet, dass der Krieg in Syrien gestoppt werden muss... Seit Mai letzten Jahres."

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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